Partner von
Partner von

Fraport

Der Betrieb eines Flughafens ist trotz aller Proteste von Umweltschützern, Streiks und Probleme mit den Naturgewalten ein einträgliches Geschäft. Das zeigt das Beispiel Fraport. Allerdings verdienen die Frankfurter nur noch einen Bruchteil ihres Geldes mit der Fliegerei.




Auf den ersten Blick wirkt die Fraport AG, die den Frankfurter Flughafen betreibt, nicht gerade aufregend. Langsam wächst der Umsatz – in den vergangenen acht Jahren im Schnitt um gut drei Prozent, in den ersten drei Quartalen 2012 lag das Plus bei 3,5 Prozent. Wer sich aber die Höhe und vor allem die Zusammensetzung des Gewinns genauer ansieht, kommt zu einem ganz anderen Schluss: Das Unternehmen hat sich so gut wie neu erfunden. Das Konzernergebnis als Anteil an den Umsatzerlösen – die sogenannte Nettomarge – hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt, von 6,5 auf 14 Prozent. Die unter Investoren viel beachtete EBITDA-Marge, also der Gewinn vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern als Anteil vom Umsatz, liegt aktuell bei 36,8 Prozent und damit auf dem gleichen Niveau wie die von Apple.

Das Erstaunlichste aber: Fraport verdient sein Geld kaum noch mit dem Flugbetrieb. 77 Prozent des Betriebsergebnisses (EBIT, Gewinn vor Zinsen und Steuern) stammen aus den Geschäftsfeldern Retail & Real Estate und External Activities & Services. Hinter Ersterem verbirgt sich die Vermietung der Terminal- Flächen an Läden und Restaurants. External Activities bezeichnet die Beteiligung an schnell wachsenden internationalen Flughäfen, etwa im türkischen Antalya oder in Lima in Peru. Retail & Real Estate verbuchte zuletzt zwar einen leichten Umsatzrückgang von 1,8 Prozent wegen geringerer Verkaufserlöse aus dem Immobilien-Geschäft. Darunter fällt die Entwicklung, Verpachtung und Verwertung firmeneigener Grundstücke rund um den Flughafen. Die EBITDA-Marge liegt aber nach wie vor fast unverschämt hoch bei 75,7 Prozent.

Zwei Trends beflügeln das Geschäft: Passagiere geben am Flughafen immer mehr Geld aus, und die Immobilien (versteckt in der Position Sachanlagen) in der Umgebung gewinnen stetig an Attraktivität. Immer mehr Firmen wollen mit ihren Lagern oder sogar Zentralen in die Nähe des größten Frachtflughafens Europas ziehen, etwa der Wirtschaftsprüfer KPMG, die Spedition Schenker oder der Flughafenshop-Betreiber Gebrüder Heinemann.

Beim Ground Handling hingegen, der Abfertigung des Flughafenverkehrs am Boden, vom Bustransfer bis zum Gepäck- und Frachttransport, ist die Profitabilität mit einer EBITDA-Marge von 8,7 Prozent geringer. Zudem sank der Umsatz, weil das Frachtvolumen sich konjunkturbedingt verringerte. Andere Flughäfen, Zürich etwa, lagern dieses hart umkämpfte Geschäft mit häufig geringen Gebühren aus. Fraport hingegen beschäftigt gut 8800 Mitarbeiter – mit einem strategischen Hintergedanken. Frankfurt ist der größte und – mit einer sogenannten Minimum-Connecting-Time von 45 Minuten – effizienteste Umsteigeflughafen der Welt. Dieses Niveau können die Hessen nur halten, weil sie das meiste in Eigenregie machen.

Die Flughafenentgelte der Passagiere, etwa für die Sicherheitskontrollen, landen ebenso wie die Zahlungen der Airlines für Starts und Landungen im Segment Aviation. In dieses Geschäft wird am meisten investiert. Da Frankfurt sich etwa jüngst mit einer neuen Landebahn und neuem Terminal für mehr Wachstum rüstete – es können jetzt stündlich 126 Starts und Landungen abgewickelt werden, in Heathrow sind es maximal 80 – fallen dort die höchsten Abschreibungen an. Der Betriebsgewinn ging deswegen zurück. Als Ausgleich hebt Fraport bis 2015 die Entgelte um jährlich rund drei Prozent an.

Die Mischkalkulation geht auf: Fraport hat trotz der hohen Investitionen in seine Infrastruktur und der damit einhergehenden Verschuldung eine Eigenkapitalquote von gut 30 Prozent und einen hohen Zufluss an Barmitteln. Der Cash Flow deckt 80 Prozent der Investitionen ab und erlaubt die Zahlung einer seit Jahren stabilen Dividende von knapp 115 Millionen Euro, unter anderem an den klammen Hauptaktionär: das Land Hessen. ---
Die Fraport AG, seit 2001 börsennotiert, aber nach wie vor zu rund 51 Prozent in öffentlichem Besitz, beschäftigt 19900 Mitarbeiter. Hinzu kommen gut 55000 Beschäftigte bei rund 500 weiteren Firmen auf dem Gelände, was den Flughafen zur größten Arbeitsstätte Deutschlands macht. 300 Flugziele in mehr als 100 Ländern lassen sich von Frankfurt aus erreichen, mehr bietet kein Airport weltweit. 58 Millionen Passagiere zählt man jährlich. Der jüngsten internationalen Statistik zufolge ist Fraport der achtgrößte Flughafen der Welt.