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Eine Jungunternehmerin hat einen Import-Service besonderer Art gegründet: Er macht Auslands-Reisende zu Einkaufsboten.




- Sucht man in deutschen Supermärkten nach Spezialitäten wie den australischen Schokokeksen Tim Tam, dem britischen Brotaufstrich Marmite oder anderen ausländischen Produkten, so tut man das oft vergeblich. Diese online zu kaufen ist teuer oder unmöglich. Eine viel einfachere Variante kennt Jennifer Schietzel: "Wenn es die Sachen hier nicht gibt, dann muss sie eben jemand mitbringen."

Ihr Unternehmen Box-In-The-Bag macht Reisende zu Boten. Auf der Firmen-Website können sich Menschen ein ausländisches Produkt bestellen und Reisende ihre Ziele nennen. Finden sich zwei Partner, handeln sie aus, welches Entgelt der Reisende für den Botendienst erhält. Nach der Reise trifft das Mitbringsel dann per Post beim Besteller ein oder wird persönlich überbracht.

Fast jeder habe im Ausland schon mal etwas für sich entdeckt, das es hierzulande nicht gebe, sagt die 27-jährige Betriebswirtin. Um es zu bekommen, seien die Nutzer bereit, etwas mehr zu bezahlen. Manche Waren wie etwa Markenjeans oder elektronische Produkte sind im Ausland oftmals viel billiger als in Deutschland, sodass sich der Service für die Besteller bisweilen auch finanziell lohnt.

Seitdem die Plattform vor einem halben Jahr online gegangen ist, haben sich rund 5000 Menschen angemeldet, derzeit werden 280 Mitbringsel gewünscht. Bei jedem erfolgten Deal fließen zehn Prozent des Preises als Provision an Box-In-The-Bag. Da die meisten Souvenirs recht günstig sind, müssen möglichst viele Menschen mitmachen. "Wir möchten zehnmal so viele Nutzer erreichen wie jetzt", sagt Schietzel. Gezielt wirbt sie nun in der Modeszene sowie bei Elektronikfans und sucht nach Investoren.

Seit zwei Jahren arbeitet sie am Aufbau ihres Unternehmens. Die Idee dazu kam ihr bereits während des Studiums. "Angefangen hat es mit einem Shampoo, das ich aus den USA mitgebracht hatte", sagt sie. Als die Flasche leer war, suchte sie nach jemandem, der ihr Nachschub liefern könnte. Zuerst fragte sie Freunde, dann durchforstete sie vergeblich das Internet.

Dass es so etwas wie ihr Unternehmen damals nicht gab, wunderte die Studentin, und sie beschloss, ihre Abschlussarbeit über diese bis dahin unbekannte Dienstleistung zu schreiben. Sie betrieb Feldforschung und befragte mehrere Hundert Menschen, überlegte, wie so ein Geschäftsmodell funktionieren könnte. Nach dem Studium musste sie sich entscheiden: Sollte sie ihren Entwurf in der Schublade vergraben oder in die Tat umsetzen? Schietzel hatte ursprünglich ganz andere Pläne gehabt. Ihr duales Studium hätte sie beinahe Bezirksleiterin bei einem großen Discounter werden lassen.

Unterstützung bekam sie vom Gründerbüro der Hochschule Wismar. Berater Hartmut Domröse begleitet seit knapp 20 Jahren junge Unternehmen und schlug die Wismarerin für das Bundesstipendium Exist vor. "Das Geschäftsmodell ist wissenschaftlich gut ausgearbeitet", sagt er. Schietzel bekam für ihre Idee sowohl das Exist-Stipendium als auch das Gründerstipendium des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Die Förderung eröffnete ihr neue Möglichkeiten: Sie suchte sich ein vierköpfiges Entwicklerteam, und mit dem Zuschuss, insgesamt 70000 Euro, kauften die Jungunternehmer die nötige Technik.

Im vergangenen Jahr haben sie ein Büro am Wismarer Hafen bezogen. Hier basteln die Gründer täglich weiter an ihrer Internetseite. Alles muss reibungslos funktionieren, sonst verlieren die Interessenten die Lust. Auch Aufklärung ist wichtig, vor allem bei Zollfragen. "Viele glauben, es sei illegal, Sachen aus dem Ausland mitzubringen", sagt Schietzel. "Aber das stimmt nicht." Generell gibt es für Reisemitbringsel einen Freibetrag bis zu einem Wert von 430 Euro.

Sicherheitshalber beauftragten die Gründer die Rechtsanwältin Simone Bötcher aus Hamburg, um die Zollfrage zu prüfen. "Selbst wenn der Reisende Geld bekommt, wird er nicht automatisch gleich zollpflichtig", sagt sie. Anders sei das, wenn jemand nur ins Ausland fahre, um dort billiger einzukaufen. Um Problemen vorzubeugen, empfehlen die Gründer daher auf ihrer Homepage, die Waren den Grenzbeamten vorzulegen. Schlechte Publicity wegen Zollproblemen kann sich das Team nicht erlauben.

Mit ihrer Idee haben es die Wismarer bereits bis in die USA geschafft: Im Herbst 2011 durften sie sich als erstes deutsches Start-up auf der weltgrößten Internetmesse Web 2.0 Expo in New York präsentieren. Bis Ende Mai werden sie noch vom Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert und bekommen monatlich jeweils 1000 Euro für ihren Lebensunterhalt. Auf Antrag kann das Stipendium um weitere neun Monate verlängert werden, spätestens dann müssen sie aber auf eigenen Beinen stehen. Schietzel ist zuversichtlich, dass das klappt. "Bis Ende des Jahres wollen wir schwarze Zahlen schreiben." -

Kontakt: Box-In-The-Bag GmbH, Alter Holzhafen 17b, 23966 Wismar, www.bringwasmit.de