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Lloyd Aéreo Boliviano

Lloyd Aéreo Boliviano ist eine der ältesten Fluggesellschaften der Welt. Nachdem die bolivianische Airline privatisiert wurde, geriet sie in finanzielle Turbulenzen. Die Flugzeuge blieben am Boden. Heute gehört die Firma den Angestellten. Und die wollen nur eines: fliegen.




Alles begann im Juli 1925 mit einer Junkers F 13 und einem BMW-Motor mit sechs Zylindern. Ein deutscher Pilot brachte die Einzelteile der Maschine in Kisten verpackt in die Stadt Cochabamba, auf 2560 Meter Höhe gelegen. Deutsche Einwanderer hatten die Maschine mit Platz für vier Passagiere bezahlt und angeregt, eine Fluggesellschaft zu gründen. Das war naheliegend: Bolivien ist mit einer Million Quadratkilometer fast dreimal so groß wie die Bundesrepublik, der Straßenbau im Gebirge mühsam. Die Gründer nannten die Airline Lloyd Aéreo Boliviano (LAB).
Lloyd Aéreo Boliviano (LAB) hat viele schwierige Jahre hinter sich. 1941 war das Unternehmen praktisch pleite und wurde verstaatlicht. Anfang der Neunzigerjahre privatisierte die Regierung die Fluggesellschaft. Seither gab es mehrere Eigentümerwechsel, keiner schaffte es, mit ihr Geld zu verdienen. Der Kapitän Zabalaga (erstes Foto) streikte und verlangte, dass die Firma ihm seinen ausstehenden Lohn zahlte. Als das Unternehmen sich weigerte, kündigte er. Um seine Lohnschulden bei allen Mitarbeitern zu begleichen, hat der frühere Besitzer ihnen inzwischen das Unternehmen übertragen. „Jetzt werden wir es wieder aufbauen“, sagt Orlando Nogales, seit 2012 der Chef. 140 Millionen Dollar Schulden hat die LAB. Aber viele Ersatzteile (rechts). Nogales und seine Kollegen sind dabei, die alten Maschinen wieder flott­zumachen. Bald sollen sie wieder abheben.
Zwei Boeing 727 sind flugtauglich. Die abge­bildete Maschine trägt den Namen Ezechiel 36:36, nach dem Bibelvers: „Dann werden die Völker, die rings um euch noch übrig sind, erkennen, dass ich, der Herr, das Zer­störte wieder aufgebaut und das Ödland wieder bepflanzt habe. Ich, der Herr, habe gesprochen, und ich führe es aus.“
Schon 1927 hat die LAB Piloten aus­ge­bildet. Auch später hat sie ihre Flugzeugführer selbst geschult und dabei manchmal auch recht eigen­willig improvisiert, wie etwa beim Pilotentraining für die Boeing 727. Vier dieser Jets gehören der Firma noch immer. Über drei weitere, deren Besitzver­hält­nisse unklar sind, wird verhandelt.
Orlando Nogales ist Chef der LAB und hat einen harten Job. Seit Dezember vergangenen Jahres kann die Firma keine Gehälter bezahlen.„Einige von uns haben Hunger“, sagt er. Aber sie haben viel geschafft: Es fehlt nur noch die Genehmigung der Regierung. Allerdings wollen die Gläubiger ihr Geld zurück. Mit ihnen verhandelt Nogales über einen Abschlag: „Nur wenn wir die Möglichkeit haben zu arbeiten, verdienen wir Geld und können anfangen, unsere Schulden zurückzuzahlen.“
Auch wenn die Schulden drücken: Die LAB hat Vermögen. Nogales schätzt die Sachwerte des Unternehmens auf 500 Millionen Dollar: Flugzeuge, Werkzeuge, das 23 Hektar große Firmengelände am Flughafen von Cochabamba. Dazu gehört der Flugsimulator für die Boeing 727. Auch der wird gerade repariert. Bei einem Gewitter brannte die Hauptplatine durch.
Ein wichtiges Etappenziel wurde erreicht, als die LAB wieder für Dienst­leistungen am Boden zuge­lassen wurde. Das Unter­nehmen darf also Flugzeuge be- und entladen und reinigen. Auch Wartungsarbeiten werden angeboten.
Damit hofft Nogales wieder ins Geschäft zu kommen. Er rechnet vor, dass ein Flugzeugmechaniker in Bolivien zehn Dollar in der Stunde verdiene. „Im Rest der Welt sind es mindestens 60 Dollar. Damit können wir konkurrieren.“ Allerdings hält sich die Nachfrage noch in Grenzen.
Viel Betrieb ist nicht am Flug­hafen von Cochabamba. Und leicht wird es nicht, sich in Bolivien durchzusetzen. Inzwischen hat die Regierung eine neue staatliche Fluggesellschaft aufgebaut. Von politischer Seite dürfen die Arbeiter daher auf keine zu große Unter­stützung hoffen.
Der Staat verpflichtet die Fluggesell­schaften in Bolivien, gebrauchte Tickets mehrere Jahre lang auf­zuheben. Daran wird der Neustart der LAB nicht scheitern: Alle Flugscheine sind noch vorhanden.
Freddy Vargas kommt wie seine Kollegen jeden Tag ins Büro. Er hofft, dass sie bald wieder den regulären Betrieb aufnehmen werden. Der Chef Nogales zeigt sich zuversichtlich, vor allem wegen der gut ausgebildeten Mitarbeiter und der großen Hangars, in dem sie ein Flugzeug komplett auseinandernehmen und wieder zu­sammensetzen könnten. „Wir haben eine lange Tradition, in anderen Ländern Südamerikas hat man uns immer um unsere technische Aus­rüstung beneidet“, sagt er. Wenn alles nach Plan geht, könnte man schon ab Januar von Miami aus Charterflüge anbieten. Aber nach Plan läuft es bei der LAB schon lange nicht mehr.
Trotzdem arbeiten sie daran. Gerade wird auch eine ganz besondere Maschine wieder flottgemacht : Die sechste von Boeing konstruierte 727, die einst in den Dienst der LAB gestellt wurde. Der Hersteller soll schon angefragt haben, ob er die haben könne, um sie in ein Museum zu stellen. Das kam nicht infrage. Der Oldtimer soll wieder abheben.

Trotzdem arbeiten sie daran. Gerade wird auch eine ganz besondere Maschine wieder flottgemacht : Die sechste von Boeing konstruierte 727, die einst in den Dienst der LAB gestellt wurde. Der Hersteller soll schon angefragt haben, ob er die haben könne, um sie in ein Museum zu stellen. Das kam nicht infrage. Der Oldtimer soll wieder abheben.

Der britisch-bolivianische Fotograf Nick Ballon lebt in London. Er hat sechs Monate lang mit der Kamera die Arbeit bei Lloyd Aéreo Boliviano dokumentiert. Daraus ist im Eigenverlag der Bildband Ezekiel 36:36 entstanden.
Weitere Informationen: www.nickballon.com