Partner von
Partner von

Peugeot Pfeffermühle

Pfeffermühle ist nicht gleich Pfeffermühle. Zumindest glaubt man das bei Peugeot. Der deutsche Statthalter hat das konsequent umgesetzt.




- Diese Geschichte handelt von der Liebe zu den schönen Dingen, von Qualität, Tradition und Wertschätzung. Und sie handelt von Manuel Knufinke, einem Mann, der Pfeffermühlen verkauft - und das nicht ohne Begeisterung: "Wer eine Mühle mit einem Peugeot-Mahlwerk erwirbt, leistet sich etwas Besonderes", sagt er.

Knufinke ist Geschäftsführer der PSP Deutschland GmbH, dem Vertrieb für Peugeot-Pfeffermühlen. Als Statthalter eines ausländischen Konzerns hat man üblicherweise begrenzten Spielraum, etwas Eigenes zu schaffen. Knufinke gelang es dennoch. Er baute hierzulande einen ganz besonderen Kundendienst für seine Produkte auf.

Der funktioniert so: Gibt es ein Problem mit einer Pfeffermühle, kann man sie an PSP schicken, wo sie repariert wird und binnen acht Tagen wieder an den Absender zurückgeht. Alles kostenlos. Egal, ob es sich um einen Herstellungsfehler handelt oder der Defekt vom Besitzer verursacht wurde. Für Knufinke ist ein solcher Service beinahe eine Selbstverständlichkeit: "Das verlangt schon der Respekt vor dem Kunden, der keine Mühle für 3,95 Euro in irgend einem Asia-Laden erstanden hat, sondern womöglich extra für ein besonders schönes Exemplar gespart hat." Mit Preisen bis in den dreistelligen Bereich sind die Mühlen von Peugeot kein Schnäppchen.

Lange bevor das Unternehmen anfing, Autos zu bauen, stellten die Brüder Jean-Pierre und Jean-Frédéric Peugeot Anfang des 19. Jahrhunderts Sägeblätter her. Später auch Mahlwerke. 1874 kam die erste Tischpfeffermühle auf den Markt: nur neun Zentimeter hoch, mit schlanker Taille, der Schachfigur des Bauern ganz ähnlich. Sie nannten es Modell Z.

Das Geräusch verrät viel über den Zustand: Am Ende macht der Reparateur den Hörtest

Z war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Die französische Firma PSP, kurz für Poivrières Salières Production (Produktion von Pfeffer- und Salzmühlen), ist heute Weltmarktführer mit einem Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro, rund 350 Mitarbeitern, Niederlassungen in Deutschland, den USA und Japan, einem Vertriebsbüro in Belgien und Importeuren in mehr als 60 weiteren Ländern.

Doch wohl nirgendwo auf der Welt hat der Hersteller einen Kundendienst, wie ihn Knufinke bietet. Der 66-Jährige mag es auch privat gern edel. An der rechten Hand trägt er einen Siegelring mit einem Aquamarinstein. In seiner Garage zu Hause stehen gleich mehrere englische Oldtimer.

"Dafür bekomme ich immer noch Ersatzteile. Weil es sich um echte Wertarbeit handelt", sagt er. "Genauso ist es mit einer Mühle von Peugeot. Wenn wir sie im Problemfall einfach austauschten, würde der Kunde ja womöglich denken, das Stück sei in Wirklichkeit total billig in der Herstellung."

Außerdem schreiben ihm viele Menschen, dass sie besondere Erinnerungen mit einem Exemplar verknüpfen. Sie haben es zur Hochzeit bekommen, oder es war ein Geschenk zu einem runden Geburtstag. "Da will der Kunde gar keine neue", sagt Knufinke.

An seiner Werkbank nimmt Peter Baumgart vorsichtig eine Pfeffermühle aus Buchenholz auseinander. Baumgart ist ebenfalls ein Mann mit einem Händchen für schöne Dinge. Ursprünglich hatte ihn Manuel Knufinke als Lageristen eingestellt. Doch weil der 51-Jährige in seiner Freizeit gern antike Möbel restauriert, verpackt er die neue Ware zur Auslieferung an Händler oder Privatkunden nur noch am Vormittag, danach widmet er sich der Reparatur der defekten Pfeffermühlen.

"Ich habe mich da total reingekniet", sagt er, während er im Licht der Neonröhre ein gutes Dutzend großer bunter Beeren auf den Tisch schüttet. "Tellicherry", sagt Baumgart mit einem skeptischen Blick. Er kennt das schon. Seit Starköche diese Pfefferkörner aus Indien zu den besten der Welt erklärt haben, finden sie reißenden Absatz.

Doch ältere Mühlen sind dafür nicht geeignet. Die Beeren sind zu groß. Nun ist also die Mahlachse locker, weil mit großer Kraft daran gedreht wurde. Baumgart fasst in einen der Plastikkästen neben sich, holt eine neue Achse heraus, reinigt den Mühlenkörper gründlich mit einer kleinen Bürste, schraubt alles wieder zusammen und macht zum Abschluss den Hörtest. Funktioniert eine Mühle einwandfrei, ist bei jeder Umdrehung ein schleifendes Geräusch zu hören. So, wie wenn ein scharfes Messer an einem harten Gegenstand schabt.

Das Besondere an den Peugeot-Mühlen ist ihr patentiertes Schneidmahlwerk. Im Gegensatz zum sogenannten Crush-Grind-Verfahren anderer Hersteller, die das Korn zerstoßen, wird der Pfeffer in hauchfeine Streifen geschnitten. Dadurch bleiben Aromen und ätherische Öle am besten erhalten. Beim nächsten Gebrauch ist wie bei einem Laib Brot nur der Anschnitt trocken.

Der Service hilft den Kunden - und dem Unternehmen

Doch so ein Mahlwerk funktioniert nur mit den richtigen Gewürzen. "Häufig verwenden die Leute bunten Pfeffer", sagt Peter Baumgart. "Gerade wenn der Mühlenkörper aus Acryl ist und transparent, sieht das natürlich sehr schön aus. Doch die roten Beeren sind oft gar keine Pfefferkörner und viel zu weich. Dann vermatscht alles, und nichts geht mehr."

Salzmühlen bereiten, bei falscher Handhabung, auch Probleme. Das Exemplar, das er sich vornimmt, sieht schlimm aus. Das Holz ist total zerfressen und das Edelstahl-Mahlwerk verrostet. Auch da ist die Ursache schnell klar: Meersalz. Der Tod jeder Mühle, die kein spezielles Keramikmahlwerk hat, Keramik rostet nämlich nicht. Dieser Hinweis steht eigentlich auch in den Gebrauchsanweisungen. Trotzdem füllen Hobbyköche immer wieder Meersalz in die Geräte. "Nach dem Motto Mühle ist Mühle, das muss doch gehen", sagt Baumgart.

Doch der Kunde ist König, das ist das Prinzip in der Niederlassung von PSP Deutschland in Metelen im Münsterland. Von hier liefern sie die Mühlen deutschlandweit aus. Und hier werden sie auch repariert, komme, was wolle. Diesen Luxus leistet sich Knufinke nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit. Wer seine frisch überholte Mühle wieder zurückbekommt, findet im Päckchen auch ganz diskret beigelegt einen Katalog mit dem kompletten Sortiment an Mühlen und Tischdekorationen für fast alle sich bietenden Gewürze und Gelegenheiten.

Etwa 6000 Mühlen landen jedes Jahr in Baumgarts Werkstatt. Rund 100000 Euro kostet der Reparaturservice das Unternehmen jährlich. Eine Investition, die sich lohnt: "Für jede reparierte Mühle verkaufen wir zwei neue", sagt Knufinke.

"Die Leute sind von diesem Service so begeistert, dass sie nie wieder etwas anderes kaufen würden als eine Peugeot-Mühle. Wer eine Pfeffermühle eingeschickt hat, kauft sich gleich eine Salzmühle dazu und umgekehrt. Und eine weitere Mühle wird dann gern noch als Geschenk bestellt."

Das ist seine Werbestrategie. "Für das Geld würde ich vielleicht im Jahr drei oder vier Zeitungsanzeigen bekommen. Aber das wäre nur eine Momentaufnahme. Unser Service hat sich dagegen herumgesprochen." Bereits gut zwei Jahre nach der Gründung der PSP Deutschland GmbH im Jahr 2008 hatte sich der Umsatz auf 5,5 Millionen Euro verdoppelt. Nach Frankreich ist Deutschland inzwischen der wichtigste Markt für das Unternehmen. Solange die Zahlen stimmen, lassen die Chefs in Frankreich Knufinke mit seiner Kundendienstmasche machen. "Ich glaube, in anderen Ländern sind die Kunden nicht so anspruchsvoll", sagt er. "In Frankreich hat die Mühle dann halt mal eine Macke oder wird selbst repariert. Und in den USA schmeißt man sie vermutlich einfach weg."

Bei komplizierten Fällen setzt er sich schon mal selbst mit den Kunden in Verbindung. Nicht überall, wo ein Peugeot-Mahlwerk drinsteckt, steht auch PSP dahinter. Nachdem die Peugeot-Familie Ende des 19. Jahrhunderts in die Automobilproduktion eingestiegen war, verlor sie das Interesse an den Mahlwerken. Die Rechte zur Herstellung gab sie 1986 an die US-Werkzeugfirma Stanley ab. Dort betrieb man das Geschäft allerdings nur halbherzig und war deshalb dankbar, als der Leiter der französischen Firmenniederlassung in Besançon, Jean-Claude Fornage, es ihnen 1992 abkaufte, um sich damit selbstständig zu machen. Auch die Familie Peugeot stieg wieder ein, allerdings nur als Minderheitsaktionär, der sich aus dem Geschäft heraushält.

So kommt es, dass in Metelen Mühlen aus der alten Zeit auftauchen, auf die PSP keine Garantie gewährt oder die man nicht reparieren kann. Knufinke drückt trotzdem oft ein Auge zu. "Wir versuchen immer, eine Lösung zu finden. Meist bieten wir in solchen Fällen eine neue Mühle zum halben Preis an, und bisher hat noch niemand das Angebot abgelehnt." Nur wenn jemand versucht, ein völlig fremdes Fabrikat gegen das Original zu tauschen, sagt man in Metelen tatsächlich auch einmal Nein. -