Zeitreicher

Haushaltshilfen sind schwer zu finden, zudem arbeiten sie oft schwarz. Drei Gründer in Norddeutschland wollen beides ändern.





• Vor drei Jahren kriegte Frank Tams die Krise. Der 48-Jährige hatte einen anstrengenden Job, er leitete die Privatkundenbetreuung beim Telekommunikationsunternehmen Hansenet – und musste nebenher eine Haushaltshilfe für die Eltern seiner Lebensgefährtin finden. Hieß: noch nach Feierabend herumtelefonieren und Vorstellungsgespräche führen. „Furchtbar war das!“, sagt er. Vor allem, weil er wochenlang vergeblich suchte.

Seinen Bekannten und Kollegen, stellte er dann fest, erging es ähnlich. Hatte jemand eine Hilfe für Haus und Garten, dann arbeitete sie in der Regel schwarz. Das müsse doch auch anders gehen, dachte er. Schließlich können die sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen zu 20 Prozent von der Steuer abgesetzt werden.

Der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Als Hansenet rund ein Jahr später an Telefónica verkauft wurde, nutzte er das zum Absprung und gründete gemeinsam mit zwei ehemaligen Kollegen im Jahr 2011 die Zeitreicher GmbH. Der Firmenname ist Programm: Der Service soll den Kunden mehr Zeit verschaffen.

Tams hat sein Büro im schleswig-holsteinischen Itzehoe. Das ist gleichzeitig die Firmenzentrale. Sein kleines Team ist über ganz Deutschland verteilt: Die IT-Expertin Laura Hoffmann arbeitet in Berlin, der Betriebswirt Marcus Timmler in Essen. Das Versprechen der Gründer: „den Markt für Dienstleistungen im Haushalt vereinfachen und fairer gestalten“.

Angefangen haben sie im Raum Hamburg. Ihre Firma bringt dort Anbieter und Nachfrager diverser Services zusammen. Das kann der wöchentliche Großputz sein, Gartenarbeit oder die Betreuung von Angehörigen. Das Ehepaar Werner zum Beispiel hat im April dieses Jahres eine Haushaltshilfe über die Zeitreicher GmbH gefunden. Beide arbeiten Vollzeit. „Dann muss ich am Wochenende nicht putzen, sondern kann mich um meinen Sohn kümmern“, sagt Cornelia Werner.

Über die Vermittlung hinaus kümmert sich die Zeitreicher GmbH auch um die Bezahlung. Eine Stunde Putzen kostet maximal 22 Euro – deutlich mehr als auf dem Schwarzmarkt. Bis zu 35 Prozent davon kassieren die Gründer für die Vermittlung. Dafür wählten sie die Reinigungskräfte sorgfältig aus, sagt Tams. Er überzeuge sich persönlich von deren Qualifikation, lasse sich zudem Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung vorlegen und schaue sich deren polizeiliches Führungszeugnis an. Von 50 Bewerbungen akzeptiere er im Schnitt fünf. „Die Kunden sollen darauf vertrauen können, dass sie gute Arbeit bekommen.“

Trotz der Vermittlungsgebühr verdienten die selbstständigen Putzfrauen, Gärtner oder Seniorenbetreuer mehr als mit Schwarzarbeit, sagt Tams. „Wir wollen angemessen bezahlen.“ Die Firma teilt ihnen Kunden zu und schreibt auch die Rechnungen. Die Stundenzahl ist nicht festgelegt, sodass jeder Dienstleister mehr verdienen kann als die 450 Euro, die ein Minijob im Monat einbringen darf.

Um genügend Haushaltshilfen zur Verfügung zu haben, unterstützen die Zeitreicher Interessenten auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Künftig wollen sie dafür mit der Arbeitsagentur kooperieren. „Das Team hat mir bei rechtlichen und steuerlichen Fragen sehr geholfen“, sagt Gabi Göke. Die 53-Jährige arbeitet seit anderthalb Jahren als Haushaltshilfe. Den Großteil ihrer Aufträge vermitteln ihr die Zeitreicher, andere hat sie selbst akquiriert.

Natürlich könnten Kunde und Dienstleister das Geschäft nach einer Weile ohne ihn abwickeln, sagt Tams. Im ersten Jahr verbiete das eine Schutzklausel im Vertrag. „Wir wollen die Dienstleister aber von unserem Konzept überzeugen, sodass sie auch langfristig bei uns bleiben.“ Zum Beispiel weil sie über die Firma versichert sind und sich so eine eigene Berufshaftpflichtversicherung sparen können.

An den rechtlichen Details dafür haben die Gründer monatelang gefeilt. Sie wollen den Haushaltshilfen Zusatzleistungen bieten und sich dadurch von bereits bestehenden Portalen wie etwa Betreut.de abheben. Dort werden Kunden und Anbieter lediglich auf passende Anzeigen aufmerksam gemacht.

Die Zeitreicher wurden von der MBG Schleswig-Holstein, der KfW Bank und mehreren Privatinvestoren mit insgesamt 450 000 Euro unterstützt. Auch Markus von Blomberg von der Beteiligungsgesellschaft Mello GmbH hat in das Unternehmen investiert. „Die größte Herausforderung für die Gründer ist es jetzt, zu beweisen, dass das Konzept sowohl für Kunden als auch für Dienstleister attraktiver ist als der Schwarzmarkt“, sagt er.

In Hamburg klappt das schon gut. Dort gebe es heute 20 Buchungen pro Tag. Vor einigen Monaten waren es nicht mehr als zwei. Der Umsatz sei sechsstellig. Die Gründer erwägen nun, in weitere Großstädte wie München oder Frankfurt zu expandieren. Und Ende nächsten Jahres wollen sie schwarze Zahlen schreiben. ---

Kontakt: info@zeitreicher.de

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