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BMW Group Designworks

Sie sind jung, gut ausgebildet und arbeiten für das Design der BMW Group. Was erwarten sie von ihrer Arbeit, vom Leben, der Zukunft?




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1. Was war/ist im Arbeitsleben besser, was schlechter, als Sie es sich zu Studienzeiten vorgestellt haben? 2. Wie kann man Sie demotivieren? 3. Wären Sie lieber selbstständig - und wenn ja: Was wäre dann anders als jetzt? 4. Wie stellen Sie sich Ihr weiteres Arbeitsleben vor (an einem Ort oder öfter wechselnd? Im Ausland? Noch mal einen ganz neuen Beruf erlernen?) 5. Bitte ergänzen Sie: Arbeit ist ...

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Sandra Rolle, Kontext und Strategie 1. Nicht besser oder schlechter ... einfach nur anders. Mehr als während des Studiums und trotz einiger Jahre in einem angestellten Arbeitsverhältnis treibt mich der Gedanke, mit meinen Ideen und mit meiner Vorstellung von Zusammenarbeit etwas verändern zu können, mehr Impact in der "realen" Welt zu haben. Ein absoluter Pluspunkt in meinem Arbeitsumfeld ist, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Kompetenzen und Erfahrungen gemeinsam an einer Sache arbeiten - das Verständnis hinsichtlich Multidisziplinarität und deren Mehrwert scheint tatsächlich zu wachsen. Das lässt mich hoffen. 2. Demotivation macht sich dann breit, wenn

- man zu hören bekommt: "Das haben wir immer so gemacht"

- mangelnder Mut zur Entscheidung oder nicht nachvollziehbare Entscheidungswillkür (kreative) Arbeitsprozesse lähmen

- neue Ideen (also das Betreten von unbekanntem Terrain) an den Mauern des bereits Bekannten scheitern

- Können, Leidenschaft und die Bereitschaft für Neues/Unbekanntes nicht wertgeschätzt werden

- Respekt und die Bewertung von Leistung/Ideen/Visionen von persönlicher Befindlichkeit abhängt

- Meinungen aufgrund der Hierarchie nicht gleichwertig sind

- sich Langeweile und Unterforderung einschleichen.

3. In manchen Momenten finde ich die Idee äußerst reizvoll. Ich mag die Vorstellung, die Kämpfe, die gekämpft werden müssen, selbst zu wählen, meine Entscheidungen eigenverantwortlich, auf der Basis von Informationen zu treffen - mit allen Konsequenzen. 4. Kein Stillstand, keine Wiederholung, keine starren Strukturen. Weiterbilden und weitergebildet werden. Fordern/fördern und gefordert/gefördert werden. Zuhören und gehört werden. Vorhandenes schätzen oder ruhen lassen, Neues erkennen und vorantreiben. Beständig in der Flexibilität, flexibel in der Beständigkeit. Und viel Raum für das, was man sich im Jetzt nicht vorstellen kann. 5. ... zu zeitkonsumierend, als dass es egal wäre, wie sie sich gestaltet. Michal Plata, Kontext und Exterior Design 1. Ein festes Arbeitsverhältnis bietet viele Sicherheiten und ermöglicht ein recht bequemes Leben, beides Themen, die jetzt stark in den Vordergrund drängen, zu Studienzeiten jedoch keine besondere Rolle gespielt haben. 2. Sich keine Zeit nehmen, nicht zuhören, sich nicht respektieren, Standardantworten parat haben, zusammengefasst: Zeit verlieren. 3. Nein. 4. Zeitweilig im Ausland zu arbeiten ist reizvoll. Im dauerhaften Wechsel zu leben verhindert aber ein Zur-Ruhe-Kommen / ein Ankommen und damit ein Konzentrieren / Fokussieren. 5. ...Teil des Lebens. Pia Karasz, Interaction Design in der Vorentwicklung 1. Besser: mehr Verantwortung für das eigene Handeln mit realen Auswirkungen, mehr Geld.

Schlechter: weniger Freizeit, zu viel Abstimmungsbedarf, der die Kreativität einschränkt.

2. Keine Ansagen machen (nicht zielgerichtet arbeiten). 3. Nein. 4. Mittlerweile ist ein fester Arbeitsort mit gelegentlichen Reisen für mich das beste Modell geworden. Allerdings finde ich, dass man für alles offen sein sollte, auch wenn das bedeutet, noch einmal von vorne anzufangen. 5. ... etwas, das man tun muss, um in der Gesellschaft überleben zu können und um sich selbst zu bestätigen. Jedoch sollte man nie vergessen, dass man selbst dafür verantwortlich ist, ob man was tut, das einem Spaß macht oder einen frustriert. Wichtig ist ein gesunder Ausgleich im Privaten (unabhängig von der Zeit). Raphael Krome, Advanced Design 1. Es ist anders als studieren, nicht schlechter. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass fast alles auf die Menschen zurückgeht, mit denen man zusammenarbeiten kann oder muss. Ich habe Glück und fühle mich wohl. Auch wenn man im Studium etwas häufiger Interessen und den Mut geteilt hat, Dinge auszuprobieren. Fehler waren weniger unerwünscht, da weniger folgenreich. Mitreißen und mitgerissen zu werden war daher etwas einfacher. Sicherheit ist mir wichtiger geworden. Die finanziellen Möglichkeiten ermöglichen nun einmal auch lebenswerte Tätigkeiten und Arten der Selbstverwirklichung, die ich mir bewahren möchte. 2. Mit dem Beharren auf Routinen und Standards. Mit Legitimierungsarbeit und dem damit verbundenen Verlust von Zeit. Mit Angst und der daraus resultierenden Entscheidungsschwäche. Mit Nicht-Zuhören. Mit: Das kennen wir schon, das haben wir schon probiert. Arbeitspartner zugeordnet zu bekommen, auch wenn ich es als eine Chance sehe, an mir zu arbeiten. 3. Ich finde den Gedanken spannend, weil ich meinen Einfluss auf Inhalte und Dinge, an denen ich mitarbeite, gerne auch am Ende des Prozesses erkennen würde. Die Chance, Arbeitspartner häufiger nach Harmonie aussuchen zu können, wäre mir wichtig. 4. Ich bin sehr neugierig und das schönste und eingängigste Dazulernen ist für mich das Erleben und Erfahren aus erster Hand. Wenn mein Arbeitsleben das möglich macht, ist mir das viel wert. 5. ... ein Teil meines Lebens. Tini Ammann, Advanced Design/Materialentwicklung 1. Im Studium habe ich nicht daran gedacht, Geld mit Design zu verdienen. Oder an internationalen Projekten zu arbeiten, mich persönlich weiterzubilden oder einen geregelten Alltag, vielleicht sogar mit Familie, zu führen. Ich stand für das Projekt, arbeitete idealistisch und sehr kreativ. Die Werte haben sich verschoben - beziehungsweise der Weg und gleichzeitig die Ziele. 2. Leider gibt es viele Faktoren:

- mangelnde Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, bei denen der gesunde Menschenverstand an seine Grenzen stößt

- permanente Änderung der Zielrichtung, Irrwege. Oft vergebliche Liebesmüh

- "Zu viele Köche verderben den Brei" - Konsolidierung und das Verschaffen eines Überblicks können viel Kraft kosten

- fehlendes Verantwortungsbewusstsein in der Personalführung beziehungsweise undefinierte Grenzen zwischen Führen und Geführtwerden

- unflexible Arbeitsweisen

- zu wenig Zeit für Kreativität und Eigenleistung

3. Ja, ich kann mir selbstständigeres Arbeiten vorstellen. Die Vorstellung ist nicht unbedingt an eine klassische selbstständige Karriere gebunden, sondern eher an die Arbeitsweisen. Ein selbstbestimmtes, flexibles und eigenverantwortliches Arbeiten in kleineren Einheiten fördert die Motivation und bringt am Ende auch starke Ergebnisse. Eine selbstständige Tätigkeit wäre daneben aber durchaus auch eine Option. 4. Ich wünsche mir, flexibel zu sein beziehungsweise zu bleiben. Da ich noch einige Berufsjahre vor mir habe, gehe ich davon aus, öfter mein Aufgabengebiet zu wechseln. Ich werde aber immer versuchen, der Gestaltung (in welcher Form auch immer) verbunden zu bleiben. 5. ... immerhin die Hälfte meines Lebens. Arbeit beruht für mich auf der Passion für eine Sache. Auf Herzblut. Leider vergesse ich das selbst manchmal, weil das Drumherum zu viel Platz einnimmt. Johanna Schönberger, Design Strategie 1.
Besser:

In meinem momentanen Job gibt es wesentlich mehr inhaltliche Tiefe, Design-Professionalität und Wissen, als ich mir das während meines Industriedesignstudiums je hätte erhoffen können. Vieles, selbst Präsentationen für rein unternehmensinterne Zwecke, ist oft von hoher inhaltlicher und visueller Qualität. Auch die Komplexität der Prozesse und Zusammenhänge hätte ich mir nie vorstellen können. Will man irgendein größeres Thema angehen, muss man einen ganzen Kosmos von Details verstehen, was mich unheimlich reizt.

Schlechter:

Ich hätte nicht gedacht, wie viel Energie, Zeit und Geduld man darauf verwenden muss, um in einem großen Konzern Veränderungen in Gang zu setzen. Vieles bewegt sich nur langsam. Gleichzeitig gibt es hin und wieder Unternehmensentscheidungen, die sich einem nur vage erschließen. Wenn solche Entscheidungen einen selbst oder einen Kollegen nachhaltig beeinflussen, bedrückt mich das. Während des Studiums habe ich über den Stellenwert solcher Themen nie nachgedacht.

2. Wenn ich das Gefühl bekomme, fremdbestimmt zu sein. Wenn das Miteinander im Team nicht vertrauensvoll, offen und direkt ist. Wenn man mir längere Zeit Tätigkeiten übergibt, die mich nicht fordern, und ich anfange, mich zu langweilen. Wenn ich das Gefühl habe, dass das, was ich gerade tue, keinen Impact oder keine Relevanz haben wird. Wenn Projekte nicht vorangehen, weil die Verantwortlichen keine Entscheidungen fällen, sei es, weil ihnen dazu der Mut, der Wille oder auch nur die Zeit fehlt. 3. Im Augenblick bin ich ziemlich glücklich über die Anstellung, da es hier so viele Themen gibt, die ich wahrscheinlich nur in einem so großen Industrieunternehmen lernen kann. Doch mit zunehmender Erfahrung gewinnt die Selbstständigkeit natürlich an Attraktivität. Sie verspricht noch mehr Selbstbestimmung im Arbeitsleben. Egal, ob es um die Auswahl von Leuten geht, mit denen man zusammenarbeitet, den persönlichen Arbeitsstil oder das Gefühl, Dinge in der eigenen Geschwindigkeit mit voller Verantwortung vorantreiben zu können. Schließlich war der eindringliche Aufruf zur Entwicklung und Umsetzung einer (Lebens-)Vision eine der prägendsten Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit meinem Doktorvater Hartmut Esslinger. 4. Ich hoffe, stets eine Arbeitssituation zu haben, die meine ausgeprägte Neugier befriedigt. Es braucht immer wieder große, schwer zu knackende Aufgaben, die mich inhaltlich fordern und menschlich erfüllen. Dabei auch wieder ins Ausland zu gehen würde mich natürlich sehr reizen.

Gleichzeitig bedeuten mir Familie und ein Zuhause sehr viel. Bei dem Wechselspiel zwischen Arbeit und Privatem denke ich oft an meine Mutter, eine leidenschaftliche Architektin, die oft meinte, sie hätte uns vier Kinder nie bewältigt, hätte sie nebenbei nicht immer Häuser gebaut. Das war ihre Möglichkeit, Kraft zu schöpfen. Ich schätze, ich bin ihr da ähnlich.

5. ... die große Möglichkeit, dort Veränderung zu schaffen, wo man sie für nötig hält. -