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Und tschüss!

Will eine fremde Macht eine Nation zur Kasse bitten, kann das ungeahnte Folgen haben. So wie für die Briten, denen die Amerikaner Ende des 18. Jahrhunderts bye-bye sagten.




• Jared Ingersoll war in Connecticut kein beliebter Mann, und das lag an seinem Beruf: Er war zu Beginn der Siebzigerjahre des 18. Jahrhunderts Steuereintreiber in Connecticut, das zu diesem Zeitpunkt noch eine britische Kolonie war.

In dieser Position musste er die sogenannte Stempelsteuer einführen, die von der Regierung im fernen London ab dem 22. März 1765 in den 13 nordamerikanischen Kolonien erhoben wurde. Die Steuer wurde für alles fällig, was gedruckt wurde: Jedes offizielle Schriftstück und Dokument, aber auch Zeitungen, Karten- und Würfelspiele mussten mit der Marke der Krone versehen werden. Unter Ingersolls Landsleuten war der Obolus verhasst, sie hielten die Zahlungen für reine Willkür der Kolonialherren und den Steuereintreiber für einen Verräter, weil er mit den fremden Herrschern gemeinsame Sache machte.

So wurde Ingersoll zur meistgehassten Person der Kolonie und zum Ziel politischer Attacken. Die Untergrundbewegung Sons of Liberty klebte am 21. August 1765 Plakate mit seinem Konterfei in New London und Norwich an die Hauswände und nannte ihn auf dem Pamphlet einen Verräter.

Dabei hatten sich die britischen Kolonialherren alles genau überlegt. Die Besitztümer in Amerika spielten damals im Britischen Empire eine untergeordnete Rolle. Die Nordamerikaner verdienten ihr Schwarzgeld als Schmuggler, Sklavenhändler oder Alkoholschieber. In entsprechend verheerendem Zustand befanden sich die Finanzen der Kolonien. Doch auch um den Haushalt des Königreichs war es kaum besser bestellt. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763), den Großbritannien gegen Spanien und Frankreich geführt hatte, war das Empire tief in den Miesen. Es hatte Schulden in Höhe von 130,6 Millionen Pfund aufgehäuft, zehnmal so viel wie der britische Haushalt von 1765.

Daher suchte Premierminister George Grenville nach neuen Einkommensquellen für seine Regierung. Und fand sie in den nordamerikanischen Kolonien.

Denn nachdem der Premier nachgerechnet hatte, stellte er erstaunt fest, dass die Nordamerikaner kaum Steuern an das Mutterland zahlten. In den vergangenen 30 Jahren waren es im Durchschnitt gerade mal 1900 Pfund pro Jahr gewesen.

Was die Angelegenheit aber "noch lächerlicher machte", wie Thomas Whately, ein Vertrauter von Grenville, 1765 schrieb, war die Tatsache, dass es die Briten jährlich 7600 Pfund kostete, diese Steuern einzusammeln. Die Kolonialmacht finanzierte die Kolonie – statt andersherum, wie es einmal gedacht war.

Hinzu kam: Nordamerika war mit 800.000 Pfund nur geringfügig bei seinen Gläubigern verschuldet. Daraus zog Premier Grenville einen einfachen Schluss: Die dortigen Einwohner konnten und sollten mehr zahlen.

Von da an ging alles sehr schnell. Das Parlament in London verbot es den Kolonien, ihr eigenes Geld zu drucken, und zwang ihnen den Silberstandard auf. Dann befahl die britische Regierung der Marine, härter gegen Schmuggler vorzugehen, um durch den Zoll mehr Geld einzunehmen. Schließlich wurden die Amerikaner mit der Abgabe auf Druckerzeugnisse dazu gezwungen, Steuern zu bezahlen – und zwar in Silbermünzen.

So kam Jared Ingersoll zu seinem Job, der sich als schwieriger erwies als gedacht. Denn in Connecticut hatten die Bürger nicht genügend Silber, um ihren Verpflichtungen nachzukommen – ihr Kapital war an Boden und Rinder gebunden. Ingersoll hatte erwartet, dass die Stempelsteuer in Connecticut 4000 Pfund einbringen würde. "Doch dann bezweifelte ich, dass wir diese Summe überhaupt in der Kolonie hatten", schrieb er später.

Das britische Königreich forderte von den Nordamerikanern Geld, das sie nicht hatten. Da gab es für Ingersolls Landsleute nur einen Ausweg: die Revolution. Zunächst stolperte im fernen London Premierminister Grenville über die Dokumentesteuer. Dann wurde sie zurückgenommen. Doch der Versuch, für Ruhe zu sorgen, kam zu spät. Der Schlachtruf: "No tax a tion without representation" markiert den Anfang vom Ende der britischen Kolonialherrschaft in Amerika. ---


Die Amerikanische Revolution
13 amerikanische Provinzen waren bis Ende des 18. Jahrhunderts britische Kolonien: Delaware, Pennsylvania, New Jersey, Georgia, Connecticut, Massachusetts Bay, Maryland, South Carolina, New Hampshire, Virginia, New York, North Carolina und Rhode Island and Providence Plantations. Ende des 18. Jahrhunderts vereinten sich die Provinzen, um ihre Unabhängigkeit vom Britischen Empire zu erkämpfen und zu den Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Zunächst lehnten sie es ab, von London aus regiert zu werden, ohne dass sie dort politisch mitreden durften. Dann leisteten sie erfolgreich gegen die Stempelsteuer Widerstand. Am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten unterzeichnet. Im kurz zuvor ausgebrochenen Krieg, der von 1775 bis 1783 dauerte, schlugen die Amerikaner die Briten. 1783 erkannte das Königreich im Frieden von Paris die Unabhängigkeit der USA an. Im Jahr 1789 wurde die erste Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet und George Washington der erste Präsident.