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Grill-Hersteller Weber-Stephen

Der amerikanische Grill-Hersteller Weber-Stephen hat deutsche Männer von ihrer Lieblingsbeschäftigung abgebracht: Fleisch über offenem Feuer in Holzkohle zu verwandeln.




• Hans-Jürgen Herr ist gerade dabei, seine Zelte in der Deutschland-Zentrale von Weber-Stephen im rheinischen Ingelheim abzubrechen. Der Verantwortungsbereich des 50-Jährigen wurde auf ganz Europa, Afrika sowie den Nahen Osten ausgedehnt, bald bezieht er ein neues Quartier in Berlin. Mit der Beförderung wird Herr dafür belohnt, dass er die Marke hierzulande zum Erfolg geführt hat. Als der geborene Badener 2004 den Job des Geschäftsführers übernahm, sei die Bundesrepublik ein "Grillentwicklungsland" gewesen, sagt er. Und meint damit die verbreitete Sitte, Nackensteaks, Würstchen und Schweinebauch so lange auf dem heißen Rost liegen zu lassen, bis sie trocken und hart waren.

Das von dem Unternehmen einst erfundene Barbecue-Equipment mit der charakteristischen Kugelform erlaubt indirektes Grillen, also Fleisch scharf anzubraten und dann bei geschlossenem Deckel und niedriger Temperatur fertig zu garen. Diese von der "Financial Times Deutschland" einmal poetisch "Grilling me softly" betitelte Methode propagieren Herr und seine Kollegen sehr geschickt. So führten sie bundesweit "Grillakademien" ein, wo man (und auch die eine oder andere Frau) in schönem Ambiente lernen kann, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Gemüse, Pizza und sogar Kuchen auf dem Rost zuzubereiten. Rund 40.000 Grill-Azubis durchlaufen mittlerweile jährlich das Programm. Auch die entsprechenden Lehrmittel hat man im Angebot: "Weber's Grillbibel", ein T-Bone-Steak-dickes, 320-seitiges Konvolut ist mittlerweile in der 20. Auflage erschienen und eines der meistverkauften Sachbücher überhaupt.

Auf diese Weise hat Hans-Jürgen Herr Frischluft-Fans auf den Gourmet-Trip gebracht. In mancherlei Hinsicht erinnert die US-Marke Weber verblüffend an Harley-Davidson: Beide richten sich an solvente Männer, die bereit sind, für Technik tief in die Tasche zu greifen. So kostet der klassische Kugel-Grill (One-Touch Original) rund 190 Euro. Ähnlich wie der Motorradbauer macht auch der Grill-Hersteller einen erheblichen Anteil seines Umsatzes (rund ein Drittel) mit Zubehör: von der Grillschürze über den Geflügelhalter und die Hamburger-Presse bis hin zur Holzkohle aus südamerikanischem Quebracho-Holz. Und weil Männer sich ihr Spielzeug gern gegenseitig vorführen, machen sie Gratis-Reklame für die Firma.

Um das Gemeinschaftsgefühl seiner Kunden zu stärken, gibt Weber zudem ein Magazin für "Grillkultur, Genuss & Lebensart" heraus. Dort wimmelt es von hippen Leuten, die unheimlich viel Spaß beim Barbecue haben. Auch der Markenbotschafter Johann Lafer tritt dort auf – anders als aus dem Fernsehen gewohnt ohne Schürze und sein Dauerlächeln.

Der selbstbewusste Herr Herr schreibt sich neben dem Trend zum verfeinerten Grillen übrigens noch einen weiteren auf die Fahnen: die Ausweitung der Saison. Die dauere mittlerweile "von März bis September – und echte Barbecue-Fans machen überhaupt keine Pause, sondern grillen durch". ---

Die Legende geht so: George Stephen, Schweißer bei Weber Brothers in Chicago – einer Firma, die Bojen herstellt –, ärgert sich über seinen aus Ziegelstein gemauerten Grill. Erstens kann er den bei schlechtem Wetter nicht nutzen. Zweitens ist die ungleichmäßig auf dem Rost verteilte Hitze nicht optimal fürs Barbecue. 1951 kommt Stephen auf die Idee, eine Boje in zwei Hälften zu teilen, den unteren Teil mit drei Beinen zu versehen und den oberen als Deckel zu verwenden. Der Kugelgrill wird zur Basis der Familienfirma, die damit den Weltmarkt erobert. Sie ist mittlerweile in 30 Ländern aktiv, betont aber ihre Herkunft. So müsse, erzählt Herr, jedes Produkt den "Edna-Schlosser-Elchtest" bestehen. Edna Schlosser sei eine altgediente Mitarbeiterin, ohne deren Zustimmung kein Grill die Fabrik verlasse. Diese Regel könnte aufgeweicht werden, wenn man sich entschließen sollte, in dem für das Unternehmen immer wichtiger werdenden Europa zu produzieren. Dort, in Afrika und im Nahen Osten soll der Geschäftsführer Herr für weiteres Wachstum sorgen, und er ist auch optimistisch, dass das klappt, denn: "Es gibt kein Land, in dem nicht gegrillt wird." Weber-Stephen Products LLC
Mitarbeiter: 2000
davon in Deutschland: 100
Umsatz weltweit: knapp eine Milliarde Dollar