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Mach dich schlau!

Finanzfallen können teuer werden. Besser, man kennt sich aus. Oder weiß, wo es Hilfe gibt.





• Wenige Menschen kamen als Finanzexperten zur Welt. Aber sich nicht ums Geld zu kümmern ist auch keine Alternative.

Also bleibt nur eines: selber machen. Doch wie packt man das am besten an? Ein Wegweiser durch den Irrgarten der Finanzwelt.

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Das eigene Geld

Fehler Nr. 1: Mehr ausgeben, als man verdient

Sparen heißt, weniger auszugeben, als man hat. Und trotzdem passiert oft das Gegenteil. Allerdings merkt man das meist erst hinterher. Das gute alte Haushaltsbuch kann dabei helfen, den Überblick zu behalten. Allerdings ist es mühsam, eines zu führen.

Hilfreich: die digitale Version. Neue Software ermöglicht es, die eigenen Finanzen mit wenig Aufwand in den Griff zu kriegen, und zwar sowohl auf dem Computer als auch auf dem Tablet oder Smartphone. Mint, das bekannteste Produkt, ist zwar nicht für deutsche Bankkunden verfügbar. Doch die können sich zum Beispiel kostenlos bei Finanzblick.de registrieren. Dort lassen sich alle Konten im Blick behalten – egal, bei welcher Bank sie ge-führt werden. Über die App lassen sich Überweisungen tätigen, Kontoauszüge einsehen und Daueraufträge bearbeiten. Grafiken helfen herauszufinden, wo das Geld geblieben ist. Ähnliches bieten Kontoblick, Numbrs, Moneystrands, Budgettracker und die Schweizer Plattform Netfolio.ch.

Ein Problem bleibt: Wer bar bezahlt, überfordert die Software. Aber auch das kann mithilfe des Smartphones gelöst werden. Jedenfalls dann, wenn man diszipliniert genug ist, jedes Bier gleich nach dem Bestellen im Telefon zu registrieren.

Fehler Nr. 2: Auf Kredit leben und gleichzeitig sparen

Wer sich Geld leiht, zahlt Zinsen, und zwar in der Regel höhere, als ihm auf Spareinlagen gutgeschrieben werden. Daher ist es sinnvoll, immer erst die höherverzinsten Kredite abzuzahlen, bevor man Kapital anlegt. Das sei ganz und gar logisch? Nicht für jeden. Eine Studie vom Bankenfachverband und von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat im vergangenen Jahr ergeben, dass es unter Schuldnern ebenso viele Sparer wie Nichtsparer gibt.

Hilfreich: Alle Kredite und alle Sparguthaben – jeweils inklusive Zinszahlungen und Zinslast – auflisten und überprüfen, wie schlau man selbst ist.

Fehler Nr. 3: Nicht in die Zukunft schauen

Zugegeben: Keiner weiß, was morgen sein wird. Aber zumindest seine eigenen Pläne sollte man berücksichtigen. Wer eine Familie gründen und ein Haus kaufen möchte, sollte nach der Ausbildung nicht sein ganzes überschüssiges Geld in Lebensversicherungsverträge stecken, sondern darauf achten, dass er an sein Geld auch wieder herankommt.

Eine Liquiditätsreserve ist in jedem Fall sinnvoll. Wer auf jeden finanziellen Puffer verzichtet, muss in der Zukunft mit ordentlichen Gehaltserhöhungen oder Geldsegen aus anderer Richtung rechnen dürfen, um größere Pläne zu verwirklichen.

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Die Gründung einer Firma

Fehler Nr. 1: Irrtümer bei der Kostenkalkulation

Wer sich selbstständig macht, braucht nicht nur eine gute Idee. Er muss auch mit Geld umgehen können. Den ersten Realitätsschock erleidet ein Gründer deshalb meist dann, wenn er anfängt, einen Geschäftsplan zu schreiben, mit dem er die Bank von seiner Kreditwürdigkeit überzeugen will. Das ist eine Aufgabe, die er nur schlecht an den Steuerberater delegieren kann. Wer hier schon die Segel streicht, sollte das als deutlichen Hinweis verstehen, dass er nicht zum Unternehmer geboren ist.

Unerfahrene kalkulieren zum Beispiel gern nur mit dem Bruttogehalt künftiger Mitarbeiter, also mit deren Nettolohn plus Lohnsteuer und Arbeitnehmeranteil an den Sozialversicherungen – wie man es eben aus der eigenen Gehaltsabrechnung als Angestellter kennt. Vergessen wird der Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungen.

Wichtige Fragen, die nicht unbeantwortet bleiben sollten: Wie hoch muss das Liquiditätspolster zur Überbrückung der Anlaufphase sein? Wie prognostiziere ich den Umsatz ohne Erfahrungswerte? All dies muss in einer schlüssigen Finanzplanung zusammengeführt werden. Sonst ist es dann am Ende die Summe der kleinen Fehler, die dafür sorgt, dass die Bank den notwendigen Kredit nicht gewährt. Der Bankangestellte interessiert sich nämlich wenig für die Visionen des Gründers, sondern für Standards, die erfüllt werden müssen.

„Da prallen zwei Welten aufeinander“, sagt Jan Evers vom Hamburger Beratungsunternehmen Evers & Jung. So lassen etwa herkömmliche Vorlagen für Geschäftspläne oft nicht genug Raum für die Präsentation der eigenen Idee. Ulrich Schneidt-Prinz, dessen junge Firma Mind Model sich gerade auf 3-D-Drucker-Dienstleistungen spezialisiert, hat das erlebt. Der Gründer hatte sich zunächst mit einer Vorlage der Bremer Wirtschaftsförderung abgemüht, vergeblich: „Das waren nur Excel-Zeilen und Spalten, es gab keinen Raum für Erklärungen“, sagt Schneidt-Prinz. „Ich habe es einfach nicht hingekriegt.“

Die Lösung: SmartBusinessPlan, ein Software-Tool, das Evers & Jung entwickelt hat, soll beide Welten miteinander versöhnen. „Aber es geht nicht nur um die bankengetreue Präsentation“, sagt Schneidt-Prinz, „das Tool hat mir darüber hinaus auch geholfen, meine Idee noch einmal genau zu überdenken.“

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Der laufende Betrieb

Fehler Nr. 1: Der Aufwand für Finanzen und Verwaltung wird unterschätzt

Franz Falk, der seit 30 Jahren die Mitglieder der Handwerkskammer in der Region Stuttgart berät, weiß, wie schwer es vielen Unternehmern fällt, sich regelmäßig mit Geld- und Verwaltungsfragen zu befassen: „Sie unterschätzen häufig, wie viel Zeit und Mühe der Schriftkram kostet. Das führt dazu, dass sie abends schnell schludrig ihre Rechnungen schreiben und sich dann wundern, wenn die nicht bezahlt werden, weil Angaben fehlen oder nicht korrekt sind.“

Die Lösung: Falk rät jedem Unternehmer in spe, vor der Selbstständigkeit in einem gut geführten Betrieb zu arbeiten und sich auf diese Weise bei seinem Chef gratis das nötige Wissen abzuschauen. „Ob jemand mit seinem Geschäft auf Dauer erfolgreich wird, hat meistens mit dem Stall zu tun, aus dem er kommt.“

Fehler Nr. 2: Umsatz gleich Gewinn setzen

„Viele denken: Was in der Kasse oder auf dem Konto ist, gehört mir“, sagt Falk. Häufig fehle die Übersicht darüber, welche Rechnungen mit dem Geld zu begleichen sind, welche Steuern anstehen und welche Abgaben zu entrichten sind.

Die Lösung: von Anfang an Liquidität und Rentabilität des Unternehmens professionell steuern. Darauf kann aber nur derjenige achten, der seine Zahlen kennt. Hier kann eine Checkliste helfen, die Berater und Coaches wie Franz Falk Jungunternehmern mitgeben. Aber es geht nicht nur darum, gegenüber Lieferanten und Auftraggebern richtig aufzutreten. Auch die passende Software ist entscheidend. Viele Kleinunternehmer sind allerdings mit den komplexen Programmen überfordert, die dazu auf dem Markt sind. Deswegen hat Evers & Jung auch für die abgespeckte betriebliche Liquiditäts- und Rentabilitätsrechnung mit Minicontrol ein Programm entwickelt, das Kleinunternehmern helfen soll, ihr Controlling besser in den Griff zu bekommen.

Der Bonus: Wer auf seine Liquidität achtet, braucht auch bei schlechterer Konjunktur seltener Bank- oder Lieferantenkredite. Damit spart er Zinsen, wodurch am Ende mehr übrig bleibt.

Fehler Nr. 3: Sich keine Hilfe holen

„Meistens sitzt der unerfahrene Unternehmer ehrgeizigen jungen Bankangestellten gegenüber, die nach Provisionen bezahlt werden“, sagt Falk.

Die Lösung: selbstbewusstes Auftreten, keine Demut. „Manchmal ist es gut, wenn ein Steuerberater dabei ist, der dazwischengeht, wenn der Banker seinen Kunden zur Minna macht, nur weil der einen Fachbegriff nicht kennt“, sagt Falk. Leider gebe es gute, engagierte Steuerberater nicht so häufig: „Mit kleinen Betrieben verdienen sie eben oft zu wenig. In diesen Fällen erledigen wechselnde Sachbearbeiterinnen die Buchhaltung, betriebswirtschaftliche Beratung gibt es selten.“ Lieber also einmal mehr den Berater wechseln, rät Falk, bis man jemanden gefunden hat, der sich auch persönlich für das Kleinunternehmen interessiert. Der Steuerberater befreit den Unternehmer aber nicht von der Aufgabe, seine Zahlen selbst zu kennen und zu verstehen.

Fehler Nr. 4: Zahlungsprobleme ignorieren

Selbst wer seine Rechnungen pünktlich stellt, seine Forderungen eintreibt, Aufträge schriftlich fixiert, nicht mehr ausgibt, als er einnimmt, und langfristig plant: Liquiditätsprobleme kann es trotzdem geben. Etwa dann, wenn ein wichtiger Kunde pleitegeht oder einen private Schicksalsschläge ereilen. Und gerade juristisch unbeschlagene Unternehmer wissen oft nicht, wie schnell sie an der Grenze zur Insolvenz haftbar gemacht werden können – oder ab wann sie sich sogar strafbar machen, etwa wenn sie, um liquide zu bleiben, die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung oder die Lohnsteuer nicht abführen. „So jemand begeht Untreue zulasten der Arbeitnehmer“, sagt der Wiesbadener Fachanwalt für Insolvenzrecht Sascha Mertes.

Die Lösung: gute Berater suchen. Gratis helfen neben öffentlichen Schuldenberatungsstellen auch Attila von Unruh und sein Netzwerk. Der Mann, der ehemals selbst mit seiner Firma und dadurch auch privat pleiteging, wollte ursprünglich nur anderen Menschen in der Insolvenz helfen. Seither hat er einen Ring von Selbsthilfegruppen, die Anonymen Insolvenzler, Bundesverband Menschen in Insolvenz und neue Chancen e. V. (BV_INSO) sowie ein Beratungsunternehmen auf die Beine gestellt. Er sieht sich auch Menschen an, die noch um das Überleben ihrer Firma kämpfen.

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Die privaten Schulden

Fehler Nr. 1: Keine Kommunikation

Die Schulden wachsen einem über den Kopf, es ist absehbar, dass man sie nicht mehr bezahlen kann.

Die Lösung: Am besten spricht man schon früh mit den Gläubigern. Nur so ist es möglich, die Außenstände zu reduzieren oder die Zahlungen aufzuschieben. Wenn das gelungen ist, muss man aber Wort halten „und nicht noch einmal nachverhandeln“, sagt Claudia Kurzbuch, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V. Sie rät, nicht zu demütig aufzutreten. Unter www.meine-schulden.de finden sich Vorlagen für entsprechende Formbriefe an Gläubiger. Und natürlich helfen die Schuldnerberatungsstellen in solchen Situationen – leider haben die oft lange Wartelisten.

Fehler Nr. 2: Die eigenen Rechte nicht kennen

Jeder Mensch hat das Recht, nicht den letzten Cent an seine Gläubiger abzutreten. Abhängig von der Zahl der unterhaltsberechtigten Personen – etwa Kinder oder Ehepartner – variiert die Summe, die er behalten darf. Bei Alleinstehenden liegt sie bei mindestens 1050 Euro.

Die Lösung: auf der Einrichtung eines sogenannten Pfändungsschutzkontos – meist nur abgekürzt als P-Konto bezeichnet – bestehen. Das Geld darauf ist bis zur gesetzlich vorgegebenen Grenze vor Pfändungen geschützt. „Weigert sich die Bank, unbedingt zu einer anderen gehen“, rät Claudia Kurzbuch. ---