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Das kann man auch so sagen

Wer mit „Bürger“ alle Menschen eines Landes meint, diskriminiert die Bürgerinnen. Gender-Wissenschaftlern macht das Kopfzerbrechen. Sie arbeiten an der Entdiskriminierung der Sprache. Wie das funktionieren kann, zeigen wir exemplarisch an einem Satz aus der Einleitung dieser Ausgabe. Er lautet im Original: „Man muss das Ganze nicht ernst nehmen, reden sich die Militärs ein, und die Politiker und Bürger sehen es nicht anders.“





Das Ganze muss nicht ernst genommen werden, reden sich die Militärs ein, und die Politiker und Bürger sehen es nicht anders.
Das generalisierende „man“ wird mit einem Passivsatz umgangen, um eine männlich dominierte Assoziation zu vermeiden.

Das Ganze muss nicht ernst genommen werden, reden sich die Militärs ein, und die PolitikerInnen und BürgerInnen sehen es nicht anders.
Das Binnen-I soll verhindern, dass bei Politikern und Bürgern jeder erst an Gruppen von Männern denkt.

Das Ganze muss nicht ernst genommen werden, reden sich die Militärs ein, und die Politiker_innen und Bürger_innen sehen es nicht anders.
Das Gender_Gap weist mit dem kurzen Innehalten vor der Geschlechterkennung auf weitere Geschlechter hin – jenseits von männlich und weiblich. Alternativ kann auch ein Sternchen den Unterstrich ersetzen, was die Aussprache zwar erschwert, in den Augen der Befürworter aber wegen der Strahlen des * - Zeichens eine stärkere Symbolkraft besitzt.

Das Ganze muss nicht ernst genommen werden, reden sich d_ie Milit_ärs ein, und d_ie Pol_itikerinnen und Bü_rgerinnen sehen es nicht anders.
Noch weiter geht der dynamische Unterstrich ohne festen Ort im Wort, der darauf aufmerksam macht, dass es keine fixe Bruchlinie zwischen den Geschlechtern gibt.

Das Ganze muss nicht ernst genommen werden, reden_schreiben_gebärden sich d_ie Milit_ärs ein, und d_ie Pol_itikerinnen und Bü_rgerinnen sehen_hören_fühlen es nicht anders.
Der Ableismus betont, dass nicht alle die gleichen Fähigkeiten haben. Um weder Militärs zu diskriminieren, die nicht schreiben können, noch Bürger und Politiker, die nichts hören, werden Alternativen der Wahrnehmung und des Ausdrucks genannt.

Das Ganze muss nicht ernst genommen werden, reden_schreiben_gebärden sich d_ie Milit_ärs ein, und d_ie Pol_itikerinnen und Bü_rgerinnen sehen_hören_fühlen es nicht and_ers.
Außerdem kann der Unterstrich auf problematische Themen verweisen, wie hier auf das Anderssein an sich.

Das Ganze muss nicht ernst genommen werden, reden_schreiben_gebärden sich dix Militärxs ein, und dix Politikxs und Bürgxs sehen_hören_fühlen es nicht and_ers.
Die x-Form hingegen streicht die geschlechterspezifische Endung radikal durch. Der Bürger wird zum Bürgx (gesprochen: Bürgiks), die Bürger zu Bürgxs (gesprochen: Bürgikses). ---
Literatur zum Thema
Was tun? Sprachhandeln – aber wie? W_Ortungen statt Tatenlosigkeit. Anregungen zum antidiskriminierenden Sprachhandeln.
AG Feministisch Sprachhandeln der Humboldt-Universität zu Berlin, 1. Auflage 2014