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Microsoft: Blick in die Bilanz

Microsoft gilt als Problemfall – unsexy, keine Strategie für die Zukunft, keine coolen mobilen Geräte im Angebot. So zumindest die Sicht privater Nutzer. Aber kommt es auf die eigentlich an?





Der Unmut unter Investoren ist groß – so groß, dass sogar Gründer Bill Gates als Berater zurückkehrte. Viele Anleger fordern die Aufspaltung des Software-Giganten aus Redmond, Washington. Sie wünschen sich, dass Microsoft sein Geschäft mit den Privatkunden (Devices and Consumer) verkauft, um sich ganz auf die Geschäftsklientel (Commercial) zu konzentrieren. Charme hat die Idee, würde die Sparte doch damit zum vermutlich profitabelsten Unternehmen der Welt: Die Bruttomarge (Gross Margin), also das, was nach Abzug der Herstellungskosten vom Umsatz (Revenue) übrig bleibt, betrug zuletzt 83 Prozent (10,5 Milliarden Dollar), im reinen Lizenzgeschäft (Licensing) mit dem Betriebssystem Microsoft Windows und der Büro-Software Microsoft Office sogar 93 Prozent. Dagegen nehmen sich Googles 44 oder Apples 38 Prozent geradezu mickrig aus. Auch andere Software-Hersteller wie Cisco und SAP können mit ihren 61 und 74 Prozent nicht mithalten.

Dass die Herstellungskosten im Vergleich zum Umsatz so gering sind, liegt zum einen an den relativ hohen Preisen, die Microsoft als unumstrittener Marktführer im Geschäft mit Großunternehmen durchsetzen kann. Konzerne, die einmal mit Windows oder Office ausgestattet sind, können so schnell nicht auf ein anderes System umstellen – sie sind quasi gefangen. Zum anderen muss einmal entwickelte Software nur aktualisiert werden, was billiger ist als etwa die Produktion neuer Geräte. Allerdings wirtschaftet Microsoft nicht nur bei der Herstellung sehr effizient, auch nach Abzug der operativen Kosten bleiben noch knapp 50 Prozent, also 6,3 Milliarden Dollar übrig.

Der Konzern steht gut da, der Umsatz wuchs im vergangenen Quartal um 14 Prozent auf 24,5 Milliarden Dollar, unter anderem dank der neuen Spielkonsole Xbox, die 1,2 Milliarden Dollar und damit 54 Prozent mehr Umsatz einbrachte als im Vorjahr. Allerdings ist der Ergebnisbeitrag der Xbox und anderer Hardware wie der Surface-Tablets verschwindend gering: Von 4,7 Milliarden Dollar Umsatz blieben nach Herstellungskosten gerade 8,7 Prozent übrig, 411 Millionen Dollar. Der Verkauf von Software an Private (Devices and Consumer Licensing) ist zwar deutlich profitabler, aber rückläufig.

Wo liegt die Zukunft? Mobile Geräte mögen im Trend liegen, werfen aber für Microsoft bislang keinen Gewinn ab. Das Geschäft mit Software für Geschäftskunden hingegen – sei es als Paket-Verkauf oder als Cloud-Service, denn auch das bietet der vermeintlich so rückständige Konzern längst an – ist nicht nur profitabel. Es wächst auch: Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz um zehn Prozent zu. Und einer Studie der Schweizer Bank UBS zufolge planen 45 Prozent der befragten IT-Chefs in den Konzernen, ihr Geschäft mit Microsoft in den kommenden zwölf Monaten auszuweiten, so viele wie bei keinem Konkurrenten.

Bislang wollen die Amerikaner von einer Aufspaltung nichts wissen. Mit dem Erwerb der Handy-Sparte von Nokia, die dieses Jahr eingegliedert werden soll, haben sie ihr Engagement im Privatkundengeschäft ausgebaut – und 5,4 Milliarden Euro in eine kriselnde Firma investiert. Das klingt nach viel Geld, die Zahl relativiert sich aber bei einem Blick in die Firmenkasse: Dort liegen zehn Milliarden Dollar an Cash und weitere knapp 74 Milliarden Dollar in kurzfristig liquidierbaren Wertpapieren. Diese Summe übersteigt die langfristigen Verbindlichkeiten um ein Vielfaches, Microsoft ist quasi schuldenfrei. Die Eigenkapitalquote beträgt solide 55 Prozent. Wenn der Ausflug ins Handy-Business sich also als Fehler erweisen und das Geschäft mit den Konsumenten dauerhaft nicht in Gang kommen sollte, könnten die Amerikaner den Schaden immer noch aus der Portokasse begleichen. Ein echter Problemfall sieht anders aus. ---

Microsoft wurde 1975 von Bill Gates und Paul Allen gegründet und feierte seinen ersten Erfolg 1981 mit dem Betriebssystem MS-DOS, das im Auftrag von IBM entwickelt wurde. 1986 folgte der Börsengang, Anfang der Neunzigerjahre lancierte die Firma mit dem Betriebssystem Windows und der Büro-Software Office zwei Produkte, die weltweit zum Standard wurden, und stieg zum Markt-führer auf. Der nutzte seine Position zeitweilig aus, wurde daher wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens beim Geschäft mit Internet-Browsern verurteilt, beinahe aufgespalten, kam am Ende mit einer Geldbuße gerade noch davon. Bill Gates, der noch 4,52 Prozent der Aktien besitzt, zog sich 2004 aus der Geschäftsführung zurück, steht dem neu berufenen Vorstandschef Satya Nadella aber nun als Berater zur Seite. Microsoft beschäftigt welt- weit rund 100 000 Mitarbeiter.