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Logistiker LPR

Elektrogeräte kann man einfach nur liefern. Man kann sie aber auch anschließen und warten.Das hat den Logistiker LPR groß gemacht.





• In Neuss, zwischen dem Hafenbecken, lauten Straßen und den Schienen, auf denen ein benachbartes Bahnschwellenwerk seine kreischenden Züge bewegt, hat die LPR Logistik und Service ihren Sitz. Ein Betrieb mit 280 Angestellten, der Kleingeräte von A nach B transportiert – und sein Geschäft mit einem außergewöhnlichen Gespür für Kundenbedürfnisse macht.

• Vom Rhein aus hat die LPR (steht für: Logistik, Planung, Realisierung) über die Jahre ein Netz von Fahrern, technischen Kurieren und Service-Technikern geknüpft, ohne das viele Service-, Wartungs- und Garantieleistungen namhafter Hersteller undenkbar wären. Denn die Kleinbusse, die an den Abenden in Neuss mit Waren be- und entladen werden, sorgen nicht nur dafür, dass Büros, Geschäfte und Kliniken in ganz Deutschland über Nacht mit Geräten und Ersatzteilen versorgt werden. Vielmehr liefert die LPR bei Bedarf die Leute gleich mit, die sie an die richtige Stelle wuchten, einsatzbereit machen und auf dem Rückweg einpacken, was entsorgt werden muss.

So können etwa Epson, der Automaten-Verpfleger Selecta oder Nestlé den eigenen Kunden die Verlässlichkeit versprechen, die sie erwarten. Dafür beschäftigt deren Dienstleister LPR zum einen technisch geschulte Tageskuriere wie den erfahrenen Allrounder, der gestern noch kaputte Elektrogeräte von einem Großhändler abholt, heute aber mit einem Ultraschallgerät zu einer Arztpraxis fährt, auslädt, einbaut und einen Systemtest vornimmt. Und Service-Techniker, Fachkräfte aus der Elektrobranche, deren Kofferraum von den Kollegen des Nachtexpresses bis sieben Uhr früh mit Ersatzteilen gefüllt wird, sodass sie ohne Umweg zu einem Lager die Büros ansteuern und die Wartung und Reparatur von allerlei Geräten übernehmen können. Wobei die LPR, wenn der Kunde das will, auch dessen landesweit verstreute Service-Flotte mit Ware versorgt.

In den Lagerhallen in Neuss fährt zum Piepen eines Registrier-Scanners unterdessen ein LPR-Gabelstapler umher. Ein Arbeiter bewegt den Karton eines Staubsaugroboters, ein anderer kontrolliert das „Emergency-Lager“ eines Registrierkassenherstellers, der die Ersatzteile in Rekordzeit verfügbar halten will. Drei Dutzend Elektriker reparieren defekte Büromaschinen und Klimageräte, die bei Privatkunden abgeholt wurden.

Irgendwo dazwischen werden die Bauteile eines mannshohen Messgeräts für Augenoptiker aus der Verpackung gehoben; es ist sehr empfindlich und soll morgen früh so ausgeliefert, eingebaut und mit dem lokalen WLAN vernetzt werden, dass es den Geschäftsbetrieb des Optikers möglichst nicht stört. Daher die Vorinstallation.

Value Added Services heißen solche Extra-Leistungen im Kauderwelsch der Logistik. Wo sich LPR auf elektrische Geräte spezialisiert hat, bügeln andere Firmen für ihre Kunden Arbeitskleidung, drucken Preisetiketten, montieren Maschinen für die Automobilindustrie vor. Und dann werden sie zügig in die Lkw verladen. Die Logistikwelt ist eine Maschine mit vielen Rädern und Rädchen.

Beim LPR-Chef Wolfgang Rossmanith kommt ein hoher Anspruch hinzu: „Wenn ich den Karton bis zur zweiten statt bis zur ersten Tür bringe, ist das allein noch kein richtiger Mehrwert.“ Der entstehe erst mit der richtigen Verzahnung vieler kleiner Detailaufgaben, die vor, während und nach der Lieferung erledigt werden müssen. „Dafür müssen Sie den Kunden verstehen“, sagt er. „Sie müssen sich mit ihm zusammensetzen und darüber reden, was alle Beteiligten für einen reibungslosen Ablauf brauchen.“

Es sieht aus wie bei einer gewöhnlichen Spedition –
aber LPR ist für seine Kunden mehr als ein Kistenschieber

Wer nur ausliefert, ist austauschbar

So war das beim Druckerhersteller Xerox, mit dessen Aufträgen Rossmanith seit den Neunzigerjahren über den reinen Transportbetrieb hinauswuchs, zu dem er eher zufällig gekommen war. Sein Vater war Einkaufsleiter bei einem Maschinenbauer, dem eines Tages ein Getriebe fehlte. Und während die Kosten weiterliefen, war niemand da für den Transport. Also durfte der studierende Sohn Wolfgang zur Fabrik nach Mailand. Im dicken Auto. Das Essen lecker. Das Hotel schön. „Und etwas Geld“, sagt Rossmanith, „gab es auch!“

Er kaufte sich einen Ford Transit und passte damit genau in die Marktlücke zwischen dem Paketverkehr der Post und den großen Lastwagen der Spedition. Schon bald merkte er, dass man als Kurier austauschbar ist. Den Auftrag bekam, wer einen Führerschein hatte und für zwei Pfennig weniger fuhr. Das war die Zeit, in der er sich für das Geschehen unmittelbar vor und nach dem Transport zu interessieren begann. Und die Zeit, in der er von den Überlegungen des ebenfalls in Neuss ansässigen Unternehmens Xerox hörte. Die Firma entdeckte den Umweltschutz. Sie wollte die ausgedienten Kopierer und Drucker abholen lassen, schon weil sich viele Einzelteile aufbereiten und wiederverwenden ließen. Nebenbei konnte man so auch jene Anbieter ausbooten, die leere Toner-Kartuschen befüllen und auf dem „Graumarkt“ anbieten. Rossmanith schlug vor, Plastikkisten für das benutzte Material in seine Kleinbusse zu packen und sowohl beim Abholen wie beim Sortieren zu helfen. Und da die Wagen auf den Hinfahrten leer waren, vereinbarte er im Folgejahr auch noch die Ersatzteil-Lieferung – sowie den Austausch der Teile.

Mit der technischen Kompetenz wuchs der Markt. Für viele Unternehmen ist es kaum möglich, einen eigenen bundesweiten Service zu betreiben. Und Fachhändler, die reparieren, sind selten geworden. „So ein eigener Service lohnt sich nur bei einem großen Volumen“, sagt Rainer Kotulla, der beim Elektrounternehmen Oki Deutschland für den Service, die vertraglichen Wartungsverpflichtungen und die Schulung der LPR-Techniker zuständig ist. „Und auch dann haben sie nicht alles aus einer Hand wie bei der LPR, bei der das Besondere ja das Miteinander von Technik und Logistik ist.“

Es muss nicht immer gleich das volle Paket sein. „Oft steigen wir bei Kunden mit einem einzigen Baustein ein“, sagt Hartmut Jadallah, der zusammen mit Stefan Lampl und Rafael Capilla zum Führungskreis zählt. „Bei einigen Kunden beginnen wir mit der Produktlagerung, der Retourenabwicklung oder der Auslieferung eines neuen Produktes.“ Hauptsache, der Fuß ist schon mal in der Tür. Der Rest kommt schon, wenn man aufmerksam ist, von sich erzählt und auf beiläufige Kundenseufzer wie „Am liebsten hätten wir ja …“ mit dem Satz reagiert: „Wenn ihr uns erklärt, was ihr braucht und etwas mithelft, dann könnte das gehen.“

Wer ständig lernt, fürchtet sich nicht so leicht

Wenn es sein muss, kann man im Lager auch eine Waschstraße für Kaffeegeräte einrichten, die der Hersteller während der Reparatur als Leihgeräte verspricht. Man kann einen Kurier überreden, die punktgenau benötigten medizinischen Geräte bis vor die Tür des Operationssaals zu liefern (und sich dafür umzuziehen). Und man kann seine Fachleute mithilfe der Kunden weiterbilden, sodass sie Treppenlifte warten, EC-Karten-Terminals einrichten, Photovoltaik-Anlagen nachrüsten oder für eine technische Hotline zur Verfügung stehen können.

Die Frage ist, wie lange eine solche Firma mit den steigenden Erwartungen der Kunden Schritt halten kann: Was heute Mehrwert ist, gilt morgen bekanntlich schon als Standard.

Bei der LPR zucken sie da entspannt mit den Schultern. Sie setzen auf die eigenen Ideen, die der Mitarbeiter und darauf, dass sie sich einen Sicherheitsabstand zu jenem Teil der Logistik erarbeitet haben, dessen Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff einmal als „eine Art moderne Sklaverei“ beschrieb. Zwar gebe es auch bei ihnen Kollegen, die das Gefühl haben, dass alle Entscheidungen „auf Kosten der Mitarbeiter getroffen“ würden. Und bei den Subunternehmen im Nachtexpress, die man mit betont langfristig angelegten Partnerschaften einbindet, dürfte das hier und da ähnlich sein. Auf der anderen Seite, sagt einer der technischen Kuriere, verdiene er dank des Jobprofils etwas mehr Geld als die Kollegen anderer Firmen, die tagsüber als reine Paketdienstler durch die Innenstädte hecheln und Opfer eines irren Preiskampfes sind. So wie er sind auch die Servicetechniker angetan von einem abwechslungsreichen Job.

Die Erwartungen der Kunden steigen derweil ständig. Gleichzeitig nimmt der Preisdruck zu, weil auch zahlreiche klassische Paketversender und Spediteure in den lukrativen Expressmarkt vordringen. Auch die Konkurrenten können es sich längst nicht mehr leisten, die Interessen der Kunden zu ignorieren. Ob sie irgendwann auch die Geräte bis zur OP-Tür liefern werden?

Wolfgang Rossmanith schreckt das nicht. Im Konferenzraum in Neuss, in den sie zur Erinnerung an die Anfänge einige bunte Xerox-Entsorgungskisten gestellt haben, lässt er eine nach Branchen geordnete Liste der aktuellen Kunden an die Wand werfen: „Sie sehen die renommierten Namen. Wir haben mittlerweile jede Menge Erfahrung zu bieten. Was wir bei dem einen gelernt haben, können wir beim anderen anwenden.“

Die Liste zeigt, dass sich seine Firma verstärkt um anspruchsvollere Projekte bemüht, etwa die Wartung von Solaranlagen oder medizintechnischen Geräten. Und um eine Verlängerung des eigenen Netzwerkes ins europäische Nachbarland. Im Informationsblatt für die Belegschaft ist von der Einstellung von mindestens fünf zusätzlichen Mitarbeitern die Rede. Und von einem neuen Auftraggeber, der Service-Mitarbeiter mit dem richtigen Fingerspitzengefühl für Kunden im Rentenalter sucht und wie viele LPR-Klienten ungenannt bleiben will. Nur so viel verrät der Chef: Es gehe um eine Zielgruppe, die jede Last schätzt, die man ihr abnimmt.

Da eröffnen sich in einer alternden Gesellschaft doch durchaus vielversprechende Optionen. ---