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brand eins 06/2014    Zu viel des Guten



Frank Schlößer
Es gibt einen vergessenen humanistischen, pazifistischen Science-Fiction-Roman von Kurd Laßwitz: „Auf zwei Planeten“ von 1897. Darin beschreibt er die Vereinigten Staaten des Mars. Und er lässt einen Bewohner sagen: „Die Unterschiede in einer Gesellschaft sind nötig, damit zwischen ihnen etwas fließen kann. Wenn zwischen den unterschiedlichen Niveaus nichts geschieht, wenn der Ausgleich nicht versucht wird, dann stirbt die Gesellschaft am Stillstand.“ Bernhard Riedl
„Einkommensgleichheit ist ein heikles Thema. Jedes Mal wenn der Begriff fällt, steht auch die Legitimation des eigenen Einkommens infrage.“ Wenn der Kapitalismus ungleiche Einkommen braucht, dann braucht das ihn ermöglichende Gemeinwesen vielleicht auch – im selben Verhältnis – ungleiche Steuern und Steuersätze.

brand eins 06/2014    Branche auf Speed

Jörg Kremer
Bei den Boni geht es nicht um Motivation. Es geht darum, den Gorilla in uns zu nähren. Der archaische Mensch in uns will sexuell attraktiv sein und sich sichtbar potent positionieren. Aus Männersicht: Der Mann braucht eine junge Frau, die seine Gene mehrt. Er muss dafür jung wirken und macht das mit einem Sportwagen, der nicht für viel Geld, sondern für Unvernunft steht. Und Unvernunft ist jung! Die Motivation für Boni liegt weit außerhalb des Jobs. Aber wer gesteht sich den Gorilla schon gerne ein? Karl-Heinrich Narjes
Es sollte beides stimmen: gemeinsamer Gestaltungs- und Erfolgswillen von Mitarbeitern und Vorgesetzten und die angemessene Vergütung. Im normalen Arbeitsleben haben erfolgsabhängige Sonderzahlungen oft auch die Funktion, als Einmal-Zahlung keine gesonderten Firmenrentenansprüche zu generieren. Damit ist die spätere Last für das Unternehmen reduziert. Christian Sporer
Ich mache dem einzelnen Banker keinen Vorwurf, sie leisten beste Arbeit auf höchstem Niveau in den Rahmenbedingungen, welche das System erlaubt. Es läge meines Erachtens an der Politik, die Spielregeln besser zu definieren. Sebastian Großalber
Boni in unbegrenzter Höhe sind vollkommen in Ordnung, wenn diese vom Aufsichtsrat abgesegnet werden, allerdings sollten diese Banken damit auch jeden Anspruch auf Staatshilfe verlieren. Kein Unternehmen einer anderen Branche könnte sich derart dreist über gesetzliche Regelungen hinwegsetzen, seine Mitarbeiter wieder zu kurzfristigen Gewinnsteigerungen animieren und dann noch immer guten Gewissens davon ausgehen, im Falle des Falles gerettet zu werden. Falk Diestel
Boni bieten Gewinnbeteiligung ohne Verlustrisiko, während Bankkunden mit ihren Anlagen neben den Chancen auch die Risiken tragen müssen. Ein betriebliches Boni-Konto mit Verlustmöglichkeit und begrenzter Geldentnahme wäre vielleicht eine faire Lösung. Fe Lix
Boni sind das einfachste Mittel, um der Motivation ein wenig auf die Sprünge zu helfen (und der Theorie nach wie gemacht für den Homo oeconomicus). Andere Dinge wie „passgenaue“ Arbeitsanforderungen, unkomplizierte Organisationsstruktur und persönlichere Beziehungen würden mehr helfen. Allerdings sind diese Dinge für viele Personen im Management nicht besonders naheliegend und daher kompliziert in der Implementierung. Joachim Schönke
Wahrscheinlich sind die Investmentbanker die Einzigen in einer Bank, die wirklich unternehmerisch denken können und deshalb im eigenen und im Kundeninteresse handeln und berechtigt viel verdienen. Traditionelle Banker sind vom Typ eher vorsichtige Sparer, deswegen verstehen sich das traditionelle Banking und das Unternehmertum ja oft auch so schlecht. Krid Remarc
Der Vergleich von Unternehmer und Investmentbanker hinkt: Ein Unternehmer spekuliert weniger waghalsig, da es ja logischerweise um sein eigenes Geld geht. Andreas Hinderks
Na ja. Auf der einen Seite meckern wir, dass die doch so seriösen Lebensversicherungen keine Zinsen mehr abwerfen, regen uns aber über Investmentbanker auf, die narzisstisch und geldgeil sind, aber das System mit ihrem Tun befeuern. Wir haben lange Jahre mit dem System gut gelebt bzw. haben es toleriert, weil wir auch davon profitiert haben. Jetzt zu sagen, dass es pervers sei, wäre nicht gerecht, obgleich das System definitiv überreizt wurde. Die Wahrheit ist immer komplizierter, als man es sich wünscht.