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Die Geschichte von Barbie

Vom Männertraum zum Vorbild für junge und nicht mehr ganz junge Mädchen - die Geschichte von Barbie.




- Angela Merkel, Sylvie van der Vaart und Liz Mohn haben etwas gemein: Sie alle ließen sich in Barbie-Puppen-Form ehren. Auf die neueste Markenbotschafterin, die mächtige Bertelsmann-Frau Mohn, die ihr leicht idealisiertes Plastik-Ebenbild gerade persönlich bei der Spielwarenmesse in Nürnberg in Empfang nahm, ist Stephan Patrick Tahy, Geschäftsführer des Spielzeugkonzerns Mattel im deutschsprachigen Raum, besonders stolz. "Barbie", so seine Botschaft, stehe für "unbegrenzte Möglichkeiten" und erlaube es, "in jede Rolle zu schlüpfen" - nicht nur in die eines Modepüppchens.

Der 46-Jährige, der unter anderem in der Zigarettenindustrie tätig war, bevor er Karriere bei Mattel machte, plaudert in der Deutschland-Zentrale im hessischen Dreieich gern über Barbie. Die wichtigste Erkenntnis sei gewesen, "dass die Marke viel mehr ist als eine Puppe, nämlich ein Lebensgefühl". Das nach unzähligen Produkten nicht nur für Barbies, sondern auch für ihre kleinen Besitzerinnen schreit: von Schuhen und T-Shirts bis hin zu Schokolade und Fahrrädern, alles meist in Pink gehalten. Die Kunst bestehe darin, aus den zahlreichen Produkten der Konzernzentrale im kalifornischen El Segundo die für seine Region geeigneten auszuwählen. Darin scheint Tahy gut zu sein, er berichtet von zweistelligen Wachstumsraten; Mattel veröffentlicht keine länderspezifischen Zahlen. Auf die Frage, was besonders gut bei Mädchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ankommt, hat er dann eine desillusionierende Antwort für Jungen parat: "Alles, was mit Pferden zu tun hat - die sind viel wichtiger als Ken."

Die Zeiten, in denen die rund 30 Zentimeter große Figur mit den unnatürlichen Idealmaßen umstritten war und fortschrittliche Eltern ihre Töchter mit einem Barbie-Verbot belegten - was das Spielzeug noch begehrlicher machte - scheinen vorbei. Selbst die Frauenzeitschrift "Emma" hat ihren Frieden mit dem All-American Girl gemacht. So bekannte die Schriftstellerin Milena Moser in dem Blatt, sich noch mit 43 eine Barbie gekauft zu haben. Und dass sie sich mit ihr "in andere Dimensionen" spiele. "Gerade weil sie so surreal aussieht, so außerirdisch, ist doch klar."

Das Geschäft mit Barbie läuft seit Generationen - und folgt den schnelllebigen Moden. Kleidchen, Frisuren, Kosmetik, Accessoires - die Stil-Ikone macht's vor, und ihre Fans machen es nach. Manche überidentifizieren sich auch mit ihrem kleinen Vorbild und verwandeln sich mithilfe der plastischen Chirurgie in eine Puppe aus Fleisch und Blut, was Barbie-Syndrom genannt wird.

Kürzer geworden ist die Lebensphase, in der die Puppe an die Mädchen gebracht werden kann. Früher hätten noch Zehnjährige intensiv mit Barbie gespielt, heute sei die Kernzielgruppe sechs, sieben Jahre alt. Daher ist Tahy froh, dass sein Arbeitgeber vor zwei Jahren eine freche Schwestermarke namens Monster High lanciert hat: Girlies in gemäßigtem Grusel-Look, passend zur aktuellen Vampir- und Grufti-Welle. "Wir machen mit der neuen Marke bereits 50 Prozent des Umsatzes von Barbie, und das ohne jeden Kannibalisierungseffekt", jubiliert er. Dass die Monster-Mädchen das Zeug zum Klassiker haben, darf allerdings bezweifelt werden. -

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Die Idee stammt aus der "Bild"-Zeitung. Dort erscheint ab 1952 ein Comic mit einem sexy Dummchen namens Lilli. Sie wird 1955 auch als Herrenspielzeug angeboten und von der amerikanische Unternehmerin Ruth Handler bei einer Europareise entdeckt. Handler kauft die Rechte an Lilli, benennt sie nach ihrer Tochter in Barbie um und bringt die Puppe 1959 zum damals saftigen Preis von drei Dollar auf den Markt. Das Spielzeug schlägt trotzdem sofort ein. Die Plastikfigur wird die Grundlage des Weltkonzerns Mattel und ändert die Gewohnheiten von kleinen Mädchen: Statt sich mithilfe von Babypuppen auf ihr künftiges Dasein als Mutter vorzubereiten, animiert Barbie sie, sich hübsch zu machen, Cocktails zu trinken und zu flirten. 1961 tritt mit Ken Barbies Freund auf den Plan. 2004 trennen sich die beiden - wie bei Prominenten allgemein üblich - unter großer öffentlicher Anteilnahme. Zum Valentinstag 2011 kommen sie mit ebensolchem Bohei wieder zusammen, was selbst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" romantisch stimmt: "Barbies bestes Stück ist zurück." Mattel, Inc. Umsatz im Geschäftsjahr 2011: 4,7 Milliarden Euro; Gewinn: 580 Millionen Euro; Mitarbeiter: rund 28000