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Der lange Abschied

Der ideale Nachfolger ist gefunden. Und doch schmerzt Wolfpeter Hocke der Rückzug aus seiner PR-Agentur. Darum arbeitet er einfach weiter.





Der Alte

Wenn Wolfpeter Hocke seiner Vergangenheit davonfährt, dann in einem 40 Jahre alten Mercedes 350 SL, mit 195 PS und acht Zylindern unter der Haube, einem stahlverstärkten Unterboden und einem guten Freund an der Seite. Seit fünf Wochen brettern die beiden Unternehmer a. D. die Seidenstraße entlang, als Teilnehmer einer Oldtimer-Rallye. Hocke stieg im September in Taschkent zu Peter Kruse in den Wagen. Er löste dort den ehemaligen Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski (siehe auch S. 132) als Co-Piloten ab. Hockes Ziel nach 8000 Kilometern ist in diesen Tagen Schanghai.

Kein übles Entree ins Rentenalter. Andere Männer seiner Generation mögen ein Lebtag von so einem Trip träumen. Hocke dagegen, Rennradler, Mountainbiker und daheim in Westfalen Fahrer eines antiken Porsche, tat das nie. Wenn er sich mal zehn Tage am Stück freigenommen habe in den vergangenen 25 Jahren, sagt er, sei das viel gewesen.

Aber jetzt, mit 65, hat er sich gezwungen, das lange Unvorstellbare zu wagen: Er überlässt seine Public-Relations-Agentur Ad Hoc, die er vor einem Vierteljahrhundert in Gütersloh gegründet hat, seinem Nachfolger Frank Rettig. Und ist weg. In seinem Dunstkreis sind das Breaking News.

Zwar hat Hocke die Übergabe seiner Agentur zum Januar 2012 jahrelang vorausgeplant; er hat sie mithilfe von Ratgebern und Fachleuten durchdacht und sich den vermutlich bestmöglichen Nachfolger ausgeguckt. Und doch kann Hocke schwer von ihr lassen. Darum redet er darüber. Reden hilft ihm. Und es verrät ihn, er weiß das. Er sagt über die Entscheidungen seines Nachfolgers zu oft: „Ich hätte das vielleicht etwas anders gemacht.“ Verdächtig vorsichtig sagt er auch, dieses oder jenes „war sicher die richtige Entscheidung von Frank“. Sicher?

Dabei ist nicht mal etwas schiefgegangen seit der Übergabe an Rettig. Hocke weiß auch das und sucht Erklärungen für seine Haltung, mit blumigen Worten, denn die sind sein Metier: „Es ist wie beim Angeln. Wenn Sie einen großen Fisch an der Rute haben, geben Sie die nur ungern aus der Hand, aus Sorge, einer könnte dabei zittern und den Fisch verlieren.“

Hocke ist einer von diesen Medienfüchsen der alten Bertelsmann-Schule, die mit sonorer Stimme gern eine Geschichte zum Besten geben, aber durchaus zum Punkt kommen können, weil Zeit Geld ist und der Kunde König. Bevor er Anfang der Achtziger Sprecher bei Bertelsmann wurde, hatte er das Zeitungmachen beim »Kölner Stadtanzeiger« und »Express« gelernt. Als sein Chef das Unternehmen verließ, riet er dem damals knapp 40-jährigen Hocke, nicht abzuwarten, was mit ihm geschähe, sondern sich als PR-Berater selbstständig zu machen.

Der Plan ging auf. Und wie. In ihren fetten Jahren, den Neunzigern, fuhr die Agentur Renditen von 30 Prozent und mehr ein. Mittelständler und Konzerne aus dem Technik- und dem Logistik-Markt sowie der Autoindustrie waren Hockes Kunden geworden. Bald hatte er zwei, dann sechs, schließlich zehn Mitarbeiter, „alles Journalisten, darauf lege ich Wert“. Die Abnehmer ihrer Themen waren und sind die Fachmagazine und Wirtschaftsblätter der Republik.

Das gute alte Geschäft warf viel Geld ab, aber man weiß nicht, ob und wie lange es noch so weitergeht. Von Ad Hoc gibt es Zeitungsbeilagen, Jahrbücher und Firmenkundenzeitschriften; sie machen Öffentlichkeitsarbeit, Web-Auftritte und Marketingkonzepte. Hockes Mantra war: „Die Journalisten sind unsere wichtigsten Kunden.“ Hockes Masche: Geschichten anbieten, statt glatt gebügelte Meldungen über Quartalszahlen oder hochglänzende Pressemappen.

Er pflegt seine Kontakte in die Redaktionen und Wirtschaftseliten. Peter Kruse zum Beispiel, der Mann neben ihm im Mercedes, war mal im Vorstand der Deutschen Post. „Kommunikation“, sagt Hocke, „ist mein Leben. Ich habe keine Hobbys, von Oldtimern mal abgesehen.“ Damit ist klar, warum er nicht ohne Weiteres aus der Firma verschwinden kann: Es würde ihn, sozusagen, das Leben kosten.

Der Neue

Frank Rettig fährt Kleinbus statt Porsche. Er hat wie Hocke als Journalist für Zeitungen angefangen und versteht auch einiges von Technik, aber sonst ist ziemlich viel an ihm anders. So scheint es zunächst. Rettig, Jahrgang 1969, hätte als ehemaliger Lokalreporter, Ringer und Katholik aus Sachsen-Anhalt das Zeug zu einer Figur aus einem John-Irving-Roman, spräche er nicht den etwas überhastet wirkenden, monotonen Dialekt seiner Heimat, der Altmark. Der klingt noch nicht nach Berlin und schon nicht mehr nach Anhalt, aber immer, als ob es da einer eilig hat.

Doch der Eindruck täuscht. Rettig ist, anders als Hocke, geduldig. Dafür plaudert er nicht so gern, er kommt lieber zur Sache. Es käme ihm nicht in den Sinn, mitten aus dem Gespräch mit einem Journalisten heraus einen seiner Mitarbeiter per Telefonat anzuweisen, er möge mal dieses Papier und jene Zahlen herausfischen und dafür die Arbeit, an der er gerade sitzt, liegen lassen. So etwas hat Hocke gern mal gemacht, was Rettig weiß, weil er einige Jahre lang sein Mitarbeiter war, von 2001 bis 2006.

Er leitete den Bereich Auto, Technik, Medien, und das erfolgreich; in diesem Punkt sind sich der Alte und der Neue einig. Nach fünf Jahren fragte er Hocke deshalb, ob er nicht Geschäftsführer werden könne. An den ungefähren Ablauf der Gespräche erinnern sich beide Männer unterschiedlich:

Hocke sagt: „Ich war von der Idee damals nicht so begeistert. Dann hätte in Zukunft jeder Bereichsleiter dasselbe fordern können. Ich wusste nicht, wie sich das Geschäftsfeld entwickelt. Am Ende hätten wir neue Kosten gehabt, aber womöglich nicht die nötigen Renditen.“

Rettig sagt: „Ich habe ihm damals eine Partnerschaft vorgeschlagen. Wolfpeter hatte ja schon kommuniziert, dass er sich über seine Nachfolge Gedanken macht. Ich wäre mit ins Risiko gegangen.“

Es sind Nuancen, Nebensätze, Nichtigkeiten scheinbar, die ein Gegenüber anders wahrnimmt und erinnert. Wenn sie sich häufen, können aus Kleinigkeiten Missverständnisse werden und schließlich Ärger. Das hätte Rettig und Hocke passieren können. Tat es aber nicht. Noch nicht.

Rettig, 37 damals, verließ Ad Hoc 2006 ohne Zorn, um sich selbstständig zu machen mit seiner Frau, die auch PR-Redakteurin ist und bei einer Bertelsmann-Firma gearbeitet hatte. Sie passten ihre Arbeit ihrer Lebenssituation an. Denn statt der zwei Kinder, mit denen sie um die Jahrtausendwende aus Salzwedel nach Gütersloh gezogen waren, hatten sie jetzt vier. Ein neues Haus war gekauft. Rettig nahm von Ad Hoc einen großen Kunden aus der Logistik-Branche mit. Hocke ließ ihn ziehen. Er sagt, angeblich frei nach Karl V.: „Wer nicht gibt, vergibt viel.“ Aus den Augen verloren sich die beiden nicht, weil das in Gütersloh unmöglich ist und sie sich zudem gegenseitig bei Aufträgen halfen.

Trotzdem kam Hocke nicht sofort auf Rettig, als er bald darauf begann, nach einem Nachfolger zu fahnden.

Die Suche

Eine Lösung in der Familie brauchte Hocke nicht zu suchen. Sein einziger Sohn ist in Brasilien bei Hockes erster Frau aufgewachsen und dort Ingenieur geworden. Er sah sich darum in seiner Wahlfamilie um, der Agentur. Als Erstes gewann er eine Kollegin, die bereit war, Kinder und Karrieresprung zu vereinbaren. Hocke übertrug ihr Teile der Geschäftsführung, trotz ihrer reduzierten Arbeitszeit. Ein Verkauf von Anteilen war nicht im Gespräch.

Aber leider – so schildert es Hocke, der Workaholic – sei die Frau, die er ausgesucht habe, überfordert gewesen mit dem Management von Beruf und Familie, „rein zeitlich“.

Als Nächstes guckte er sich einen jungen Juristen aus. Man kannte sich von einem Logistik-Projekt, das die Agentur für die Bundesregierung gestemmt hatte. Aber der Kandidat hatte Angst vor der eigenen Courage; außerdem störte er sich am Standort. „Für viele ist Gütersloh keine Destination“, sagt Hocke unsentimental, „in der Branche muss es Hamburg, Berlin oder Köln sein.“

Der Unternehmer aber war nun 63. Er wurde unruhig. Wie dann im Jahr 2011 plötzlich seine Wahl auf Rettig fiel, ist wieder eine schöne Geschichte: Er sei auf seiner jährlichen Rennradtour mit einem Freund, einem Arzt, gewesen, erzählt er. Sie fuhren das Main-Ufer entlang. Den ganzen Abend zuvor habe er dem Sportsfreund in den Ohren gelegen mit seinen Sorgen. Aber dann, 40 Kilometer vor Würzburg, „die Sonne schien herrlich“, sei ihm der Gedankenblitz gekommen.

Hocke sagt: „Ich rief ,Mensch, ich hab’s!‘ Ich hab’ da einen super Mann! Ich frage den Frank Rettig.“

Rettig sagt: „Kann gut sein, dass Wolfpeter genau dort die Eingebung hatte. Es war aber wohl auch so, dass ihn in den Wochen davor Mitarbeiter an mich erinnert hatten. Weil ich ja schon einmal einsteigen wollte.“

Passte nicht alles wunderbar? Rettigs Berufserfahrung, die Kenntnis der Firma, die Bereitschaft zum Unternehmertum, „die Bodenständigkeit durch seine Familie, die Bindung an die Scholle“ Gütersloh, wie Hocke das nennt?

Der Alte lud den Jungen sofort zum Essen ein. Zum Rotwein in einem angesagten Restaurant kredenzte er seinen Vorschlag. Rettig sagt: „Mir fiel jetzt nicht die Gabel aus der Hand. Aber etwas überrascht war ich schon.“ Er bat sich zwei Wochen Bedenkzeit aus.

Als am siebten Tag noch immer kein Anruf kam, wurde Hocke nervös. Nach neun Tagen war er dicht davor zu drängeln. „Aber ich habe es mir verboten! Dieses eine Mal wollte ich mich in Geduld üben.“

Am zehnten Tag rief Rettig zurück und sagte Ja – unter Bedingungen: Er wollte von Beginn an die einfache Mehrheit der Firmenanteile haben und der alleinige geschäftsführende Gesellschafter sein. „Es war auch eine Probe. Will er wirklich verkaufen? Oder ist ihm die Kröte noch zu groß, die er da schlucken muss?“

Hocke zuckte nicht zurück. Er hatte schon vor Jahren etwas Weises getan: Er hatte einen Beirat für seine Agentur installiert, ein kleines Aufsichtsgremium. Ehrenamtlich beraten ihn da unter anderen ein Jurist, eine Controllerin und der Chefredakteur des privaten Senders „Radio Gütersloh“, Carsten Schoßmeier. Der 48-Jährige arbeitet außerdem als Business Coach. Sie alle hatten Hocke dringend von seiner ersten Eingebung abgeraten, einem Nachfolger erst mal nur 25 Prozent zu verkaufen. „Bloß nicht!“, hätte jeder Kandidat gerufen.

Hocke, der Fakten liebt, erfuhr: Firmenverkäufe, bei denen die Befugnisse sofort eindeutig auf neue Eigentümer übergehen, verliefen deutlich erfolgreicher als jene, bei denen die Altvorderen nur scheibchenweise Macht und Anteile abgeben.

Die Verhandlung

Den Wert einer PR-Agentur kann man nicht taxieren wie den einer Zahnarztpraxis oder einer Maschinenfabrik. „Man verkauft und kauft in unserer Branche Vertrauen“, sagt Hocke. Er vertraute: Den Vertrag ließ er die Anwälte und den Beirat aushandeln. „Ich wollte nicht um Details feilschen und mich im Klein-Klein verbeißen. Das wäre mir nicht gut bekommen.“ Gerührt zeigt er sich davon, wie sich sein Nachfolger um seine Rente kümmert. Hocke hatte jahrelang Geld in eine Altersvorsorge gesteckt, die aber jetzt, als es darauf ankam, nicht den prognostizierten Ertrag abwarf. Frank Rettig legte das Geld für Hocke nicht nur neu an. Er verpflichtete die GmbH außerdem, den Fehlbetrag in der Pensionszahlung auszugleichen – und noch etwas oben draufzulegen.

Rettig kaufte zum Januar vergangenen Jahres 51 Prozent der Anteile. Der Übergang der anderen 49 Prozent auf ihn im kommenden Jahr ist besiegelt. Manchmal offenbart sich, dass der Alte das noch nicht verinnerlicht hat. Neulich berieten sie über eines ihrer Geschäftsfelder, das Corporate Publishing. Rettig hat dafür der Konkurrenz in Gütersloh einen guten Mann abspenstig gemacht und ihn in die Geschäftsführung aufgenommen. Hocke dachte laut darüber nach, ob man diesem Experten nicht eine Beteiligung in Aussicht stellen könnte? Da musste der neue Inhaber ihn daran erinnern: „Wolfpeter, du kannst ihm keine Anteile mehr anbieten, weil du sie schon mir verkauft hast.“

Der Wechsel

Eigentlich stimmte alles, vieles jedenfalls. Die Verträge. Die Aufträge. Das Geld. Und doch kamen die Zweifel, das Zaudern, dieses Ziepen in der Seele. Trennungsschmerz. Der meldete sich erstmals am 2. Januar 2012, dem ersten Arbeitstag im neuen Geschäftsjahr – dem ersten Montag seit 25 Jahren, an dem Hocke nicht mehr der Chef war.

„Früher stand ich um sieben auf, frühstückte und ging sofort ins Büro. Das brauchte ich plötzlich nicht mehr zu tun. Es war seltsam, ein echter Einschnitt.“ Er übte sich darin, erst um 7.30 Uhr aufzustehen, was ihm irgendwann gelang. Aus seiner Fünf- bis Sechstagewoche zwischen Hamburg, München, Köln und Gütersloh von früher ist jetzt eine Dreieinhalbtagewoche geworden. Denn im Ruhestand befindet sich Hocke nicht. Niemand hat ihm sein Leben genommen. Er arbeitet immer noch, nur jetzt auf Honorarbasis.

Redebedarf

Hocke sagt: „Ich mache das eben weiter, solange meine Birne noch leuchtet.“
Rettig sagt: „Wir tun ihm keinen Gefallen. Wir brauchen ihn.“
Schwerer tat sich der Gründer der Agentur mit Veränderungen, die er erst mitbekam, als sie schon beschlossene Sache waren. Wie die Sache mit den neuen Büros. Frank Rettig hat sie gleich um die Ecke angemietet. Sie sind moderner, bieten viel mehr Licht und Platz, kosten pro Quadratmeter aber weniger und darum in der Summe nicht viel mehr als die alten. Hocke sagt darüber einen seiner Sicher-Sätze: „Die Räume sind wunderschön, das hat Frank sicher richtig gemacht.“ Doch mit umgezogen ist er nicht mehr.

Und dann die Sache mit dem Großauftrag, der in den ersten Monaten nach der Übergabe unerwartet storniert wurde. Hocke machte sich Sorgen um die Einnahmenseite, er fragte sich: Schafft es Frank, genügend neue Kunden zu akquirieren? Ist er, was man Hocke zufolge sein muss in dieser Branche: „ein Mammutjäger“?

Der Neue ist jedenfalls nicht um Entscheidungen verlegen. Er trennte sich beherzt von einer Assistentin, stellte dafür einen Fachmann für digitale Kommunikation ein. Und einen angehenden Bürokaufmann als Sekretär. Der junge Mann wirkt schüchtern und trägt einen stattlichen Ohrring. „Das geht gar nicht!“, ruft Hocke. Ans Telefon, das Herz der Agentur, sagt Hocke, gehöre eine Frau mit charmanter Stimme, die dem Kunden schnell weiterhelfe. Rettig beschwichtigt: Das wird er lernen, jeder fängt mal an. Und der Ohrring? Der junge Kollege sei doch nicht im Außendienst, keine Sorge.

Hocke sagt: „Ich hätte mir gewünscht, dass Frank vorher auch mal fragt, wie seht ihr das? Dass er sich mehr Rat holt, nicht nur von mir. Ich habe das immer so gemacht.“

Rettig sagt: „Sicher habe ich einige Entscheidungen bewusst allein getroffen. Ich wollte Akzente setzen. Es war ein Signal an die Mitarbeiter und nach außen, dass sich wirklich ein Führungswechsel vollzogen hat.“

Mitunter begegneten sich Hocke und Rettig über ein oder zwei Wochen lang gar nicht. Rettig gibt zu: „Ich wollte ihm nicht aus dem Weg gehen, aber ihn manchmal umgehen.“ Anderen fiel das zunächst nicht auf. Im April gab es eine große, schöne Party anlässlich des 65. Geburtstags von Wolfpeter Hocke. Alte Weggefährten und wichtige Kunden kamen.

Rettig sagt: „Deine Verabschiedung.“
Hocke sagt: „Wir haben sie extra nicht Verabschiedung genannt. Sondern ,meine Befreiung von operativen Zwängen‘.“
Aber bei der nächsten Sitzung des Beirates, als Hocke eigentlich dessen Vorsitzender werden sollte, traten die Ausmaße des Informationsdefizits zutage. Der Kandidat erkannte: „Da kann ich mich nicht wählen lassen.“ Sein Weggefährte Carsten Schoßmeier, der Radio-Mann und Business Coach, sprang ein. Im Krisenmanagement geschult, erkannte er sofort, was los war: Bei Ad Hoc, den Kommunikations-Profis, herrschte Redebedarf. Er bot an zu vermitteln.

Kleinigkeiten und Missverständnisse hatten sich angesammelt und drohten zu Ärgernissen zu werden. Das sei typisch für Trennungsprozesse, sagt Schoßmeier, „eigentlich geschieht es zwangsläufig“. Eine Firma abzugeben habe ja etwas Endgültiges, ähnlich dem Moment, wenn Kinder das Haus verlassen und Eltern wieder allein wohnen. „Da beginnt die Abnabelung, und die hat mit Trotz zu tun und mit Trauer.“

In den zwei, drei Gesprächen, die der Coach mit Hocke und Rettig seither führte, haben sie ein paar Regeln festgelegt, die dadurch besonderes Gewicht bekamen, dass beide sie sich wie Gebote aufschreiben mussten. Ein Gebot lautet: Der alte und der neue Chef treffen sich jetzt alle zwei Wochen zum Jour fixe. Und reden über Projekte, Pläne, auch Privates. Das ließ Hocke beherzt aufbrechen zu seinem Abenteuer durch Usbekistan, immer die Seidenstraße entlang. 8000 Kilometer, fünf Wochen. Der Start in sein neues Leben? Eher eine Etappe auf seiner schwierigen Reise dorthin. Rasend lernt Hocke loszulassen. ---