Partner von
Partner von

Geldlehrer Deutschland

Ein eigens gegründeter Verein will Schülern Basiswissen über den Umgang mit Geld vermitteln. Dass die ehrenamtlichen Lehrer dabei uneigennützig handeln könnten, nimmt ihnen allerdings kaum jemand ab. Sie sind von Beruf Finanzberater.




- Es ist schon etwas später an diesem Novemberabend, als Grischa Schulz und Andreas Zangl mit der unangenehmen Neuigkeit herausrücken. Die Pasta ist längst aufgegessen, mehr Weißwein ist bestellt, warum die beiden sich ehrenamtlich engagieren, haben sie bereits ausführlich erzählt. Da gibt sich Schulz einen Ruck und sagt: "In Nordrhein-Westfalen sind wir gerade verboten worden, fürchte ich."

Schulz und Zangl haben einen übel beleumundeten Beruf. Sie sind Finanzberater, also Menschen, die anderen erzählen, wie und wo sie ihr Geld investieren sollen, und dafür Provisionen kassieren. In der Öffentlichkeit sind sie ungefähr so beliebt wie Investmentbanker oder Journalisten. Dass diese Leute etwas aus uneigennützigen Beweggründen tun, gilt gemeinhin als unvorstellbar. Doch genau das machen die beiden, darauf bestehen sie.

Vor gut zwei Jahren hat Schulz den gemeinnützigen Verein Geldlehrer e.V. gegründet. Dort engagieren sich Menschen wie der 36-jährige Zangl, die meisten von ihnen Vermögens- und Finanzberater, aber auch andere, die sich selbst für kompetent halten. Erst besuchen sie eine dreitägige Schulung des Vereins, die stattliche 2900 Euro kostet. Danach bieten sie Schulen ehrenamtlichen Geldunterricht an, im Namen des Vereins, empfohlen besonders für neunte und zehnte Klassen, über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten, mindestens 22 Unterrichtsstunden lang - sonst könne Finanzwissen nicht nachhaltig vermittelt werden, sagt Schulz. Die Unterrichtsmaterialien, unter anderem einen Taschenrechner, bekommen die Jugendlichen geschenkt.

Beachtlich, dieser Einsatz von viel Zeit und Geld für die gute Sache. Und die Schulen, die mit dem Verein kooperieren, sind für das Engagement nach eigener Aussage auch durchaus dankbar. Doch Kritiker haben einen bösen Verdacht: Wenn ein Verkäufer von Finanzanlagen 2900 Euro Eintrittsgeld zahlt, um an Schulen über Geld sprechen zu dürfen, dann muss er etwas im Schilde führen. Die Geldlehrer entgegnen darauf: Es gebe keinen doppelten Boden bei ihrer Investition von Zeit und Geld - sie sei schlicht ein Beleg dafür, dass sie tatsächlich helfen wollen.

Es gibt eine Reihe von Argumenten, die dafür sprechen, Externe aus der Privatwirtschaft von Schulen fernzuhalten. Dass sie eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen, ist nie auszuschließen. So muss My Finance Coach - eine Initiative des Versicherungskonzerns Allianz, der Kommunikationsagentur Grey und der Unternehmensberatung McKinsey zur Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung von Jugendlichen - seine Motivation regelmäßig hinterfragen lassen. Verbraucherschützer kritisieren, dass unter anderem Risiken im Zusammenhang mit der privaten Altersvorsorge - etwa Inflation, die das Ersparte auffrisst, oder Falschberatungen - zu kurz kämen. Auch das Projekt Finanzielle Allgemeinbildung, das das "Handelsblatt" mit Unterstützung des Hauptsponsors DVAG Deutsche Vermögensberatung verantwortet hat, sei oberflächlich und einseitig, beklagte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) - besonders dann, wenn es um Provisionen und Ausgabeaufschläge gehe. Die Non-Profit-Organisation Lobbycontrol hat die DVAG deswegen sogar für die Lobbykratie-Medaille nominiert.

Über Einseitigkeit des Unterrichts der Geldlehrer haben sich bislang weder Lehrer noch Eltern noch Schüler beklagt. Dennoch wird der Verein misstrauisch beäugt: Will sich da jemand unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit frühzeitig die Kunden von morgen - und deren Eltern - sichern?

Immerhin: In Bayern droht den Geldlehrern kein Verbot. Und so steht Andreas Zangl am nächsten Morgen vor einer zehnten Klasse der Mittelschule Holderhecke Bergrheinfeld in der Nähe von Schweinfurt. Die Jugendlichen hören aufmerksam zu, obwohl er keine Zensuren gibt. Zangl trägt ein Hemd, auf das er auf eigene Kosten das Logo des Vereins hat einsticken lassen, in Blau und Rot. Tragen dürften das nur ausgebildete Geldlehrer, betont der Erste Vorsitzende Schulz.

Der drahtige Mann vor der Tafel hat eine Textaufgabe für die Klasse vorbereitet. Es geht um Simone und Stefanie, die nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung ihre erste Stelle antreten und nun besser verdienen. Die eine will sich gemeinsam mit ihrem Freund hübsch einrichten und nimmt dafür einen 20 000-Euro-Kredit auf. Die andere lebt auf dem Niveau ihres Ausbildungsgehalts weiter und legt die Differenz zur Seite. Nicht gerade ein Krimi, aber Zangl motiviert die Jugendlichen, die Raten, die Zeiträume und Zinssätze in ihre Taschenrechner einzutippen und die Ergebnisse zu besprechen. Seine Botschaft: Wer früh spart, hat später mehr. Viel mehr. Das macht der Zinseszinseffekt. Da meldet sich das Mädchen aus der letzten Reihe, das bisher vor allem gekichert hat. Sie sehe gar nicht ein, warum sie ihr Geld nicht sofort ausgeben solle, ihretwegen gern auch welches auf Pump. Ob sie sich irgendwann über ein Vermögen freuen könne, sei doch gar nicht gesagt: "Vielleicht sterbe ich ja vorher." Da habe sie recht, so etwas könne man nie wissen, sagt der Geldlehrer Andreas Zangl. Er sieht es offenbar nicht als seine Aufgabe an, sie zum Sparen zu überreden.

Währenddessen sitzt Grischa Schulz in der letzten Reihe und fürchtet immer noch, dass seine Kollegen in Nordrhein-Westfalen nicht mehr vor die Klassen treten dürfen. Er weiß es allerdings nicht genau, er hat nur erfahren, dass eine Hauptschule im Bundesland von der zuständigen Behörde aufgefordert worden ist, die Kooperation mit dem Verein zu beenden. Mehr wird er auch nicht herausfinden in den kommenden Wochen, keiner der Verantwortlichen beantwortet seine Mails oder trifft sich zu einem Gespräch mit ihm.

Der Verein schließt eine Lücke im Fächerkanon

Einmal im Jahr macht Schulz seine Rundreise, besucht alle Geldlehrer in der Republik, so wie heute Zangl. 79 haben die Wochenendschulung inzwischen durchlaufen, 55 davon unterrichten - die anderen haben keine Schule davon überzeugen können, sie vor eine Klasse zu lassen. Schulz ist 42 Jahre alt und Vater von fünf Töchtern. Vom abgebrochenen Abiturienten hat er es über Umwege zum erfolgreichen Selbstständigen geschafft. Er verkauft und berät kaum noch, seinen Lebensunterhalt verdient er mit Verkaufstrainings für andere Finanzberater, längst arbeitet er nicht mehr Vollzeit. Seine Freizeit geht für seinen Verein drauf, vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit. Schulz' Mantra: Heranwachsende sind nicht nur in der Lage, die Informationen aus der Finanzwelt, die seine Geldlehrer vermitteln, zu verarbeiten und umzusetzen - sie benötigen sie auch dringend.

Der Verein schließt eine Lücke, die die allermeisten Schulen offen lassen. In so ausführlicher und praxisorientierter Weise wird finanzielle Kompetenz sonst selten vermittelt, das geben die meisten Pädagogen freimütig zu. Die ehrenamtlichen Geldlehrer müssen einen Verhaltenskodex unterschreiben. Wichtigster Punkt: Wer Produkt- oder Unternehmenswerbung im Geldunterricht betreibt, der fliegt. Dass ihr Engagement mehr sein könnte als geschicktes Selbstmarketing gelernter Verkäufer, ist allerdings für viele Menschen trotzdem kaum vorstellbar.

Als Zangl zum ersten Mal von dem Verein hörte, griff er zum Telefon und rief Schulz an: 2900 Euro solle er dafür bezahlen, dass er sich hinterher ehrenamtlich betätigen dürfe? Höchst unseriös sei ihm das erschienen. Doch Schulz rechnete Zangl vor: Knapp die Hälfte des Geldes werde für die Unterrichtsmaterialien fällig, also für Taschenrechner plus Buch plus Arbeitsheft für je 25 Schüler, knapp 50 Euro pro Kind. 349 Euro berechne der Verein für die Skripte, Unterrichtsleitfäden und Arbeitsmaterialien für die Lehrer. 360 Euro fallen für Backoffice, Visitenkarten, Briefpapier und Internetauftritt an. Und knapp 700 Euro schließlich kostet den angehenden Geldlehrer seine dreitägige Schulung. Und auf alles kommen noch mal sieben Prozent Mehrwertsteuer. Ganz schön happig sei das, befand Zangl trotzdem. Erst Schulz' Argument, dass der Verein auf diese Weise auch jene Finanzdienstleister abschrecke, die im Klassenzimmer nur einen neuen ertragreichen Absatzkanal sähen, verfing bei ihm.

Der Wunsch, einmal öffentliche Anerkennung für das zu bekommen, was man tut, ist in der Berufsgruppe der Finanzberater vermutlich größer als anderswo, zumindest bei einigen ihrer Vertreter. Der Geldlehrer-Verein, den der Verkäufer Schulz erfunden hat, soll genau das ermöglichen: Er soll mithilfe von Kodex, Unterrichtsmaterial und -leitfäden das weitverbreitete Misstrauen abbauen. Er soll den ehrenamtlichen Lehrern helfen, gegen das Bild von vertriebsversessenen, bauernschlauen Drückern anzukämpfen. Der Verein steht dafür, dass es seine Mitglieder tatsächlich gut meinen. Um bei der guten Sache dabei zu sein, sind die Geldlehrer bereit, eine stattliche Summe zu investieren.

Für ihn habe sich das gelohnt, sagt Andreas Zangl. Er erzählt, wie gut es ihm getan habe, als ihn Schüler im vergangenen Jahr nach ihrer Abschlussfeier aus dem Bett klingelten und zur Pizza einluden.

"Wenn ich mich im Sportverein beim Kinderturnen engagiere, fragt mich keiner, was ich davon habe und wie ich diese Kontakte nutzen will", sagt der Familienvater Zangl, der früher Deutscher Vizemeister im Kunstturnen war. "Wenn ich mich aber ehrenamtlich in einem Bereich engagiere, in dem ich von Berufs wegen kompetent bin, und versuche, etwas gegen die finanzielle Unmündigkeit von Jugendlichen zu tun, über die so viele klagen, muss ich mich fragen lassen, was ich mir davon verspreche."

Gabriela Kreter leuchtet das sofort ein. Sie hat das Engagement der Geldlehrer so erlebt, wie die es darstellen: als freiwillig, uneigennützig und nützlich für die Schüler. Kreter ist der Nähe zur Finanzbranche völlig unverdächtig, sie ist Rektorin der Karlschule im nordrhein-westfälischen Hamm. Um die 300 Schüler besuchen die Hauptschule, sie gehören 30 verschiedenen Nationen an, sprechen ebenso viele verschiedene Sprachen. Die Karlschule ist die einzige Schule in der Gegend, in der man im Alter zwischen zehn und 16 Deutsch lernen kann.

Arno Schimanski ist Versicherungskaufmann und Bezirksdirektor der Volksfürsorge-Niederlassung in Bergkamen, einer Nachbarstadt von Hamm. Eine Schülerin der Karlschule machte bei ihm ein Praktikum, ihr Betreuungslehrer besuchte sie währenddessen, unterhielt sich mit Schimanski, fand ihn sympathisch und kompetent - so kam der Kooperationsvertrag zwischen der Karlschule und dem Geldlehrer-Verein zustande. Außergewöhnlich sei eine solche Zusammenarbeit nicht: Um die 30 außerschulische Partner habe die Schule, sagt Kreter.

Im Herbst wurde sie aufgefordert, diese Kooperation zu beenden.

Wo beginnt eigentlich Indoktrination?

Schimanski, der Geldlehrer, hat nie allein vor der Klasse gestanden, er wurde stets von jenem Lehrer begleitet, der normalerweise den Berufsorientierungsunterricht hält. Von dem bekam die Rektorin die Rückmeldung, der Unterricht sei ausgezeichnet. Außerschulische Partner seien ja oft didaktisch nicht so doll, aber Schimanski sei begeistert von seiner Materie. "Der ist in der Lage, anspruchsvolle Inhalte so weit runterzubrechen, das hätte sogar ich verstanden", sagt die Rektorin. So habe Schimanski die Schüler zum Beispiel "spinnen lassen, was sie sich mal leisten können wollen und wie sie das zusammensparen könnten. Oder er hat sie ihre eigene Riester-Rente ausrechnen lassen", sagt Gabriela Kreter. "Wenn das nicht schülerorientiert ist, dann weiß ich auch nicht."

Heute wissen die Geldlehrer: Das befürchtete NRW-Verbot beschränkte sich auf die Karlschule, und selbst da entpuppte es sich, nach einigem Hin und Her, nur als Empfehlung. Persönlich gesagt hat ihnen das niemand, und nie hat jemand ihnen gegenüber eine konkrete Kritik formuliert.

Fragt man beim Bildungsministerium in NRW nach, erhält man die Auskunft, das Ministerium sei durch einen kritischen Artikel auf die Geldlehrer aufmerksam geworden. Daraufhin wurden die zuständigen Bezirksregierungen gebeten, bei den Schulen deswegen nachzuhaken. Im Anschluss habe man die Bezirksregierungen aufgefordert, noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Zusammenarbeit zwar zulässig sei, dass dabei aber keinerlei wirtschaftlichen Interessen verfolgt werden dürften und der Beutelsbacher Konsens beachtet werden müsse. Der ist immer dann entscheidend, wenn es um politische Bildung an Schulen geht. Seit 1976 legt er fest, dass im Klassenzimmer "Indoktrinationsverbot, Kontroversitätsgebot und Schülerorientierung" herrschen müssen. Die Beachtung des Beutelsbacher Konsenses war das Erste, das Gabriela Kreter betonte, als sie die Arbeit von Arno Schimanski charakterisierte. Zudem, so das Ministerium, müsse während des externen Geldunterrichts immer ein Lehrer anwesend sein. In letzter Instanz liege die Entscheidung aber bei den Schulen.

Der verantwortliche Behördenmitarbeiter bei der Bezirksregierung Arnsberg steht für ein Gespräch nicht zur Verfügung. Nach mehrtägiger Recherche im eigenen Haus informiert der Pressesprecher darüber, dass die Rektorin gebeten worden sei, von der Inanspruchnahme dieses Angebots abzusehen, weil der Umfang von 40 Unterrichtsstunden die Befürchtung aufkommen lasse, dass da eine massive Einflussnahme vorliegen könne. Das Thema Geld sei zweifelsohne wichtig, dürfe aber nicht auf diese Weise vermittelt werden. Inhaltlich sei am Unterricht aber nichts zu beanstanden gewesen. Und verboten worden sei der Karlschule damals gar nichts, es habe sich allenfalls um eine Bitte, eine freundliche Aufforderung gehandelt.

Beim vzbv ist die Kritik an den Geldlehrern schon konkreter, obwohl auch die Verbraucherschützer sich den Unterricht nie angeschaut oder mit beteiligten Lehrkräften gesprochen haben. Die Materialien habe sie mal überflogen, sagt Tatjana Bielke, die für den Materialkompass Verbraucherbildung zuständig ist. Inhaltlich habe sie zwar nicht viel zu beanstanden. Aber ob dadurch tatsächlich Finanzkompetenz erworben werden könne, bezweifelt sie. Vor allem jedoch findet sie es grundsätzlich fragwürdig, dass Finanzdienstleister, die ein mehrtägiges Seminar besucht haben, Unterricht an Schulen gestalten. Und Bielke befürchtet, dass die Visitenkarten der Geldlehrer auf den Schreibtischen der Eltern landen. Auch "Hausaufgaben" wie diejenigen, von denen der Geldlehrer-Initiator Grischa Schulz ihr persönlich berichtet habe, bei denen die Schüler ihre Eltern nach dem Rentenbescheid fragen und mit ihnen deren Ruhestandsversorgung durchsprechen sollten, könnten dazu führen, dass die Telefonnummern auf den Visitenkarten gewählt würden, sagt die Verbraucherschützerin. Und schließlich: Der Geldunterricht sei zwar gratis, aber die Schulen müssten im Gegenzug für mindestens zwei Artikel in der Lokalzeitung sorgen. Stimmt, sagt Andreas Schulz, aber was spreche gegen Marketing für die Geldlehrer und Schulen?

Die Verbraucherschützerin Tatjana Bielke plädiert dafür, dass die Lehrkräfte an den Schulen besser ausgebildet werden, das sei der "einzige seriöse und gangbare Weg", die Lehrerfortbildung müsse gestärkt, die Lehrpläne angepasst werden.

Da hat sie recht. Aber so weit ist es noch nicht. Und bis dahin?

Vorträge von Externen sind inzwischen die Regel

Peter Friedrich ist Rektor der Mittelschule Holderhecke Bergrheinfeld, an der Andreas Zangl seinen Unterricht abhält und die auch Zangls älteste Tochter besucht. Friedrich strahlt Selbstbewusstsein aus, während er durch das Schulgebäude geht. Aus der Elternschaft habe er bisher keine Kritik am Geldunterricht gehört. Am Vortag habe Zangl sein Konzept in der Lehrerkonferenz vorgestellt. Insgesamt sei es gut angekommen, nur zwei Kollegen sähen es skeptisch. Allerdings gehe es den beiden Mathematiklehrern dabei um die Benutzung des speziellen Taschenrechners, der die Erfindung eines semiprominenten Finanzgurus sei. Um zu einem korrekten Ergebnis zu kommen, reiche es, Raten, Zins, Jahre und Ertrag über die entsprechenden Tasten einzugeben. Der Vorwurf der Kollegen, so Friedrich: Die Schüler wüssten nicht, was sie täten, sie verließen sich blind auf das Gerät. Aber, sagt der Rektor, das "ist aus meiner Sicht in vielen anderen Bereichen doch genauso". Und auch im normalen Mathematikunterricht vermittele man schließlich die Annuitäten- und Zinseszinsrechnung.

An der Mittelschule Holderhecke Bergrheinfeld ist die Zusammenarbeit mit externen Partnern die Regel, wie an vielen anderen Schulen auch. So lädt der örtliche Gewerbeverein nicht nur regelmäßig die Eltern zu Infoabenden ein, sondern stellt den Schülern auch Berufe vor, letzlich, um sie dafür anzuwerben. Ein Mitarbeiter der Volks- und Raiffeisenbank referiert vor den Schülern über "Die Geschichte des Geldes", die AOK übt mit ihnen Vorstellungsgespräche. Die Eltern würden das begrüßen, und bisher habe er von dieser Seite auch keine Kritik am Geldunterricht gehört, sagt Peter Friedrich. Außerdem: "Wir sind überzeugt, dass unsere Schüler Informationen von Externen einordnen können."

Kann er Rektorenkollegen verstehen, die sagen, so was wie die Geldlehrer komme ihnen nicht ins Haus? "Ich würde es mir immer zumindest anhören", sagt Friedrich. "Wenn jemand so etwas von vornherein ablehnt, das begreife ich nicht." -