Partner von
Partner von

DAB Direktbank

In der Direktbank DAB finden sich Mitarbeiter mit ungewöhnlichen Biografien. Von ihnen kann man lernen, warum es sich lohnt, den Beruf zu wechseln.




- Bei Jürgen Eikenbusch geschah es aus Liebe. Josef Zellner hasste Befehle. Fatih Ilgün wollte nicht jeden Tag ölverschmiert nach Hause kommen. Und bei Peer Böttiger war es einfach das Wetter, das ihn dazu trieb: noch einmal etwas ganz Neues anfangen.

Böttiger hatte eines Tages auf seiner Baustelle wieder gefroren. Da beschloss er, seinen Beruf zu wechseln. Die Frage, die er sich stellte, war einfach: "Was kann ich tun, um der Kälte zu entgehen und trotzdem weiter etwas Aufregendes zu machen?" So wurde binnen vier Tagen aus einem freiheitsliebenden, unabhängigen Dachdeckergehilfen aus dem Thüringer Wald ein freiheitsliebender, angehender Wertpapierhändler in München. Denn nur so lange dauerte es von seinem Vorstellungsgespräch bis zu seinem ersten Arbeitstag bei der Direktbank DAB. Das war im Jahr 2000. Fortan telefonierte und chattete Böttiger von einem warmen Büro aus mit der ganzen Welt.

Das klingt tatsächlich abenteuerlich, aber auch ein bisschen windig, nicht wahr? Ein Mann, der eben noch mit einem Trupp Tagelöhner in Aufschwung-Ost-Dachstühlen rumklettert, um sie, egal bei welchem Wetter, im Akkord mit neuen Schindeln einzudecken, heuert mal eben bei einer Bank in der Orderannahme an? Und das nur einen Tag vor Zeichnungsbeginn für die Infineon-Aktie? Kein Wunder, dass Banken heute so einen miesen Leumund haben, wenn da jeder Dahergelaufene...

Halt! Stopp! Zurücktreten bitte: Ab hier begibt man sich auf das Sperrgebiet des Vorurteils. Würden Personalmanager so ticken - Quereinsteiger wie Böttiger, Umsteiger wie Eikenbusch und Aufsteiger wie Zellner, die es erst über Umwege nach oben schaffen, hätten keine Chance. Das wäre nicht nur ungeschickt aus Sicht der Unternehmen, für die jeder gelungene Seitensprung von einer Branche zur nächsten wie eine Frischzellenkur wirkt - es wäre auch furchtbar langweilig. Da könnte man nämlich in der DAB-Zentrale, diesem etwas dreist hingeklotzten Bürowürfel in München-Laim, nicht auf einen Schlag einen ehemaligen Bereitschaftspolizisten, einen katholischen Priester, einen Elektrikergesellen, einen Kupferschmied und einen Vollmatrosen treffen und sich erzählen lassen, wie das auch als Angestellter geht - an den kleinen und großen Kreuzungen des Lebens noch einmal eine ganz andere Richtung einzuschlagen.

Wobei der Ex-Kupferschmied an diesem Tag leider doch keinen Termin frei hat. Sein neuer Job im Management für Kunden-Events der Bank hat ihn auf Reisen geführt. Auch gut, so hat man mehr Zeit für Peer Böttiger.

Der Mann, Jahrgang 1968, stammt aus der Gegend um Gotha und ist einer, dem man diesen Satz abnehmen darf: "Ich bin stolz darauf, in meinem Leben immer das gemacht zu haben, was ich wirklich wollte." Weil das ein Zustand ist, dem sich jeder denkende und fühlende abhängig Beschäftigte gern annähern würde, möchte man von Böttiger wissen, wie das geht.

Schon mit 16 Jahren stand ihm die Welt offen, und das will für einen Kleinstadtjungen in der DDR etwas heißen. Er ließ sich in der Schule von der Handelsmarine anwerben und lernte in Rostock den Beruf des Schiffsmechanikers. Als Vollmatrose konnte er so die Weltmeere bereisen. Denn statt eines Reisepasses, wie ihn viele in der DDR ersehnten, besaß Böttiger nach zwei Jahren Lehrzeit ein Seefahrtsbuch. Es führte ihn in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre in die Biscaya und nach Brasilien, nach Saudi-Arabien und Südafrika. Während in Berlin die Mauer auf ewig felsenfest zu stehen schien, tankten sie in Las Palmas auf, steuerten Kamerun an, ankerten vor Dschibuti.

Die Containerschiffe waren damals noch nicht so beherrschend wie heute, Böttigers Flotte fuhr andere Fracht, nicht normierte Güter wie Säcke oder Metallgebinde. Weil das lange Be- und Entladezeiten mit sich brachte, lag Böttiger in manchen Häfen vier bis fünf Wochen. Er sah die Pyramiden von Gizeh, die andere Ostdeutsche nur von Zeichnungen aus dem Geschichtsbuch kannten. Er liebte seine Arbeit. Aber nur, solange sie liebenswert war.

Nach der Wende war sie es nicht mehr. Die ehemaligen DDR-Handelsschiffe fuhren bald unter den Flaggen von Tuvalu und Kiribati: billig, schnell, schmutzig. Die Besatzungen wurden jetzt wild zusammengewürfelt, es ging laut und rau zu und damit nicht so, wie Böttiger es schätzte. Zudem stand der Dollar schlecht, und Böttigers Heuer wurde nun in Dollar bezahlt. Er begann zu überlegen. In Thüringen, bei Gotha, hatte er sich ein kleines Haus gekauft, absichtlich einen Sanierungsfall, um ausgiebig daran herumwerkeln zu können. Als die Dachdeckerfirma kam, packte er mit an. Der Chef war angetan. Er suchte dringend Leute. Und heuerte den seemüden Seemann als Dachdecker an.

Böttiger war in seinem zweiten Beruf angekommen und fühlte sich sofort wohl: Er konnte autark arbeiten, ordentlich Geld verdienen und obendrein noch die flotte Sekretärin des Handwerksbetriebes für sich gewinnen. Nur die Kälte im Winter auf den Baustellen, die setzte ihm irgendwann zu. Weil er sich mit Aktien auskannte - er handelte schon seit einiger Zeit von zu Hause aus -, erschien ihm das DAB-Stellenangebot in der Zeitung wie ein Lockruf. Anders als viele Ostdeutsche fand er München gleich sympathisch. "So wie ich früher das Meer und das Segeln mochte, liebe ich jetzt das Bergwandern und Skifahren."

Vom Matrosen zum Banker

Auf rund 1100 Mitarbeiter war die Belegschaft der DAB nach dem Börsengang 1999 zeitweise angeschwollen. Zwei Jahre später, nachdem der Neue Markt jäh zusammengebrochen war und die Lust der Laien, mit Aktien zu spielen, mit einem Schlag verpufft, waren es nur noch 500. Wer bleiben wollte, musste gut sein.

Böttiger hatte sich aus der Orderannahme für Privatkunden der Bank schnell emporgearbeitet. Heute wickelt er im Business-to-Business-Bereich Geschäfte mit Optionen, Devisen und Anleihen für professionelle Anleger ab. Für ihn ist es ein Lob, wenn ihm zufriedene Kunden "neues Geschäft" übertragen. Der Seiteneinsteiger ist damit nicht nur glücklich, sondern auch lukrativ für seinen Arbeitgeber. Denn die DAB brüstet sich damit, die führende deutsche Direktbank für unabhängige Vermögensverwalter zu sein.

Nun ist die Berufsbezeichnung Broker - das sind Leute, die Kundenaufträge abwickeln - so wenig geschützt wie der Begriff Journalist. Trotzdem: Sucht man in Jobbörsen Stellenangebote im Wertpapierhandel, verlangen Banken und Vermögensverwalter stets einschlägige Ausbildungs- oder Studienabschlüsse - gern zusammen mit Berufserfahrung und zwei Fremdsprachen. Ein Schiffsmechaniker hätte da kaum noch eine Chance, ganz gleich, wie gut seine Nase fürs Geschäft womöglich wäre. Dabei vermutet Peer Böttiger, dass gerade seine Zeit als Matrose ihn gelehrt hat, Risiken und Chancen zu erkennen, weder ängstlich noch draufgängerisch zu sein. Die Kreisläufe der Wirtschaft und der weltumspannende Handel wurden für ihn schon fassbar, als man noch nicht mal im Westen von Globalisierung redete. Er sagt: "Ich kann mir nicht nur vorstellen, dass hinter Termingeschäften Waren stehen - ich habe es gesehen."

Wäre der Aktienhändler-Dachdecker-Vollmatrose mit seinem ungewöhnlichen Lebenslauf ein Einzelfall bei der Bank, könnte man ihn als Exoten verbuchen. Aber dem Management ist auf Anhieb eine Handvoll Leute eingefallen, die auf unorthodoxen Pfaden in die DAB fanden - und geblieben sind. Ist das Zufall?

Der gelernte Elektriker Fatih Ilgün, heute 33, war gerade 20 Jahre alt, als er zur Firma kam. Er erzählt: "Es ging der Witz um, dass die DAB hier auf der Landsberger Straße in München Netze aufstellen ließ." Jeder, der sich darin verfing, sei zur Mitarbeit in der Bank verdonnert worden.

Es war der New-Economy-Hype, die aufgeheizte Gründerzeit um die Jahrtausendwende, als jeder glaubte, mit Aktien Geld verdienen zu können. Die junge Onlinebank konnte das Auftragsvolumen durch die Privatanleger kaum bewältigen. Darum stellte sie schnell und großzügig Mitarbeiter ein.

Für Ilgün, Münchner Kind türkischer Einwanderer, brauchte es kein Fangnetz: Als ihn seine Schwester nach nur wenigen Tagen in der Bank ermutigte, sich auch zu bewerben, fackelte er nicht lang. Zwar hatte er gerade erst seine Elektrikerlehre abgeschlossen. "Aber eigentlich wollte ich immer im Büro arbeiten. So albern das klingt, aber seit ich denken kann, wollte ich lieber Anzug tragen statt Blaumann." Bloß nicht wie der Vater, bis heute stolzer Arbeiter bei BMW, mit Schwielen an den Händen und Schmieröl an den Hosen nach Hause kommen. Ilgün sagt: "Mein Vater ist happy, aber ich hatte durch ihn jeden Tag vor Augen, was ich nicht will."

Experiment gelungen, Patient lebt noch

So wurde der irrationale Aktien-Boom um die Jahrtausendwende für Ilgün zum Sprungbrett in den Dienstleistungssektor - ein Weg, der ihm sonst womöglich versperrt geblieben wäre. Denn er hat einen Hauptschulabschluss. Sein Traum, Groß- und Außenhandelskaufmann zu werden, ließ sich damit nicht erfüllen. Man vermittelte ihm die Elektrikerlehre. Es schien ihm doch das Leben im Blaumann bevorzustehen - bis ihn die Höchststände an den Börsen in die Bank brachten. Und damit in ein Büro.

Aber auch beim Discountbroker reicht ein gut geschnittener Anzug nicht, um sich unentbehrlich zu machen. Ilgün hat die Entlassungswelle Anfang des neuen Jahrtausends überstanden, weil er sich für keine Aufgabe zu schade war. Noch während seines ersten Arbeitsvertrags, der nur auf Zeit lief, ließ er sich zum Ersthelfer für Notfälle ausbilden - einfach weil das Unternehmen dringend welche nachweisen musste. Aus seinem Sechsmonatsvertrag zum Einpflegen von Kundendaten wurde schnell eine Festanstellung. Während andere wild darauf brannten, Trader-Karrieren einzuschlagen, fing er klein in der Abteilung für Kontolöschung an und arbeitete sich hoch. "Das wurde mein Baby", sagt er, "aber irgendwann kannte ich jede Facette."

Aufstiegschancen boten sich, Ilgün ergriff sie. Er musste sich dafür hausintern bewerben und gegen Konkurrenten durchsetzen. Seit 2008 ist er Betreuer für Geschäftskunden - ein Job, sozusagen im Herzen der Bank. "Am Anfang in der neuen Abteilung habe ich echt geschwitzt", gibt er zu. "Es war ein Risiko für beide Parteien, für die Bank und für mich, das zu versuchen." Denn Geschäftskunden sind hart, sie verzeihen keine Fehler. Das Experiment scheint gelungen.

Doch weil auf glückliche Zufälle kein Verlass ist, hat er sich neben der Arbeit zum Bankkaufmann ausbilden lassen. Demnächst steht die IHK-Prüfung an. Er sagt: "Ich will etwas in der Hand haben."

Sich von Ehrgeiz und Eifer leiten zu lassen, der Lust auf einen neuen Kick im Leben nachzugeben, materiellen Verlockungen zu erliegen - all das waren für Jürgen Eikenbusch keine Optionen. Das waren Sünden. Jedenfalls bis zum Jahr 2000, bis er sich in den Mann seines Lebens verliebte und nichts dagegen tun konnte. Für einen katholischen Priester wie ihn war das doppelt schwierig: Eikenbusch hielt sich nicht mehr an das Zölibat. Und Homosexualität bezeichnete sein damaliger Arbeitgeber, die katholische Kirche, als "objektiv ungeordnet".

Wobei das Eikenbuschs Lage ganz gut beschreibt: Nach jahrelangen Studien der Theologie an Priesterseminaren und Universitäten in Deutschland und Rom, nach Zeiten als Vikar und Entwicklungshelfer arbeitete er am letzten Schliff seiner Doktorarbeit. Er versuchte darum, die Liebe, dieses unordentliche Gefühl, zu verbannen. "Aber", sagt er, "es ging einfach nicht."

Beruflich stand er vor dem Nichts. Da war er 35 Jahre alt. Knapp zwei Jahre nahm sich Eikenbusch Zeit, um sich zu fangen und zu finden. "Es war wie ein Kampf zwischen zwei Mächten", sagt er. Mittendrin wurde er promoviert.

Eikenbusch kehrte der Kirche nicht als Glaubender den Rücken, aber als ihr Diener - und brachte Ordnung in sein Leben: Er heiratete seinen Freund; es war eine der ersten amtlichen Lebenspartnerschaften in Bayern. Und er überlegte: "Was kann ich eigentlich? Und was will ich?" Ein sozialer Beruf bot sich nach den Jahren als Seelsorger an. Oder die Arbeit mit dem Wort.

Er entschied sich für das Wort. Mit etwas Glück ergatterte er trotz seines Alters eine Trainee-Stelle in einer Münchner PR-Agentur und wurde übernommen. Nach ein paar Jahren bewarb er sich auf eine freie Stelle in der Kommunikationsabteilung der DAB. 2008 wurde er dort Chef, kurz bevor in den USA die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach. Die Gier der Banker und der Verfall ihrer Moral wurden überall angeprangert. Ist das für einen Ex-Priester, der jahrelang Entsagung und Verzicht predigte und lebte, nicht eine erstaunliche Volte, wenn er dann ausgerechnet das Image eines Discountbrokers hochhalten muss? "Och", sagt Eikenbusch entspannt, "wir sind doch eine kleine, ehrliche und ziemlich brave Bank. Unsere Kunden sind Selbstentscheider. Sie bestimmen, was sie wie anlegen. Für den Börsencrash waren faule Kredite die Auslöser. Und unser Kreditgeschäft ist, wie man weiß, überschaubar."

Eikenbusch hat seine neue Berufung offenbar verinnerlicht, die Macht über das Wort in die Dienste des Kapitals zu stellen. Doch ein paar Grenzen zieht er in seinem Leben bis heute: Für sogenannte Heuschrecken zu arbeiten oder für Ausbeuter, das käme nicht infrage.

Wenn das Klima in einem Unternehmen mies ist, bemüht man den Spruch, wonach der Fisch vom Kopf her stinkt. Aber was ist eigentlich die positive Verkehrung dessen? Wie könnte das Sprichwort lauten, das einen wie Josef Zellner beschreibt?

Nur keine Kaserne, bitte keine Befehle

Nach der Schule wurde der heute 48-Jährige Polizist. Heute ist er einer der drei Vorstände der DAB. Hätte ihm das jemand vor 30 Jahren vorausgesagt - Zellner hätte ihn wohl ausgelacht und allen Grund dazu gehabt.

Er wuchs mit seinen Geschwistern in Landshut in kleinen, freundlichen Verhältnissen auf. Der Vater war Vertreter für Dr. Oetker, die Mutter Hausfrau; die Großeltern hatten einen Bauernhof. Schule war etwas, das man hinter sich brachte, um nachher endlich etwas Gescheites zu tun. Er sei "bildungsmäßig", sagt Zellner auf Niederbayerisch, "nicht schon von zu Hause gleich aufs richtige Gleis gesetzt worden", wie die meisten anderen in seinen Sphären, die aus den Akademikerfamilien.

Die Weichen musste Zellner selbst stellen. Was ihn dazu trieb, war, ähnlich wie bei seinen Mitarbeitern Böttiger und Ilgün, eine starke Motivation zur rechten Zeit. Zellner spürte mit 20, dass ein guter Polizist werden zu wollen das eine ist, aber ein Bereitschaftspolizist in Bayern in den Achtzigerjahren zu sein etwas ganz anderes: kaserniert leben, zum Einsatz in Hundertschaften ausrücken, Befehle empfangen. All das, merkte er, war so gar nicht sein Ding. Trotzdem zählte er zu den Besten seines Ausbildungsjahrgangs. "Nach meiner eher mittelprächtigen Schulzeit spürte ich, dass ich wirklich etwas erreichen kann, wenn ich Ehrgeiz entwickle und mich anstrenge." Dieser Ehrgeiz trug ihn, jedenfalls eine Weile.

Aber dann ging es in diese Einsätze, in München-Haidhausen 1985 zum Beispiel, zu den Gegnern atomarer Wiederaufbereitungsanlagen. Zellner hatte schnell das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen: dort die zumeist friedlichen Demonstranten, die für ihre Sache auf die Straße gingen und sich ihre Haare so lang wachsen lassen konnten, wie sie wollten. Hier die schildbewehrten, soldatisch frisierten Uniformierten, denen durchaus mal der Knüppel ausrutschte. "Da lief, vorsichtig gesagt, nicht immer alles sauber", sagt er. Er bekam Hautausschlag, keiner wusste, wieso. Dass es die Psyche sein könnte - darauf kam niemand.

Des Polizisten neue Kleider

Zellner machte sich einen Plan. Er begann, das Abitur nachzuholen. Zeitweise schwebte ihm noch eine Karriere beim Bayerischen Verfassungsschutz vor. Aber der nahm Zellner nicht. Zu groß gewachsen war er angeblich und damit zu auffällig für Observierungen. Wenn man den Bankvorstand heute sieht, in seinem wenig mondänen Eckbüro, schlipsfrei, die Ärmel hochgekrempelt und das Herz beinahe auf der Zunge tragend, kann man erahnen, dass seine Karriere als Schlapphut vermutlich ohnehin schnell beendet worden wäre. Nach genau sechs Jahren quittierte er seinen Dienst bei der Polizei - denn ab da war er sicher, nicht mehr zur Bundeswehr zu müssen. Er begann an der Fachhochschule Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Sein Ausschlag verschwand so plötzlich, wie er gekommen war.

Der erste Job als Vorstandsassistent in einem Software-Unternehmen ebnete ihm den Weg in eine solide kaufmännische Karriere. Fix wurde er Chef der Finanzabteilung, bald kaufmännischer Leiter. Da war er noch keine 30. So hätte es weitergehen können. Aber Zellner stellte noch einmal die Weichen neu, wechselte das Gleis: Er bewarb sich 1995 an der TU-Bergakademie Freiberg in Sachsen auf eine Stelle beim designierten Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Egon Franck, der heute in Zürich lehrt. Zellner lebte in Dresden, arbeitete und promovierte im nahen Freiberg. Er sagt: "Ich hatte da sehr an meiner Ausdrucksfähigkeit zu feilen, die Latte hing hoch."

Für eine Karriere in Unternehmensberatungen wie McKinsey oder KPMG reichte der Abschluss "Sehr gut" einer Technischen Universität nicht. "Mit a bisserl a anderem Lebenslauf", glaubt Zellner, "war man da nicht anschlussfähig."

Als sich ihm im Jahr 2000 die Chance bot, in die junge, damals erst sechs Jahre alte Direkt Anlagen Bank einzusteigen, zögerte er nicht. Was, das sagt er freimütig, auch an den hübschen Aktienpaketen lag, die zusätzlich zum Jahresgehalt in Aussicht gestellt wurden.

Einmal angekommen beim Discountbroker, wurden Josef Zellner praktisch im Zwei-Jahres-Rhythmus neue Aufgaben übergeworfen wie neue Kleider. Ein bisschen vom einst erlernten Gehorsam half ihm wohl dabei, sich auch jene anzuziehen, die ihm anfangs nicht passten: So wurde aus Zellner, dem Strategen und Entwickler neuer Geschäftsmodelle, der Manager für Firmenübernahmen, dann der Personalchef, irgendwann der Verantwortliche für den Neubau der Bank, der Leiter für den Bereich Geschäftskunden, schließlich ein Vorstand. Das ist er nun, seit August 2012. Zellner sagt, sein Job mache ihm Freude, "wirklich, ich kann autonom arbeiten. Klar, die Zahlen müssen stimmen. Aber ich habe auch viele Freiheiten, die ich genieße." Und jedenfalls keine Befehle mehr.

Er könnte es den Dünkelhaften in der Finanzbranche und Beraterindustrie jetzt zeigen und versuchen, möglichst viele ins Haus zu holen, die sich wie er aus kleinen Verhältnissen über den zweiten Bildungsweg hochgearbeitet haben. Aber Zellner sagt, so denke er nicht. "Wir brauchen schon auch die vom Fast Track, die Superschnellen mit den richtig guten Abschlüssen."

Aber er achtet darauf, dass Kollegen den Anschluss nicht verlieren. Frauen, die aus der Elternzeit zurückkehren, versucht er zum Beispiel nicht in andere Abteilungen abzudrängen, wie er das früher bei anderen Chefs beobachtet hat. "Die nehme ich alle zurück, die sind wichtig." Und manchmal setzt Josef Zellner seine Freiheiten ein, um andere Menschen auf ganz neue Gleise zu setzen. Wie den Kupferschmied, den Mann einer Kollegin: Den habe er ins Eventmanagement der Bank geholt, weil er wegen einer Allergie von einem Tag auf den anderen nicht mehr seinem Handwerk nachgehen konnte. "Da geht's um die Existenz. Da probieren wir das jetzt halt mal aus." -

------------


Die DAB Gegründet als Direkt Anlagen Bank ist die Münchner DAB Bank AG der älteste Discountbroker in Deutschland. Die Bilanzsumme betrug im vergangenen Jahr 4,39 Milliarden Euro. Seit 1994 können Kunden per Telefon, Fax oder über das Internet Wertpapiere handeln. Die Bank hat rund 600000 Kunden und 600 Mitarbeiter. Im Jahr 2001 waren es zeitweise 1100. Die DAB ist zu gut 81 Prozent im Besitz der deutschen Unicredit Bank AG, zu der auch die Hypovereinsbank gehört. Die Unicredit Bank AG wiederum ist Teil der italienischen Finanzholding Unicredit. Die DAB hatte lange eine Vorreiterrolle, ging 1999 als erste Direktbank hierzulande an die Börse. Doch mittlerweile wurde sie von Konkurrenten wie der Comdirect oder IngDiba überholt, was die Zahl der Kunden, den Gewinn oder den Aktienkurs betrifft. Vorstandssprecher ist seit August 2012 Ernst Huber. Ende April musste der 45-jährige Österreicher einen Gewinneinbruch vermelden: Vor Steuern verdiente die DAB von Januar bis März 2013 nur noch 4,7 Millionen Euro - im Vergleich zu 8,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Neue Kunden will Huber unter anderem dadurch gewinnen, dass er die DAB mit Angeboten für günstige Girokonten als Erstbank attraktiv macht.