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Institut Fresenius

Das Institut Fresenius verleiht Unternehmen etwas sehr Wertvolles: Glaubwürdigkeit.




- Roy Hörner löst Probleme. Der Mikrobiologe kommt, wenn seine Kunden in einem Schlamassel stecken. Ob Salmonellen, Dioxin oder Asbest in Lebensmitteln: Nach zwölf Wochen haben er und seine Kollegen vom SGS Institut Fresenius bei den Herstellern ein Kontrollsystem eingeführt, damit ihnen das nicht mehr passiert. Und die Kunden ihnen wieder vertrauen können. Das Institut Fresenius Lebensmittellabors, das Hörner leitet, ist das größte dieser Art in Europa. Was hier gemessen wird, gilt unter Freund und Feind als verlässlich.

Die Glaubwürdigkeitsfabrik in Hamburg-Bergedorf ist ein unscheinbarer Backsteinklotz. Die Tester arbeiten gern im Stillen. Seit 40 Jahren bietet ihre Firma an, nach der Prüfung mit dem hauseigenen Siegel zu werben: ein Oval, dazu ein Haken und der Schriftzug "Regelmäßige Qualitätskontrolle Institut Fresenius".

Kaum einer ahnt, welcher Aufwand hinter dem schlichten Logo steckt. Und doch scheint es zu wirken: Ferrero ist mit Nutella seit 40 Jahren dabei, Marken wie Capri-Sonne, die Rügenwalder Mühle und Kikkoman Sojasauce setzen auf die Wirkung des Namens Fresenius. Mit dem gleichnamigen Gesundheitskonzern hat das Institut nichts zu tun. Seit 2004 gehört es mit seinen 760 Mitarbeitern zur Schweizer SGS-Gruppe, dem größten Prüfunternehmen der Welt. SGS zertifiziert alles, von der Kläranlage in Kreuzfahrtschiffen bis zu Kinderspielzeug. Doch kaum irgendwo wird so viel geprüft, getestet, überwacht und zertifiziert wie bei Lebensmitteln. 73 Millionen Euro Umsatz machte das Institut Fresenius im Jahr 2010.

Karl Tack hat das Siegel seit einem halben Jahr. Er vertreibt das einfachste Produkt der Welt: Mineralwasser. Es wird direkt aus der Quelle in Flaschen gefüllt. Tacks Rhodius-Werke sind nicht zu übersehen. "Herzlich willkommen in Burgbrohl" begrüßt eine Tafel am Ortseingang den Besucher, daneben ist eine Rhodius-Mineralwasserflasche abgebildet. Tack führt das Familienunternehmen Gebrüder Rhodius mit 400 Mitarbeitern in sechster Generation. Das Werk nimmt den Berghang des Brohltals zwischen Remagen und Koblenz ein. Der Aufstieg dieses unauffälligen Wassers aus der Eifel, die Verwandlung vom Tiefenwasser zum edlen Mineralwasser zeigt exemplarisch die Wirkung des Fresenius-Qualitätssiegels. Dazu später mehr.

Hindernislauf zum begehrten Stempel

Im Jahr 1845 wurde Carl Remigius Fresenius als Professor für Chemie und Physik an das Landwirtschaftliche Institut Wiesbaden berufen. Weil es kein Labor gab, gründete er drei Jahre später das "Chemische Laboratorium Fresenius Wiesbaden". Zur Finanzierung suchte er schon damals den Kontakt zu Unternehmen, die für Tests ihrer Produkte zahlten. Der erste große Auftrag im Jahr 1849 ist die Untersuchung der Mineralwasser des Herzogtums Nassau. Fresenius entwickelte ein erstes Verfahren zum Soda-Nachweis, machte Spektral-Analysen verschiedener Wasser und überprüfte sie auf Radioaktivität. Die Quellen warben fortan mit diesen Werten für ihr Heilwasser, ohne dafür zahlen zu müssen.

Der Enkel des Institutsgründers, Remigius E. Fresenius, kam schließlich auf die Idee, aus den Kontrollen des Instituts ein Geschäft zu machen und den Unternehmen ein Testsiegel anzubieten. Und so fing 1973 alles mit Nutella an. Als ernst zu nehmende Konkurrenz gab es nur das CMA-Gütesiegel. Seit damals garantiert die Unterschrift von Professor Fresenius auf dem Nutella-Glas unabhängige Kontrollen. Die dunkle Creme hat das Zeug, Ernährungsberatern Albträume zu bereiten, einen Nutella-Skandal aber hat es in den vergangenen 40 Jahren nicht gegeben. Statt dessen prangt das Siegel auf dem Glas und ist heute größer als der Markenname: Es ist in den Nutella-Deckel geprägt.

Auch wenn es so wirkt - das Gütezeichen ist keine Auszeichnung, sondern eine Dienstleistung. Wer es verwenden will, landet zuerst bei Anke Teichgräber. Sie ist beim Institut Fresenius für das Siegel verantwortlich. "Unsere Kunden bewerben sich", sagt sie. Mit allen Interessenten geht sie eine achtseitige Checkliste durch, die erfasst, welche Bestandteile des Produkts unter welche Normen fallen. Dann sagt Teichgräber gern ihren Satz, der viele Marketingleute zusammenzucken lassen dürfte. "Wir testen besonders auf Claimings." Wenn auf einer Packung die Freiheit von Zusatzstoffen oder die positive Wirkung von Magnesium versprochen wird, muss das auch stimmen. Sie stellt klar, dass alle Aussagen überprüft werden. Viele Interessenten springen nach diesem ersten Telefonat ab.

Die Mitarbeiter von Mineralwasser-Abfüller Karl Tack ließen sich nicht abschrecken. Doch war das erst der Beginn einer Prüf-Odyssee: Fresenius testete die Quelle, untersuchte die Fabrik, analysierte die Farbe der Etiketten und die Dichtungen der Flaschendeckel. Am Ende wussten die Tester mehr über sein Wasser als der Familienunternehmer.

Tatsächlich ist der Fresenius-Stempel für die Unternehmen eine Art Zwangsjacke. "Der Kunde hat kein Mitspracherecht darüber, was wir testen und was wir weglassen. Wir testen unabhängig", versichert Teichgräber. So hat das Institut sogar das Recht auf Rückruf eines Produkts aus dem Supermarkt.

Meist scheitert die Zusammenarbeit schon an der Preisgabe der Rezeptur. "Da trifft man den Nerv. Das wollen oder können ganz viele nicht mitmachen", sagt Teichgräber. Von der Rohwarenerzeugung bis zum Ladenregal wird das Produkt unter die Lupe genommen. Die Kosten trägt der Hersteller. Am Ende tagt der Siegel-Rat. Erst danach steht der Siegel-Vertrag. Bis ein Produkt das Qualitätssiegel tragen darf, vergehen bis zu zwei Jahre. Bis heute ist es nur auf rund zwei Dutzend Produkten zu finden, an denen sich schon viele Verbraucherschützer die Zähne ausgebissen haben. Der Fresenius-Check scheint das beste Totschlagsargument der Lebensmittelindustrie zu sein.

Dabei ist die Güte von Lebensmitteln nicht leicht zu bestimmen. Fachleute sind sich einig: Noch nie war die Qualität unserer Lebensmittel so hoch wie heute. Doch jeder Skandal führt zu gegenteiligen Eindrücken. BSE, Nitrofen, Dioxin, Acrylamid, Gammelfleisch und Ehec heißen die Albträume der Industrie. Organisationen wie Foodwatch, das Magazin "Öko-Test" und die Verbraucherzentralen verstärken diese Stimmung. Sie profitieren vom Bedürfnis nach Orientierung. Und Siegel haben die fast unheimliche Kraft, selbst Ernährungssünden glaubwürdig geprüfte Qualität zu verleihen.

In Hamburg-Bergedorf vermessen Hörners Mitarbeiter nicht nur Fett, Zucker und Vitamine in der Nahrung. Das Institut sucht nach Asche und Dioxinen, nach Pestiziden, Mykotoxinen, Schwermetallen, Polycyclischen Kohlenwasserstoffen, Nitrosaminen, Lösungsmitteln, Phthalaten, Acrylamid und 3-MCPD- Estern, nach Allergenen und Insekten, Konservierungsstoffen, Farbstoffen, Süßstoffen, nach Alkohol, Aminosäuren, Cumarin, Nitrit und Nitrat, nach Melamin, Tierarzneimitteln und Radioaktivität. Hörner könnte diese Liste beliebig verlängern. Er und seine Kollegen suchen nach Gefahren, von denen die Verbraucher noch nichts ahnen und die Hersteller noch nichts wissen.

Die Güte eines Lebensmittels hat für Hörner eine messbare naturwissenschaftliche Größe. Und sie hat einen Wert nahe null: "Qualität ist eben auch, nichts Störendes zu finden", sagt er. Dieses glaubwürdige "Nichts" zu garantieren ist die Dienstleistung von Fresenius. Für industrielle Massenware - die mit dem, was drinnen ist, so wenig punkten kann - ist die "Frei von"-Qualität das bessere Qualitätsversprechen.

Mineralwasser ist in vieler Hinsicht austauschbar. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, warum das eine besser sein sollte als andere "Wässerchen", wie Tack die ausländische Konkurrenz gern nennt. Der Glaube an die Qualität des eigenen Produkts ist auch bei Rhodius erst 35 Jahre alt. Es ist gar nicht so lange her, da ließen sie das Wasser noch ungenutzt in den Brohlbach laufen. Rhodius nutzte damals nur die Kohlensäure der Quelle, um Bleiweiß herzustellen. Das Wasser war überflüssig: Abwasser.

Von einer Reise in die USA brachte der Firmenchef Manfred Rhodius, Tacks Schwiegervater, 1958 die Konzession mit, Pepsi abzufüllen. Da nutzen sie das Wasser aus der Quelle das erste Mal. Rhodius wurde einer der größten Pepsi-Abfüller. 16 Jahre später fingen sie an, ihr Wasser selbst zu verkaufen, pur, vor allem in Dosen. "Mein Schwiegervater war ein ehrlicher Kaufmann. Er hat das Potenzial der Mineralwassermarke Rhodius unterschätzt. Er wollte für das Wasser nicht mehr Geld nehmen als für die Cola", sagt Tack. So begann das Rhodius als billigstes Wasser aus dem Supermarkt. Doch der Mittelständler erkannte bald, dass er mit dieser Strategie nicht weit kommen würde. "Wir können nur durch Qualität überleben, die die Großen in dieser Form nicht können", sagt Tack heute. "Qualität ist unsere Stärke."

Ein austauschbarer Satz, fast trotzig steht er in der Rhodius-Firmenphilosophie. Was kann Wasser schon für Qualitäten haben? Zur Qualität gehört für Tack: Sein Produkt ist regional und wird in Mehrwegflaschen angeboten. "Das kann uns kein internationaler Konzern nehmen, da sind wir nicht kopierbar."

Gefahr droht von anderer Stelle: Andere lokale Hersteller könnten Rhodius Marktanteile streitig machen, Mineralquellen gibt es in der Eifel schließlich viele. Deshalb entschied sich Rhodius vor zehn Jahren, auf Qualität als Verkaufsargument zu setzen. Sie reichten das Wasser zu Verkostungswettbewerben ein. Und ließen sich von Fresenius durchleuchten. Es ging um 151 Milligramm Magnesium pro Liter und vor allem die Reinheit, das glaubwürdige "Nichts". Seit einem halben Jahr trägt das Rhodius-Mineralwasser jetzt das Qualitätssiegel.

Kann Wasser bio sein?

Lange galten Siegel unter Mineralbrunnen als verpönt. Als der Unternehmer Franz Ehrnsperger mit Lammsbräu begann, auf sein Wasser ein Biosiegel zu kleben, hat ihn die Konkurrenz kritisiert. Auch Tack hatte damals Bedenken gegen das Siegel, denn wie soll ein Mineralwasser mehr bio sein als ein anderes? "Eigentlich habe ich erwartet, dass man uns jetzt stärker für das Qualitätssiegel kritisiert", sagt er, "doch stattdessen erfuhren wir Wertschätzung."

Das Dokument des Aufstiegs hat er in einer gelben Sichthülle vor sich liegen: der Vertrag mit dem Institut Fresenius. Es ist ein dicker Stapel Papier. Detailliert sind darin die Kosten jeder einzelnen Analyse aufgeführt. Einen fünfstelligen Betrag kostet der Spaß den Mittelständler im Jahr: von der Probenentnahme in der Quelle bis zur Untersuchung der Flaschen und Verschlüsse, von der Qualitätskontrolle bis zum verdeckten Einkauf im Supermarkt. Das ist viel Geld. Und doch ein Betrag, der sich lohnt. "Wenn man an Fresenius denkt, denkt man an Neutralität und Unabhängigkeit", sagt Tack, "das untermauert unsere Glaubwürdigkeit." Fresenius, das ist für Rhodius der Aufstieg vom Dosenwasser zum Qualitätswasser. Im höherpreisigen Regalsegment hat der Mittelständler langfristig eine Nische. Und den höheren Preis muss er glaubwürdig begründen. Das Mineralwasser mag noch immer dasselbe sein wie das von früher aus der Dose, doch heute kostet es etwa viermal so viel wie das billigste Wasser im Supermarkt. Es ist ein kleines Wunder aus der Eifel. Dass er das geschafft hat, darauf ist Tack stolz.

In der Produktion sausen die leeren PET-Flaschen über die Köpfe hinweg. Die Abfüllung ist nahezu vollständig automatisiert. 20000 Flaschen die Stunde, 350000 Stück am Tag. Unter den Flaschen steht Tack und macht sich Gedanken über den Ernstfall. Er rechnet mit schlechten Nachrichten. Denn Tack ahnt: Die besseren Analysemethoden sind Fluch und Segen zugleich. Mit jeder feineren Methode erfahren die Mineralwasserabfüller, was in winzigen Spuren im Wasser ist. Und die zunehmende Verbreitung von Kunststoffflaschen hat ganz neue Probleme für die Mineralbrunnen geschaffen.

Plötzlich muss sich Tack mit dem Acetaldehyd-Gehalt seiner PET-Flaschen beschäftigen. Auch Hormone aus Medikamenten und Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln verunreinigen immer mehr Mineralquellen. Irgendwann, da ist sich Tack sicher, werden menschengemachte Verunreinigungen auch seine Quelle erreichen. "Ein Nullzustand wird dauerhaft nicht möglich sein, solange es Menschen auf der Erde gibt." Dann will er der Erste sein, der die Werte kennt.

Zurück nach Hamburg-Bergedorf. "Wir sind keine Ernährungsberater", sagt Hörner. Und: "Wir prüfen keine Philosophie, wir prüfen nicht die Gesundheit. Wir zertifizieren Qualität." Es gibt sogar Nahrungsergänzungsmittel, die das Siegel tragen. In jeder Ecke des Labors liegen Bruchstücke, die an bekannte Produkte aus dem Supermarkt erinnern. In einer Reihe mit großen Eimern wird Schokoladencreme verdünnt. Überall wuchern in Petrischalen Lebensmittelproben vor sich hin. Was auf manchem dieser Agar-Nährböden wächst, könnte einen Hersteller warnen. Oder ins Verderben stürzen. Rückrufe habe es bei einem Qualitätssiegelprodukt nicht gegeben, sagt Hörner. Und selbst wenn, würde er es nicht zugeben. Auch wenn man ihn nach seinen letzten alarmierenden Funden fragt, schweigt er. Es ist ein vielsagendes Schweigen. Er lässt seinen Blick dabei durch das Labor schweifen, ob in diesem Moment verräterische Spuren die Frage veranlasst haben. Das Institut Fresenius findet alles.

Doch erfährt das nicht die Presse, sondern der Kunde. -