Erdhügel als Lärmschutz

Am Flughafen Amsterdam Schiphol sorgen zwei Landschaftsarchitekten mit einem Park für mehr Ruhe.





• „Es nervt. Wir hören die Flugzeuge überall: im Schlafzimmer, im Bad, im Wohnzimmer“, sagt Elmi van de Pas und zeigt auf ihr Haus, das gut einen Kilometer von der Startbahn entfernt liegt. Viel Lärm sorgt verständlicherweise für viel Ärger. Um die Nerven der Anwohner zu schonen, hat der Amsterdam Airport Schiphol versprochen, die Lautstärke von teilweise deutlich über 60 Dezibel um mindestens zehn Dezibel zu senken. Am Ende soll sie sogar unter den für Wohngebiete vorgesehenen Grenzwerten liegen.

Das Problem: Bisher funktionierte keine der herkömmlichen Dämmtechniken gegen den sogenannten Grundlärm, der beim Start entsteht und sich für Sekunden anhört wie ein Gewitter oder eine Explosion. Seine Schallwellen breiten sich in alle Richtungen aus und verbreiten sich auf dem flachen Ackerland rund um den Flughafen besonders gut.

Viel wurde versucht. Auch ein Wettbewerb, bei dem ab 2008 unter anderem mit Dämmelementen in Form von Pyramiden experimentiert wurde, förderte nichts Neues zutage. Erst die Beobachtung, dass der Lärm im Herbst bei umgepflügten Äckern weniger laut war, brachte Lodewijk van Nieuwenhuijze vom Landschaftsarchitektur-Büro H+N+S in Amersfoort auf die richtige Spur: Offenbar schlucken die Ackerfurchen die Schallwellen.

Daraufhin wurde das niederländische Forschungszentrum TNO damit beauftragt, Modelle für den mit täglich mehr als 1100 Starts und Landungen viertgrößten Flughafen Europas zu entwickeln. Bei Experimenten zeigte sich, dass drei Meter hohe keilförmige Hügel, die in einem Abstand von elf Metern angelegt werden, den Grundlärm in verschiedene Richtungen lenken und um bis zu zehn Dezibel reduzieren können. Das klingt nicht nach besonders viel, aber da der Schalldruckpegel eine logarithmische Maßeinheit ist, bedeutet das eine Halbierung der Lautstärke für das menschliche Ohr.

„Wir hatten viel Erfahrung im Deichbau, aber keine Ahnung, wie sich Schall in einer bestimmten Landschaft verhält“, sagt van Nieuwenhuijze. Aus den Versuchen ergab sich, dass mindestens fünf Lärmdeiche hintereinander angelegt werden sollten, um den gewünschten Effekt zu erzielen. „2010 haben wir dann fünf Deiche in der Nähe des Flughafens gebaut, und es funktionierte sogar noch besser als vorausgesagt“, sagt der Landschaftsarchitekt.

Nach diesem Erfolg sollen im Auftrag des Flughafens in den kommenden Jahren an verschiedenen Stellen auf rund 60 Hektar Land Lärmdeiche errichtet werden, um den Krach zu reduzieren.

Bereits fertiggestellt ist ein 33 Hektar großes dreieckiges Grundstück in unmittelbarer Nähe der nahe gelegenen Ortschaft Hoofddorp. Da Dutzende symmetrisch angereihte Lärmbrecher alles andere als einladend aussehen, hat van Nieuwenhuijze den Landschaftskünstler Paul de Kort hinzugezogen, der einige Hügel neu anordnen oder abflachen ließ. So ist ein Labyrinth entstanden, das sich immer wieder zu Grasflächen öffnet. Noch ist der im Oktober 2013 eröffnete Landschafts- und Kunstpark Buitenschot an einigen Stellen dünn bewachsen. Trotzdem spazieren dort schon einige Anwohner.

Auch Elmi van de Pas führt dort täglich ihre Hunde aus. Aber hilft der neue Park auch gegen den Fluglärm? „Nein, die Lärmbelastung ist nicht geringer geworden“, sagt sie. Ein Nachbar widerspricht: Etwas leiser sei es durch die Hügelketten schon.

Die beiden Planer hören aufmerksam zu. „Wir haben eine Reduzierung des Lärms um drei Dezibel gemessen“, sagt de Kort. Das gelte in der Forschung als „deutlich wahrnehmbar“. Allerdings werden Geräusche je nach Windrichtung und Wetter unterschiedlich verstärkt. Und die Wahrnehmung hängt auch von der Einstellung ab. Als Beispiel nennt der 53-jährige Künstler sein eigenes Tinnitus-Leiden. Erst als es ihm gelang, das Ohrgeräusch mit positiven Assoziationen zu verbinden, konnte er besser damit umgehen.

In den kommenden Monaten werden weitere Lärmdeiche errichtet. Insgesamt müssen noch 70 bis 80 Dämme aufgeschüttet werden, damit das Ziel erreicht wird. Seit dem Baubeginn im Jahr 2010 sind knapp 50 entstanden – und der Lärm ist bereits um gut ein Drittel zurückgegangen.

„Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, das Leben in der Nähe von Flughäfen etwas angenehmer zu gestalten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Lärmdeiche auch an anderen Standorten funktionieren“, sagt van Nieuwenhuijze.

Die Verantwortlichen des O’Hare International Airport in Chicago, wo die Anwohner ebenfalls seit Jahren über Fluglärm klagen, beobachten offenbar bereits aufmerksam, was in dem Park bei Amsterdam geschieht. ---

Kontakt: www.hnsland.nl