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Karl May Verlag

Der Karl-May-Verlag ist wohl der einzige weltweit, der allein auf einen Autor setzt. Und mehr als hundert Jahre nach dessen Tod immer noch von ihm lebt – wenn auch bescheiden.





• Bernhard Schmid wurde in die Welt von Karl May hineingeboren und fühlt sich in ihr offensichtlich wohl. Sein unaufgeräumtes Büro schmücken unter anderem eine Statue Winnetous, ein ausgestopfter Adler und ein Miniatur-Tipi. Der 51-Jährige leitet den Karl-May-Verlag mit Sitz in Bamberg in dritter Generation. Hier wird das Werk des „meistgelesenen deutschen Schriftstellers“ (Schmid) verwertet. Auf die Frage, ob der ihn nicht mittlerweile langweile, antwortet er: „Überhaupt nicht. Karl May ist ein faszinierender Mensch – sein Leben war selbst ein Roman.“ Ein armer Schlucker, der sieben Jahre im Knast saß, sich dort als Abenteuerschriftsteller neu erfand, sich zäh nach oben arbeitete, berühmt wurde und sich auf seine alten Tage als glühender Pazifist der Weltverbesserung widmete.

Bernhard Schmid trat 1993 auf Wunsch seines Vaters in den Verlag ein. Damals war Not am Mann. Der Senior Lothar Schmid hatte sich mit seinen beiden Brüdern überworfen, mit denen er die Firma gemeinsam leitete. Sie wollten verkaufen, er nicht. In einem finanziellen Kraftakt zahlte er sie aus und ging mit dem Junior frisch ans Werk.

Vater und Sohn brachten erstaunlich viele neue Bücher des 1912 verstorbenen Karl May heraus. Das war möglich, weil dessen Œuvre gewaltig ist und viele seiner Geschichten in Zeitschriften wie der »Gartenlaube« erschienen sind, die nun etwa für Themenbände wie „Karl May und die Religion“ kompiliert werden. Außerdem ist für Fans des „Phönix an Verkitschtheit“– so der Schriftsteller Arno Schmidt über den von ihm bewunderten Erzähler – allerlei im Programm: von der historisch-kritischen Ausgabe über Bildbände bis hin zu einem Atlas, mit dessen Hilfe man mit dem Finger zu den Schauplätzen von Mays Schnurren reisen kann.

Schmid räumt allerdings ein, dass das Thema trotz aller Fantasie endlich ist. Er erzählt von den Sorgen eines Kleinverlegers, dessen Firma einen großen Namen hat, aber nur wenig Umsatz. Er klagt über Buchhändler, die Karl May nicht mehr vorrätig haben, obwohl jedes Jahr immerhin noch 3000 Exemplare von Winnetou I verkauft werden und insgesamt rund 100 000 Bände aus Bamberg.

Das Urheberrecht für die Original-Texte des Sachsen ist lange abgelaufen, geschützt sind die vom Verlag sehr stark bearbeiteten Werke samt Titel. Außerdem hat man sich die charakteristischen grünen, aufwendig gestalteten Bände als Bildmarke sichern lassen. Schmid tut sein Möglichstes, um den Namen May frisch zu halten. So hat er jüngst einen Schreibwettbewerb für Kinder („Eine Feder für Winnetou“) organisiert, den er durch den Verkauf einiger Original-Illustrationen finanziert hat. Die besten Abenteuer-Storys des Nachwuchses hat er – natürlich auch in grünem Einband – herausgegeben.

Je härter die Zeiten, desto schöner die Erinnerung an die goldenen Sechziger- und Siebzigerjahre, als das Geschäft dank der Winnetou-Filme lief wie geschmiert. Schmid träumt von einem neuen Streifen samt Karl-May-Renaissance: „Ich bin optimistisch, dass da etwas kommt.“ ---

Karl Mays Witwe, sein Verleger und der Jurist Euchar Albrecht Schmid gründen den Verlag am 1. Juli 1913 in Radebeul. Ab 1921 wird er von der Familie Schmid allein geführt, die ihn geschickt durch alle Krisen und die Nazi-Zeit führt. Nach 1945 orientieren sie sich gen Westen und gründen in Bamberg eine Dependance, weil mit den neuen Machthabern in Ostdeutschland kein Geschäft zu machen ist. „Eine Karl-May-Produktion“, heißt es in einem Brief des Sächsischen Volksbildungsministeriums, „ist vom Standpunkt der Volkserziehung grundsätzlich abzulehnen.“ 1960 kommt es zu einem Deal: Die DDR lässt den Verlag samt allen Rechten nach Bamberg ziehen und erhält dafür Immobilien und 50 000 D-Mark. Im Westen kann das Unternehmen vor allem dank Gratis-Werbung durch die Winnetou-Filme expandieren. Ab 1996 ist es auch wieder in Radebeul vertreten. Lothar Schmid stirbt am 18. Mai dieses Jahres. Bernhard Schmid hat keine Nachkommen und lässt durchblicken, dass für ihn ein Verkauf des Hauses nicht ausgeschlossen ist.

Karl-May-Verlag GmbH

Umsatz 2012: rund 1 Million Euro; Gewinn: k. A. Mitarbeiter: 6