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Steiner Optik in Bayreuth

Mit Ferngläsern erkunden weltweit Jäger, Segler und Soldaten, was um sie herum geschieht. Bei Steiner-Optik in Bayreuth kennt man ihre Bedürfnisse.





• Der europäische Jäger jagt gern in der Dämmerung und, so will es der Fachjargon, im Ansitz. Ein paar Meter über der Lichtung oder am Feldrain verharrt er in seinem Holzverschlag und wartet möglichst still und regungslos auf Beute. Er zielt am liebsten auf Dam-, Rot- und Schwarzwild.

Der Jäger sieht in der Dämmerung längst nicht so gut wie die meisten der Tiere, auf die er es abgesehen hat. Weil er aber ein Mensch des 21. Jahrhunderts ist, hat er Geräte, die das können. Das wichtigste Werkzeug ist, neben seinem Gewehr, das Fernglas. Ein gutes kann ihm die Beute nicht nur näherbringen, indem es sie sechs-, acht- oder gar zehnmal vergrößert. Es kann vor allem das schwache Licht vor Tagesanbruch oder das schwindende nach Sonnenuntergang so sammeln und verstärken, dass es durch den Feldstecher aussieht, als sei die Beute ausgeleuchtet. Dann kann der Jäger sie „ansprechen“. So heißt der stumme Vorgang, wenn ein Schütze vom Hochsitz aus entscheidet, welchen Bock oder welches Wildschwein es gleich treffen wird.

All das können einem Mitarbeiter bei der Firma Steiner-Optik erzählen, und sie müssen dafür nicht mal selbst jagen gehen. Es reicht, dass Förster und Jäger auf der ganzen Welt zu ihren wichtigsten Kunden zählen. Denn Steiner stellt seit Jahrzehnten nichts als Ferngläser her. Sie kennen sich also aus mit den archaischen Formen des Beobachtens zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Die Jagd als Zeitvertreib, erfährt man von Jörg Prediger, einem der Geschäftsführer von Steiner-Optik, erfreut sich ungebrochenen Zuspruchs. Die Zahl der Jagdscheine, die man in Deutschland in einem recht aufwendigen Verfahren machen muss, um auf Pirsch gehen zu dürfen, nimmt sogar zu. Der Absatz der Ferngläser ging daher nie zurück, nicht mal in der großen Krise nach 2008. Stattdessen wuchs der Umsatz sogar leicht.

Das Unternehmen behauptet von sich, in Deutschland Marktführer für Ferngläser zu sein; auch im restlichen Europa und in Nordamerika steht die Firma wohl hoch in der Gunst professioneller oder leidenschaftlicher Beobachter. Genaue Zahlen gibt das Unternehmen ungern heraus. Was der Geschäftsführer Prediger sich entlocken lässt, ist, dass jedes Jahr 150 000 bis 200 000 Ferngläser die Manufaktur verlassen, die zwischen 300 und 2000 Euro das Stück kosten. Mit den 40 verschiedenen Modellen und Varianten hat man zuletzt 30 Millionen Euro im Jahr umgesetzt und einen Überschuss von zwei Millionen erzielt.

Wie oft beim Besuch eines erfolgreichen Spezialisten staunt man, wie schmucklos sich so eine Produktionsstätte in einem Gewerbegebiet wegducken kann, in diesem Fall in dem von St. Georgen-West in Bayreuth, Oberfranken. Irgendwann in den Achtzigerjahren scheint der Firmengründer Karl Steiner Geld in die Hand genommen und die Konferenzräume im Stil der damaligen Zeit hergerichtet zu haben. Und so sitzt man den heutigen Geschäftsführern Robert Eckert und Jörg Prediger in einer dunkelbraun ausgekleideten Kunstlichthöhle aus Leder und Holztäfelung gegenüber, die vage an die Fernsehserie „Dallas“ erinnert. In Vitrinen sind ein paar Bestseller der Firma ausgestellt. Sie tragen Namen wie US-amerikanische Überraschungsangriffe: Commander, Discovery oder Skyhawk.

Das meistgebrauchte Glas unter deutschen Jägern und Förstern ist angeblich eines der Modellreihe Nighthunter. Es kostet je nach Größe, Bauart und Veredelung seiner Linsen und Prismen zwischen 600 und 1700 Euro. Das ist teurer als viele andere Ferngläser. Offenbar muss ein Nighthunter Dinge besser können als die Konkurrenz. Jedenfalls filtert und verstärkt es die Farben so, dass zum Beispiel ein Reh, das vor einer graubraunen, im Schatten gelegenen Felswand äst und mit bloßem Auge kaum auszumachen ist, gut zu sehen ist. Und dann: peng!

Das komplette Fernglas wird in Bayreuth hergestellt, trotz der hierzulande teuren Handarbeit, die dafür nach wie vor notwendig ist. Statt sich wie manch andere Hersteller viel günstiger Teile aus Fernost zuliefern zu lassen, verkauft Steiner lieber seine Produkte nach China, und das in steigender Zahl.

Obwohl Ferngläser seit ihrer Erfindung vor etwa 400 Jahren nur eine Sache gut können müssen, kann man sie immer noch verbessern. Sie leisten sich dafür in Bayreuth sogar eine eigene Entwicklungsabteilung. Neun der rund 150 Mitarbeiter, sagt Robert Eckert stolz, arbeiteten dort. Der Unterschied, den sie zu anderen Markenferngläsern herausarbeiten können, liegt jedoch längst im Nanometer-Bereich; er wird in Winkelsekunden bemessen, in Newton-Ringen und Transmissionsgraden von Licht. Es geht fast nur noch um Stellen nach dem Komma.

Dass man mit einem Nighthunter bei einbrechender Dunkelheit sehen kann, als wäre es noch hell, liegt nicht nur an den teuer eingekauften Glasrohlingen aus deutscher Produktion, die mit CNC-Maschinen zu geschliffenen und polierten Linsen und Prismen werden. Herzstücke sind die Elektronenstrahlverdampfer, ein jeder neu mehr als eine Million Euro wert. Darin werden die Linsen bei 300 Grad Celsius mit Metalloxiden beschichtet.

In den Verdampfern herrscht Vakuum, weil sich nur so die erhitzten Teilchen gleichmäßig auf den Gläsern ablagern. Jeder Schuss der Elektronenstrahlkanone im Ofen zieht sich über drei bis zwölf Stunden hin. Je nach Modell werden die Gläser bis zu elffach beschichtet. Später, im Gerät verbaut, lassen sie so wenig wie möglich vom eingefangenen Licht durch Reflexionen entkommen und leiten so viel wie möglich davon zum Auge. Sie heben manche Wellenlängen des Lichts hervor und filtern andere heraus. Bei Steiner-Gläsern liegt die Übertragungsquote des Lichts vom Einfall durch die Linse bis zur Ankunft am Auge bei mindestens 96 Prozent – und das ohne Elektronik.

Doch eine gute Optik, lernt man, ist nur ein Teil dessen, was ein Fernglas mittlerweile bieten muss. Ein anständiges Gerät kann man jetzt unter Wasser tauchen, auf den Boden fallen und in der prallen Sonne liegen lassen.

Christian Steffel, Vertriebsmitarbeiter in Bayreuth und gelernter Feinoptiker, schmeißt ein noch leeres Gehäuse auf den Boden der Werkhalle. Das Gehäuse verhält sich, wie es soll – und bleibt heil. „Das ist Makrolon“, sagt Steffel, ein glasfaserverstärktes Polycarbonat. Einst entwickelt für die Raumfahrt, hat es der Firmengründer Steiner vor Jahrzehnten für seine Gläser nutzbar gemacht. Er wusste, in welche Situationen seine Kunden manchmal geraten, zum Beispiel an Bord von Schiffen. Skipper und Kapitäne sind eine weitere große Zielgruppe der Fernglashersteller.

Für den Segler ist das Beobachten der Umgebung überlebenswichtig. Denn auf dem Meer, sagt Jörg Prediger, überlasse sich der Mensch bis zu einem gewissen Grad immer noch den Naturgewalten. GPS-Navigation, Radar, Funk oder Echolot helfen ihm zwar, Untiefen oder Unwetter zu erkennen. Aber die eigene Wahrnehmung ersetzen sie nicht. Auch muss der Segler (oder Yachtbesitzer, Fischer oder Frachterkapitän) auf Wasserstraßen dauernd Bojen, Uferlinien und vor allem andere Schiffe im Blick haben.

Vor mehr als 30 Jahren erfanden sie darum in Bayreuth etwas für ihre große Zielgruppe, die Segler, das bis heute sehr einträglich ist: Sie bauten einen Kompass ins Fernglas ein. Diese Modelle der Reihe Commander sind noch immer ein Renner, und das, obwohl Motor- und Segelyachten längst Bordcomputer mit nautischen Funktionen haben. Inzwischen gibt es den Kompass auch digital. Jetzt arbeiten sie daran, dass das Fernglas kabelfrei Daten mit Kommunikations- und Navigationssystemen an Bord austauschen kann. Wenn das GPS ausfällt, so das Kalkül, kann auf das Kompassfernglas in Verbindung mit der klassischen Navigation zurückgegriffen werden. Auch könnten Bordcomputer einer üblichen Segelyacht, sagt Prediger, meist nicht die Position von anderen Schiffen oder Treibgut registrieren.

Der Firmengründer Karl Steiner, erzählen seine Nachfolger, wollte zweierlei erreichen, als er nach dem Krieg von Zeiss im ostdeutschen Jena wegging und im Westen seine Firma gründete: Er wollte aus den bis dahin teuren Ferngläsern, die wenigen Berufsgruppen vorbehalten waren, Freizeitprodukte für jedermann machen. Und er wollte sie bruchsicher und wasserdicht kriegen.

Als Christian Steffel vor 15 Jahren in die Lehre ging, musste er ein Fernglas noch minutenlang unter Wasser tauchen, um zu sehen, ob Gasbläschen austraten und undichte Stellen anzeigten. Heute werden die fertig montierten Geräte in einem der letzten Arbeitsschritte mit Stickstoff gefüllt, damit sich nie Kondenswasser in ihrem Innern bilden kann. Und in einem Gas-Chromatografen wird nun geprüft, ob der Stickstoff einen Weg nach draußen findet.

Das diskrete Geschäft

Ein Soldat, der feindliche Stellungen ausspäht, darf nicht lange rumfummeln müssen, wenn es ernst wird. Ein Fernglas für Soldaten oder Polizisten, erklärt Jörg Prediger, „muss vor allem extrem robust und leicht zu handhaben sein“. Im Marschgepäck dürfen die Geräte nicht viel wiegen, sie müssen sich ergonomisch ans Auge schmiegen, Schneestürme genauso überstehen wie Sandstürme. Die Geräte müssen Frost und Hitze aushalten, Schwankungen von minus 40 bis plus 80 Grad Celsius.

Weil die Ferngläser aus Bayreuth das können, sind sie manchmal in Film und Fernsehen zu sehen: in Agenten-Thrillern, in denen US-Präsidenten beschossen werden, oder in echten Nachrichten, in denen US-Präsidenten beschützt werden. Wenn etwa in Washington eine Demonstration stattfindet und Barack Obama eine Rede hält, pflanzt sich der Secret Service aufs Dach und späht durch riesige, auf Stativen befestigte Feldstecher in die Menge. „Die“, sagt Prediger, „sind von uns.“

Redet man mit ihm und seinem Kollegen Eckert über ihr Geschäft mit dem Militär, geben sich die Männer wortkarg und tun so, als sei das keine große Sache. Auf ihrer Website aber steht die Firma dazu, seit Jahrzehnten weltweit führender Ausstatter von Armeen und Polizeien zu sein. Das Jahr 1989 brachte auch den Franken die dafür entscheidende Wende – in Form eines Großauftrags der U.S. Army über 72 000 Stück.

Sie rüsteten seither die französische Marine genauso aus wie neulich die hessische Polizei, die in Afghanistan einheimische Polizisten ausbildet. Seit fast sechs Jahren gehört Steiner einer Waffenschmiede, der Beretta-Holding. Beretta stellt seit fast 500 Jahren Waffen her. Der Firmengründer Karl Steiner hatte 2008 an die Italiener verkauft, um sich zur Ruhe setzen zu können. Seither baut das Bayreuther Unternehmen auch Zielfernrohre – und zwar nicht nur solche, die man braucht, um einen Zwölfender zur Strecke zu bringen. Auf der englischsprachigen Website wird die Zielgruppe umgarnt: Soldaten und Polizisten.

15 Prozent ihres Umsatzes machen sie mittlerweile mit Militär und Polizeibehörden. Vor wenigen Jahren noch hatten sie zehn Prozent angegeben. Der Geschäftsführer Prediger redet aber lieber über die friedfertigsten seiner Stammkunden: die Vogelkundler.

Freizeit-Ornithologen, die es ernst meinten, sagt Jörg Prediger, verkleideten sich in Tarnfarben oder gleich ganz als Gebüsch. Sie lägen stundenlang im Gras, stünden stundenlang mit Stativen an Flussufern, kauerten im Unterholz. „Es gibt Vogelvernarrte, die fahren für einen Tag von den Alpen bis ins Wattenmeer, um einen Exoten zu sehen, weil der nur genau an diesem Tag durchzieht.“

Es ist bekannt, dass die Briten vernarrt sind in Piepmätze. Eine Million Mitglieder habe allein die britische „Royal Society for the Protection of Birds“, weiß Prediger. Das sind fast dreimal mehr als die drei größten Parteien Großbritanniens zusammen. Ein riesiger Markt.

Wenn der Vogel vor die Linse fliegt, muss es schnell und einfach gehen: das Okular mit einem Handgriff scharf stellen und dann das Tier im Blick behalten. Die dafür geeignete Modellreihe aus Bayreuth trägt den Namen Skyhawk, genau wie der amerikanische Jagdbomber Douglas A-4. Man könnte das frei mit Himmelsstürmer übersetzen. Hawk, der Habicht, ist jedenfalls ein Greifvogel, der vorwiegend kleine und mittelgroße Vögel frisst. Und er hat sehr scharfe Augen. ---