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OxyReduct Brandvermeidung - WAGNER Group

Werner Wagner erstickt Feuer, bevor es entsteht. Die Geschichte einer simplen Idee – und ihrer nicht ganz einfachen Verwirklichung.





• „Probleme lösen, das ist unsere Aufgabe“, sagt der 68-jährige Ingenieur Werner Wagner. Mit 30 gründete er eine Firma, die seinen Namen trägt. Er entwickelte hochsensible Rauchmelder und führte Stickstoff als Löschmittel in Deutschland ein. Mithilfe der Technik ließen sich Brände früh erkennen und so sauber wie möglich löschen. Schäden sind dennoch unvermeidlich. Daher wollte Wagner dafür sorgen, „dass es gar nicht erst brennt“.

Der Bedarf war da. Mit seiner Firma hatte er sich auf Rechenzentren spezialisiert. Dort ist jede Sekunde, in der die Geräte stillstehen, teuer. In der Theorie war Wagner klar, was zu tun war: Ohne einen gewissen Sauerstoffanteil in der Luft kann es nicht brennen. Man müsste also ständig Stickstoff in die zu schützenden Räume pumpen, um das natürliche Mischungsverhältnis der beiden Gase zu ändern. Aber wie sollte das gehen?

Wagner kannte in Flaschen gefüllten Stickstoff. Dann las er in einer Fachzeitschrift, wie Maschinen Stickstoff aus der Luft gewinnen. Das war die Lösung. So eine Maschine wollte er bauen. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern musste er sich tief in die Materie einarbeiten: Wie zerlegt man am effektivsten Luft, um Stickstoff zu gewinnen? Wie berechnet man die Dichtigkeit von Räumen und damit die Menge des jeweils benötigten Stickstoffes? Wie muss eine Maschine zur Stickstoffgewinnung beschaffen sein, die Dauerbetrieb verkraftet? Anderthalb Jahre dauerte es, bis die erste Anlage beim Kunden stand. Mittlerweile hält Wagner 450 Patente rund um das OxyReduct genannte System, das die Luft durch eine Membran ausfiltert oder chemisch durch Kohlenstoff zerlegt.

Der Durchbruch gelang erst zehn Jahre nach der ersten Idee. Denn Wagner musste zunächst um Vertrauen bei den zuständigen Stellen werben. So brauchte der Unternehmer den Segen der VdS Schadenverhütung GmbH, der Prüfstelle des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Es galt nachzuweisen, dass OxyReduct Brände tatsächlich verhindern kann. Außerdem mussten Versicherungen und Berufsgenossenschaften überzeugt werden, dass Angestellte die Räume weiterhin ungefährdet betreten können. „Sieben, acht Jahre haben wir allein gegen ein unhaltbares Gutachten über vermeintliche Risiken dieser Technik gekämpft“, sagt Wagner.

Am Ende half folgende Erkenntnis: Der normale Sauerstoffgehalt der Luft von 21 Volumenprozent muss nur geringfügig gesenkt werden – schon entzünden sich die meisten Materialien nicht mehr. In den Räumen, die OxyReduct heute schützt, liegt er zwischen 15 und 17 Volumenprozent – das entspricht der Luft in etwa 2000 Metern Höhe. Gesundheitlich bedenklich wird es erst ab 13 Prozent.

In der Firmenzentrale in Langenhagen bei Hannover betreiben sie noch immer viel Aufwand, um Skeptiker zu überzeugen. Hinter einer Glasscheibe liegen zwei Räume. Im linken zeigt der Monitor 20,6 Prozent Sauerstoffgehalt an, im rechten 15,6 Prozent. Mit einem Brenner bearbeiten zwei Mitarbeiter jeweils ein Stück aufgehängtes Plastik. Während links innerhalb von Sekunden eine Flamme lodert und das Plastik brennend zu Boden tropft, kräuseln rechts nur ein paar Rauchspuren durch die Luft.

Ein Mitarbeiter führt in einen weiteren Raum, das Display an der Wand zeigt eine rote 15. „Und, merken Sie was?“, fragt er. Beim Atmen spürt man keinen Unterschied. „Zünden Sie mal meinen Anzug an.“ Dann macht er sich mit einem Feuerzeug selbst ans Werk. Es passiert nichts, sooft er auch drückt. Das System funktioniert – bei Flammen. Schwelbrände, so sagen Brandschutzexperten, könnten noch immer entstehen.

Mehr als 700 Anlagen hat Wagner nach eigenen Angaben bereits verkauft. Dahin, wo große Werte lagern oder Ausfälle teuer werden: Sie schützen unter anderem die Rechenzentren von Jack Wolfskin und Osram sowie die Bestände der British Library und des Neuen Museums Berlin.

Die Technik entwickle sich zur Standardlösung im Brandschutz, heißt es in einer Firmenbroschüre. Allerdings ist sie nicht überall anwendbar. Es braucht geschlossene Räume, die möglichst luftdicht sind. Und dann sind da noch die Kosten: Die kleinste Anlage kostet etwa 25 000 Euro, hinzu kommen Betriebs- und Wartungskosten. Herkömmliche Sprinkleranlagen sind schon für weniger als die Hälfte zu haben.

Je größer die zu schützenden Räume sind, desto billiger wird Wagners Technik. Gerade kam eine Anfrage aus den USA herein für ein Lager mit einer Million Kubikmeter Volumen. Eine Sprinkleranlage für das Gebäude würde acht Millionen Dollar kosten, OxyReduct nur etwa die Hälfte, weil eine Anlage mehrere Räume schützen kann. Nordamerika ist der nächste Markt, den Wagner anvisiert. Dort wird er allerdings noch etliche offizielle Stellen von der neuen Art der Vorsorge überzeugen müssen. ---
Kontakt: www.wagner.de