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PutzKULT

Vogelkot auf Autolack, Malzbierflecken auf Wildleder, Wachsreste auf Birkenfurnier: Bei Putzkult kümmert man sich um jeden Dreck. Den Gründern des Kirchheimer Unternehmens hilft das nicht nur, Reinigungsmittel zu verkaufen, sondern auch ihr eigentliches Geschäft zu verbessern.




• Putzen ist eine jener Beschäftigungen, die so unvermeidlich wie unbeliebt sind. Wenn sich das jemals ändern sollte, dann ist das möglicherweise auch Cornelia Frey aus Kirchheim unter Teck mit zu verdanken. Als sie vor einiger Zeit eine neue Wohnung bezog, fielen ihr prompt die dreckigen Fenster auf. Mehr Fenster, als zwei Hände putzen können. Also lud Frey drei Freundinnen zur "Putzparty" mit Schwamm, Sekt und Schnittchen. Dabei stellte sie fest, dass jede anders zu Werke ging: Die Monika mit Spiritus und Papier, die Charlotte mit einem Spezialwischer und -reiniger und die Uli mit einem guten, alten Fensterleder.

Das brachte Frey und ihre Kollegen Christian Roether und Bernd Kohnle von der Kirchheimer Werbeagentur Bzweic auf eine Idee. Sie gründeten die Firma Putzkult: ein Online-Shop für Putzbedarf inklusive kleiner Wikipedia für Putzfragen samt Mini-Facebook für Putzfreunde. Dort soll all das Wissen gespeichert und verbreitet werden, das Generationen über das Schrubben und Scheuern gesammelt haben. Der Community kann beitreten, wer sich über seine Probleme mit anderen austauschen möchte – weil er etwa wissen möchte, wie man Vogelkot vom Autolack entfernt (nasse Zeitungen), Malzbierflecken auf Wildlederschuhen beseitigt (lauwarme Kochsalzlösung) und Wachsflecken von Möbeln wegkriegt (Föhnmethode). Und schließlich verkauft Putzkult ökologisch korrekte Reinigungsmittel für alle möglichen Anwendungen – Entkalker, Fleckenlöser, Abflussperlen und, und, und.

"Hätte mir jemand vor ein paar Jahren gesagt, ich würde mal einen Online-Shop für Putzmittel aufmachen, hätte ich den für verrückt erklärt", sagt Bernd Kohnle. Mit der Agentur und ihren acht Mitarbeitern konzipieren und entwickeln er, Roether und Frey seit zwölf Jahren Werbung, Prospekte und Online-Shops für Versandhändler.

Doch genau deswegen ist das neue Unternehmen für das Trio nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle, sondern auch und vor allem ein lohnendes Experiment: Sie lernen, wie der Versandhandel funktioniert, und können ihren Kunden in Zukunft bessere Lösungen anbieten, denn Putzkult verbindet Shop, Community und Wissensdatenbank. Tatsächlich haben sich bereits ein Händler von Backartikeln und ein Versender von Kosmetika gemeldet, weil sie ähnliche Plattformen für ihre Produkte in Auftrag geben wollen. "Wir haben mit Putzkult ein Spielfeld geschaffen, wo wir sehen, was geht und was Lochkäs' ist", sagt Kohnle.

Möglich war das allerdings nur, weil die drei Werber seit Jahren für Ernst Schütz arbeiten. Sein Geschäft sind Haushaltswaren, Mode und Kosmetika. Er ist Chef der Triaz Group, eines unkonventionellen Versandhändlers, zu dem unter anderem die Marken Waschbär und Vivanda gehören und der mit seinen rund 280 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 60 Millionen Euro jährlich erzielt. Unkonventionell, weil der Mittelständler seit Jahrzehnten auf Öko-Produkte setzt, seit 2004 jedes Jahr 20 Prozent des Vorsteuergewinns an die Mitarbeiter ausschüttet und an alle Zuschläge zahlt, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. Das klingt wie ein Gegenentwurf zum Versandhändler Amazon, der jüngst wegen schlechter Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen geriet.

"Früher galt man als exklusiver Spinner, wenn man auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit gesetzt hat", sagt Schütz, der seine Laufbahn vor vier Jahrzehnten als Bio-Landwirt begonnen hat, "inzwischen ist das Thema in der breiten Masse angekommen."

Er konzentriert sich nicht nur auf umweltfreundliche Produkte, er weiß auch, wie Versandhandel funktioniert. Er hat Waschbär 2001 aus der Insolvenz heraus übernommen und anschließend saniert, ohne einen Arbeitsplatz abzubauen. Im Jahr 2007 kaufte er es den Alt-Eigentümern ab. Im Jahr 2010 erwirtschaftete die Gruppe bereits 6,5 Millionen Euro Gewinn vor Steuern. Umsatz und Gewinn wachsen seitdem kontinuierlich. Das Unternehmen versendet rund 800000 Kataloge pro Jahr an seine Kunden.

Diese Kataloge lässt Schütz seit Jahren von Bzweic gestalten und kennt die Putzkult-Gründer deswegen gut. Aber dass die drei selbst zu Händlern werden würden, hatte er nicht erwartet, als sie im Jahr 2011 vorstellig wurden. Im Konzept der drei Werber spielt Schütz' Firma Triaz eine wichtige Rolle: Kohnle, Frey und Roether kümmern sich um das Marketing und den Aufbau der Online-Plattform und der Putzkult-Fangemeinde, die Putzmittel kaufen sie dann bei Triaz ein, das Logistik und Versand übernimmt und Retouren abwickelt. Wer bei Putzkult in Kirchheim einen Backofenreiniger oder ein WC-Kraftgel bestellt, dem wird es von Triaz aus Freiburg geliefert.

"Super oberklasse" habe ihm die Idee gefallen, sagt Schütz. Ohne lange zu überlegen, beteiligte er sich als vierter Gesellschafter an Putzkult – auch um seinen Mitarbeitern etwas Neues zuzumuten. "Damit ein Unternehmen ordentlich läuft, braucht es zwar feste Strukturen und Prozesse, aber es darf auch nicht verkrusten", sagt er, "und das kann ich mit Putzkult verhindern."

Das Schöne an diesem Geschäft: Der Kampf gegen den Schmutz hört nie auf

Putzkult ist für den Unternehmer zwar bislang nur ein kleines Zusatzgeschäft, für das er in seinem riesigen Lager ein paar Regale freigeräumt hat. Aber auch für ihn ist es ein lohnendes Experiment: Er kann herausfinden, wie sich Produkte mithilfe einer Community und einer Wissensdatenbank in bestimmten Zielgruppen besser vermarkten lassen als nur über Kataloge. Waschbär etwa hat eher ältere Kunden und einen hohen Frauenanteil – bei Putzkult sind die Kunden jünger, und es sind mehr Männer darunter.

Außerdem kann die Gemeinschaft helfen, neue Produkte zu entdecken und zu testen. Wenn das ansteht, bekommen die drei Werber Besuch von Heidi Ritter, bei Triaz für die Marke Waschbär zuständig. Beim jüngsten Treffen stellte sie drei Ampullen mit einer rosafarbenen Flüssigkeit vor: ein Felgenreiniger, ein Polsterreiniger und ein Cockpitreiniger, alle auf Rote-Bete-Basis. Die Community hatte sich die speziellen Autoreiniger gewünscht.

Sowohl für Triaz als auch für die Agentur hat sich Putzkult damit schon gelohnt, auch wenn die rund 50000 Euro noch nicht wieder eingespielt sind, die der Aufbau der Plattform gekostet hat. Und das kann ja noch kommen: Seit dem Start im November 2011 haben sich 2500 Mitglieder angemeldet und helfen sich gegenseitig. Die Tipps wiederum locken neue Nutzer und damit potenzielle Kunden an, ohne dass viel Geld für Werbung ausgegeben werden muss. Rund 30 Bestellungen gehen bei den Gründern inzwischen täglich ein. "Das füllt zwar noch keinen Kühlschrank, aber ich finde, wir sind recht flott unterwegs", sagt Kohnle, "und ich bin eigentlich ungeduldig ohne Gnade."

Für 2013 peilt Kohnle einen Umsatz von 120000 Euro an – genug, um die Plattform weiterzuentwickeln und eine feste Mitarbeiterin zu bezahlen. Demnächst wollen die Gründer Reinigungsmittel für Campingwagen und Yachten ins Sortiment aufnehmen. Auch die Putzpartys, die Cornelia Frey inzwischen regelmäßig mit ihren Freundinnen feiert, sollen sich dank Putzkult verbreiten – Einladungskarten gibt es in dem Shop genauso wie ein Starterset für Putzanfänger. ---