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Beate Uhse

Was tun mit einer Männermarke, der die Kunden abhanden gekommen sind? Sie in eine für das andere Geschlecht verwandeln. Das ist jedenfalls der Plan bei Beate Uhse.





• „Das Geschäftsmodell Mann hat sich erledigt“, sagt trocken der Chef der Beate Uhse AG, Serge van der Hooft, in der Hamburger Niederlassung der Firma. Herren, die früher zwecks Triebabbaus Video-Kabinen in Sex-Shops aufsuchten oder sich Pornofilme kauften, lassen sich heute bequem daheim und gratis via Internet bedienen. Sie gingen als Kunden für immer verloren. Diese Entwicklung zeichnete sich ab, „aber von der Geschwindigkeit waren wir überrascht“, räumt der 36-jährige Niederländer ein. Er ist seit 2001 im Unternehmen, seit 2010 an der Spitze und kennt das Business von Kindesbeinen an: Schon sein Vater führte einen Erotikhandel in einem kleinen holländischen Ort. Bei Beate Uhse befasste er sich in den vergangenen Jahren vor allem mit Abbau: Zahlreiche Mitarbeiter wurden entlassen, Shops geschlossen, Immobilien verkauft.

Nun investiert die Firma wieder, um die Herzen und Geldbörsen der Frauen zu erobern. Die Marke soll softer werden. Das Logo kommt nun verspielt mit Herzchen daher, und der erste Laden im neuen Look an der Kölner Severinstraße sieht von außen aus wie eine Dessous-Boutique. „Wir wollen die Hemmschwelle, die Läden zu betreten, möglichst niedrig halten“, sagt van der Hooft. Vorn im Geschäft gibt es Bustiers, Korsagen und Strapse, weiter hinten Vibratoren, Liebeskugeln und das „BDSM Starter Kit“.

Dass viele Frauen auf solches Spielzeug stehen, ist seit dem Erfolg des Sadomaso-Reißers „Fifty Shades of Grey“ bekannt. Auf der aktuellen femininen Sexwelle will Beate Uhse mitsurfen. Dieser Tage wird ein Fernsehwerbespot mit einer sich zufrieden in Unterwäsche räkelnden Dame gezeigt – der erste in der Firmengeschichte überhaupt.

Allerdings hatte van der Hoofts Vorgänger auf dem Chefsessel bereits 2004 den Versuch gemacht, Frauen in Edel-Sex-Shops namens Mae B. zu locken, was fehlschlug. Die Zeit sei damals noch nicht reif gewesen, so die Erklärung des jugendlich wirkenden Vorstandsvorsitzenden. Außerdem sei die Positionierung als Luxusmarke falsch gewesen: „Beate Uhse ist Mainstream.“

Nun wolle man zurück zu den Wurzeln des Unternehmens: der Beratung von Frauen in Sachen Sex. Die Gründerin begann ihr Geschäft mit einer „Schrift X“ genannten Aufklärungsbroschüre, die den Kundinnen half, ihre unfruchtbaren Tage zu ermitteln. Mit der Sexualwissenschaftlerin Anja Drews hat das Unternehmen heute eine Mitarbeiterin, die Kundinnen per Internet zum Beispiel darüber aufklärt, das Hardcore-Pornos – die bei Beate Uhse unter der Männermarke Pleasure XXX auch noch im Sortiment sind – mit dem wahren Liebesleben wenig zu tun haben.

Für Kerle ist in der schönen, neuen Beate-Uhse-Welt nur noch wenig Platz. Im Jahr 2020 sollen, wenn es nach van der Hooft geht, 90 Prozent der Kunden weiblich sein und „ein Umsatz von 200 Millionen Euro wieder möglich“. Die Aktionäre würde das freuen – die Kursentwicklung des Erotik-Papiers war für sie bislang nicht eben sexy. ---
Beate Rotermund (verwitwet Uhse) beginnt 1948 mit ihrem zweiten Mann in Flensburg einen Versandhandel für Aufklärungsmaterial, den sie später wegen des besseren Klangs Beate Uhse nennt. 1962 eröffnen sie mit dem „Fachgeschäft für Ehehygiene“ den ersten Sexshop der Welt. Bald folgen weitere. Anfang der Siebzigerjahre trennt sich das Paar, sie führt die Firma weiter. 1981 wird das Unternehmen geteilt, zwei Söhne übernehmen den Versandhandel und nennen ihn Orion. Die Firma wird noch heute von Dirk Rotermund geführt. Beate Uhse und ihr Sohn Ulrich Rotermund konzentrieren sich in den Achtzigern auf das Filial- und Filmgeschäft und bauen auch einen Großhandel auf. 1999 geht man an die Börse und übernimmt Erotikmarken in Nachbarländern. 2001 stirbt die Gründerin, mit Firma und Aktienkurs geht es abwärts. Mächtigster Mann im Haus ist heute der Großaktionär und Aufsichtsratschef Gerard P. Cok; er kennt den CEO van der Hooft seit Kindertagen. Beate Uhse AG Mitarbeiter: 704
Umsatz 2012: ca. 144 Mio. Euro
Verlust: 835 000 Euro
Anteil der Frauen unter den Kunden: ca. 70 Prozent