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Griesson de Beukelaer

Das Familienunternehmen Griesson - de Beukelaer schlägt sich gut im harten Geschäft mit Gebäck. Dank einer speziellen Mischung aus Tradition, Technik und Marketing.




• Ein Keks ist ein Keks ist ein Keks. Wirklich Neues erblickt in der Backwarenbranche nur selten das Licht der Welt. Daher besteht die Kunst darin, Bekanntes zu variieren und sich den einen oder anderen Clou einfallen zu lassen. Dafür ist bei Griesson - de Beukelaer (GdB) im Eifelstädtchen Polch Lars Wagener, 45, zuständig. Der Geschäftsführer Vertrieb und Marketing hatte ebenso wie sein Chef Andreas Land eine lupenreine Konzernkarriere hinter sich, bevor er vor vier Jahren von Danone zum Mittelständler in die Provinz wechselte. Um sich hier, wie er sagt, unternehmerisch auszutoben: „Ärmel hoch und rein in den Teig!“

Die Ergebnisse aus der jüngsten Zeit hat er vor sich auf dem Tisch aufgebaut. Dazu zählen Schoko-Kekse, bei deren Verzehr man keine Schoko-Finger bekommt. Sie heißen Kex. „Auf die Idee, sich den Namen schützen zu lassen, ist vor uns noch niemand gekommen“, freut er sich.

Die bekannteste Marke im Sortiment ist die Prinzen Rolle, die sich GdB dank eines Coups gesichert hat (siehe Firmengeschichte). Allerdings verfügt man nur über die Rechte für Deutschland und Österreich, weshalb Wagener & Co. darüber nachdenken, den Prinzen fürs Auslandsgeschäft durch einen Zauberer zu ersetzen.

Die Devise heißt Expansion. Zupass kommt GdB, dass der größte Konkurrent derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Werner Michael Bahlsen kündigte vor einiger Zeit in der »Süddeutschen Zeitung« einen größeren Umbau seiner Firma an und räumte ein: „Die Marke Bahlsen ist zu alt geworden.“

Mittlerweile hat GdB den einst unangefochtenen Platzhirsch abgehängt. Das ist nicht zuletzt einem klugen Schachzug von Heinz Gries zu verdanken. Der heute 78-Jährige hat seine Firma nicht nur groß gemacht, sondern 1998 mit Andreas Land rechtzeitig einen Nachfolger von außen geholt. Sein eigener Sohn Peter gab sich mit der Rolle des Pressesprechers zufrieden. Er führt nun gemeinsam mit Wagener durch den Betrieb, der allein in Polch so viel Platz einnimmt wie 28 Fußballfelder. In Kempen, Kahla, Ravensburg und Wurzen gibt es weitere Fabriken.

Bei GdB investiert man traditionell viel in Technik. In den großen Hallen läuft auf langen automatisierten Produktionsstraßen in drei Schichten Süßes und Salziges vom Band. Um die Maschinen auszulasten, werden auch große Mengen für die Billig-Labels des Einzelhandels hergestellt. Ein beinhartes Geschäft, zu dem es aber, wie Wagener sagt, keine Alternative gebe: „50 Prozent allen Gebäcks wird hierzulande beim Discounter gekauft.“

Um diejenigen, die zur teureren Markenware greifen, bei der Stange zu halten, setzen er und seine Kollegen auch auf Social Media. Allein die Prinzen Rolle hat bei Facebook 324 000 „Likes“. Die Fans werden dort mit allerhand Aktionen wie zum Beispiel „Traum-Duo“ bespaßt. Sie durften Fotos von sich und ihrem Liebsten hochladen – die gelungensten Paarungen wurden auf Keks-Packungen verewigt. Erstaunlicherweise beteiligten sich Tausende an dem Wettbewerb. „Kekse“, so die Erklärung von Lars Wagener, „sind ein sehr emotionales Produkt.“ ---

Der eine Teil der Firmengeschichte beginnt mit dem Belgier Edouard de Beukelaer, der 1870 die Prinzen Rolle erfindet. Sein Sohn baut 1955 eine Keksfabrik in Kempen am Niederrhein. Nach verschiedenen Fusionen geht die Firma 1965 in einer späteren Tochter des französischen Lebensmittelkonzerns Danone auf. Der andere Teil der Geschichte beginnt 1892 mit dem Lebküchner Gottlieb Anton Gries, der im Mosel-Ort Kobern eine Bäckerei gründet, die sein Sohn erweitert und Griesson nennt. 1967 übernimmt der Enkel Heinz Gries das Ruder, macht in Polch eine moderne Fabrik auf – und verhundertfacht den Umsatz in zwei Jahrzehnten. 1998 gewinnt er den Danone-Manager Andreas Land als Nachfolger. 1999 fusioniert Griesson mit der Danone-Tochter General Bisquits zu Griesson - de Beukelaer. Die Franzosen bekommen 40 Prozent am neuen Unternehmen. 2007 kaufen Gries und Land die Anteile von Danone zurück. Dieser Coup beschert dem Mittelständler die Prinzen Rolle und katapultiert ihn in eine neue Liga.

Griesson - de Beukelaer
Mitarbeiter: 2360
Umsatz 2013: etwa 545 Millionen Euro
jährliche Produktion: rund 160.000 Tonnen