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brand eins 09/2013 Zeigt her eure Güte

Andreas Heinecke (Dialog im Dunkeln), Hamburg


Fangen wir von hinten an. Mischa Täubner hat in seinem Artikel zu sozialem Unternehmertum in Deutschland keine Antwort finden können, wem „der Pakt zwischen der Ökonomie und der neuen Szene von Sozialinnovatoren“ eigentlich nützt. Damit schließt sich der Bogen zu einer kritischen Analyse der „neuen Lieblinge der Wirtschaft“. Auf vier Seiten wird dargestellt, dass Sozialunternehmer zwar mit großem Engagement bei der Sache sind, aber kaum Wirkung erzielen. Zudem lassen sie genau das vermissen, was sie in besonderer Weise für sich beanspruchen: unternehmerisches Denken und den Willen zum Wachstum.

Das Vorurteil, dass bei den Deutschen das Glas immer halb leer ist, scheint sich auch in diesem Artikel zu bestätigen. Völlig außer Acht gelassen wird, was in den vergangenen zehn Jahren durch die Aufbauarbeit von Ashoka, dem Netzwerk für soziale Unternehmen, entstanden ist: An zahlreichen Hochschulen entstehen Lehrstühle, gesetzliche Rahmenbedingungen verändern sich, Fonds werden für soziale Innovationen aufgelegt, und mittlerweile bietet fast jede Dorfsparkasse Mikrokredite an. Der Handel ist grün und handelt fair. Vertreter von Wirtschaft, Wohlfahrt, Medien, Kirche, Politik und Bildung überwinden auf Konferenzen das Silodenken und suchen nach Schnittmengen, um genau das zu entwickeln, was es nach der Finanzkrise zu etablieren gilt: ein neues Denken im Umgang mit Kapital und der sozialen Verantwortung von Führungskräften.

Nicht als Feigenblatt oder Nebengleis. Als gleichberechtigter Teil des unternehmerischen Handels, was Muhammad Yunus als Social Business oder der Harvard-Professor Michael Porter als Shared Value beschreiben. Das wird den neuen Kapitalismus prägen und Milton Friedmans Primat vom Shareholder Value überwinden. Kaum ein Dax-Unternehmen, das sich nicht mit dieser Frage beschäftigt, um neue Wege zu suchen, Mitarbeiter und Kunden zu binden und schlicht und ergreifend im Geschäft zu bleiben.

Das wird nicht von heute auf morgen passieren. Sozialunternehmer sind Avantgardisten, die ganz im Schumpeterschen Sinne kreativ zerstören. Auch Jimmy Wales hat vor Jahren in einer Garage ohne Geld gesessen und an ein Modell geglaubt, das absurd klang. Heute ist der Brockhaus Geschichte, und auch Mischa Täubner nutzt Wikipedia. Allein diese Tatsache sollte ihm die Frage beantworten, wem soziales Unternehmertum nutzt: ihm, dem Fortschritt und der Gesellschaft.

brand eins 09/2013 Zeigt her eure Güte

Peter W. Heller (Canopus Foundation), Freiburg

Richtig erfrischend liest sich Mischa Täubners aktueller Lagebericht zur deutschen Szene der Sozialunternehmer. Nach jahrelangen, zumeist über den Atlantik importierten Elogen über die neuen Retter eines in der Finanzkrise von Selbstzweifeln befallenen Kapitalismus weist diese ausgenüchterte, ambivalente Bilanz zu Recht auf die Gefahren hin, wenn eine gute Idee systematisch überfordert, überreizt wird. Man kennt das zur Genüge aus der Geschichte sozialer Reformbewegungen. Unsere zwölfjährige Erfahrung als Stiftung mit der Förderung von Sozialunternehmern (in Entwicklungsländern) hat nicht wenig Berührungspunkte mit Täubners Analyse der Situation in Deutschland. Eine sachkundige Desillusionierung kann hier wie dort einen wertvollen Beitrag zur Qualitätssicherung der Förderarbeit leisten.

Doch ein Gedanke des Autors reizt zum Widerspruch: das Selbstverständnis von Sozialunternehmern, das dem von Familienunternehmern gleiche, verspiele Freiheitsgrade und Wachstumschancen für deren Sozialunternehmen. Das Gegenteil ist der Fall, gerade diese robuste Familienunternehmer-Identität schützt viele Sozialunternehmer davor, sich unkritisch als Werbeträger vor den Karren der „corporate sponsors“ spannen oder von beratergetriebenen „externen Wachstumsstrategien“ an die Wand fahren zu lassen. Wir wissen doch in diesem Land sehr gut, was wir Familienunternehme(r)n verdanken.

brand eins 08/2013 Privatsphären

Helge-Jan Schmodde, per E-Mail

Welches historisch-geografisch unbedarfte Mitglied Ihrer Redaktion wähnt Schwiebus in Pommern? Der deutsche Ort dieses Namens lag bei der Geburt von Lutz Krieger in Ostbrandenburg.

(Anm. der Red.: Der Leser hat recht, Schwiebus lag damals in der Provinz Brandenburg, die zwischen 1815 und 1945 bestand.)