Partner von
Partner von

Cisco: Blick in die Bilanz

Cisco, einer der weltweit führenden IT-Konzerne, legte Rekordzahlen vor und kündigte trotzdem den Abbau von 4000 Arbeitsplätzen an. Muss das sein?





Das jüngste Geschäftsjahr (Cisco schließt die Bücher Ende Juli) endete für den größten aller Netzwerkausrüster, der für Firmenkunden weltweit das Internet nutzbar macht, mit mehreren Rekorden: Nie waren Umsatz (Revenue) und Gewinn (Net income) höher. Letzterer wuchs so stark wie seit drei Jahren nicht mehr, um 24,2 Prozent. Die Konkurrenz, die zwar keine Jahres-, aber vergleichbare Quartalszahlen lieferte, tat sich schwerer. Während Cisco im Vergleich zum Vorjahresquartal 6,2 Prozent mehr erlöste, kam der Konkurrent Dell auf 0,2 Prozent, bei Hewlett-Packard (HP) schrumpfte der Umsatz gar um acht Prozent. Cisco wächst nicht nur schneller, Cisco ist auch profitabler: Die Nettomarge (Net income als Anteil am Revenue) liegt aktuell bei 18,3 Prozent. HP schaffte nur rund 5, Dell 1,4 Prozent.

Warum sollen trotzdem fünf Prozent der Stellen wegfallen, also 4000 Jobs? Cisco-Chef John Chamber sitzt die jüngste Krise noch in den Knochen: 2011 ging der Gewinn um 16 Prozent zurück, weil die operativen Kosten fast doppelt so schnell gestiegen waren wie der Umsatz. Der Börsenkurs stürzte ab. Dabei lag die Nettomarge immer noch bei gut 15 Prozent, und damit weit vor der von HP (damals 5,5 Prozent), Dell (4,3) oder Juniper Networks (9,5). Einen Absturz will Chambers aber auf keinen Fall noch einmal erleben – und spart vorsorglich.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg die Zahl der Mitarbeiter um gut 8000, wenn der Konzern auch den Großteil dieser Jobs nicht neu schuf. Sie stammen von den vielen Firmen, die Cisco jedes Jahr erwirbt, um sich innovative Technologien ins Haus zu holen. Auch das machen die Amerikaner besser als viele ihrer Konkurrenten, was sich an der Höhe des Goodwill in der Bilanz zeigt.

Mit Goodwill – Firmenwert – bezeichnet man den Anteil des Kaufpreises, der den Wert der erworbenen Vermögensgegenstände, etwa Gebäude oder Maschinen, übersteigt. Er beinhaltet immaterielle, oft schwer zu schätzende Werte wie den Markennamen oder die Kundenbeziehungen. Je höher der Goodwill, desto teurer wurde eingekauft. Cisco hat 2012 für solche unsicheren Werte 4,9 Milliarden Dollar, verteilt auf 13 Unternehmen, ausgegeben, das zeigt der Anstieg der Bilanzposition.

Insgesamt weist die Firmenbilanz 21,9 Milliarden Dollar an Goodwill aus. Setzt man diese Zahl in Relation zum Eigenkapital, ergibt sich ein Wert von 37 Prozent – was nahezu musterhaft ist. Analysten sehen alles ab 100 Prozent kritisch, weil dann hohe Abschreibungen auf die Firmenwerte (im Falle einer negativen Entwicklung der übernommenen Unternehmen) das Eigenkapital des Konzerns übersteigen und so das gesamte finanzielle Gleichgewicht bedrohen könnten. Ein Über- oder nur knappes Unterschreiten dieser Grenze ist in der akquisitionsfreudigen IT-Industrie nicht selten: Dell liegt bei 86 Prozent, HP bei 138 Prozent, IBM gar bei 161 Prozent. Die Deutsche Telekom, die auf einigen Märkten mit den Amerikanern konkurriert, kommt auf 151 Prozent.

Durch seine Zukäufe gelingt es Cisco, sich unabhängiger vom hart umkämpften Geschäft mit Standardprodukten wie Routern zu machen. Vor zwei Jahren machten sie knapp 65 Prozent des Produktumsatzes aus, heute sind es nur noch rund 60 Prozent. Ihre Rolle übernehmen wachstumsstärkere Hightech-Produkte wie digitale Videokonferenzsysteme, Hochleistungsserver oder WLAN. Eine Gelddruckmaschine ist Cisco so oder so: Die Firma verzeichnet jedes Jahr einen Barmittelzufluss in zweistelliger Milliardenhöhe, das war selbst im vermeintlichen Krisenjahr 2011 so. Unmöglich, das alles auszugeben – trotz aller Zukäufe und üppiger Dividenden. Also werden Wertpapiere gekauft. Sie firmieren in der Bilanz unter Investments und machen aktuell 42,7 Milliarden Dollar aus. ---

Cisco wurde Ende 1984 von Forschern der renommierten Stanford Universität in San Francisco gegründet. Aus den letzten zwei Silben der Stadt leiteten die Gründer den Firmennamen ab. Ihr Ziel war es, die Vernetzung von Computern zu vereinfachen, und bis heute ist Technik, die Kommunikation im Internet ermöglicht, der wichtigste Erlösbringer. Kunden sind vorwiegend Firmen und Institutionen aus Politik und Wissenschaft. In diesem Segment ist Cisco unangefochtener Weltmarktführer. Der Versuch, sich im Geschäft mit Endkunden zu etablieren, scheiterte indes. 1990 ging Cisco an die Börse. Nur ein Jahr später, das Internet war gerade für kommerzielle Zwecke freigegeben worden, betrug die Marktkapitalisierung bereits eine Milliarde Dollar. Heute liegt sie bei rund 122 Milliarden Dollar. Cisco beschäftigt weltweit rund 75 000 Mitarbeiter.