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Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac

- An dem Tag, an dem George W. Bush klar wird, dass nichts mehr zu retten ist, spricht er frei von der Leber weg. Es gehe jetzt darum, Fannie Mae und Freddie Mac "den Arsch zu retten", so der US-Präsident. Als 2008 der amerikanische Immobilienmarkt implodiert, haben die beiden Hypothekenbanken 1,7 Billionen US-Dollar an Darlehen in ihren Büchern, viele darunter von minderer Güte. Und Bush sitzt in der Klemme - er muss die beiden Institute retten. Zentralbanken aus aller Welt haben Schuldscheine von Fannie Mae und Freddie Mac gekauft, schließlich bürgt die amerikanische Regierung für verbriefte Hypothekenkredite. Würde Bush die zwei Banken fallen lassen, wäre der Ruf der USA als guter Schuldner dahin - ein Erdbeben von unvorstellbarer Stärke auf den Finanzmärkten wäre die Folge.




Die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac stürzten die USA vor wenigen Jahren in die Krise. Dann stieg die Regierung bei ihnen ein - und heute machen sie wieder Gewinne. Wie ist das möglich?

Die Lage ist dramatisch. In fünf Jahren, von 2006 bis 2011, hat allein Fannie Mae Miese in Höhe von 163,6 Milliarden Dollar angehäuft. Das ist mehr als doppelt so viel wie alle Gewinne aus den 30 Jahren vor 2006 zusammen. Also schreibt Bush einen Scheck. 188 Milliarden Dollar steckt die Regierung in die maroden Baufinanzierer. Noch nie musste ein Unternehmen mit so viel Geld gerettet werden.

2. April 2013. Presseerklärung von Fannie Mae: Im Jahr 2012 wurden 17,2 Milliarden Dollar Überschuss erwirtschaftet - "so viel wie noch nie der Geschichte des Unternehmens".

9. Mai 2013. Presseerklärung von Fannie Mae: Der Gewinn im ersten Quartal 2013 beträgt 8,1 Milliarden Dollar. Zusätzlich werden Wertberichtigungen auf latente Steuererstattungsansprüche in Höhe von 50,6 Milliarden Dollar vorgenommen. Macht zusammen einen Jahresüberschuss von 58,7 Milliarden Dollar, die der US-Regierung gutgeschrieben werden.

Vom Pleitier zur Gelddruckmaschine in nur fünf Jahren?

Für den operativen Gewinn gibt es eine einfache Erklärung. Dagegen ist die Sache mit der Steuer etwas für die Freunde der Buchhaltungskunst. Zuerst der Überschuss aus dem operativen Geschäft: "Dass Fannie Mae und Freddie Mac wieder Gewinne machen, kam nicht überraschend", sagt Lawrence White, Professor an der New Yorker Stern School of Business, der sich intensiv mit dem System der Hypothekenbanken beschäftigt hat. "Es war nur eine Frage der Zeit, dass sich der Immobilienmarkt erholen würde. Und dass dann Kreditnehmer nicht mehr so oft mit ihren Zahlungen in Rückstand geraten, ist nur logisch."

Nach Berechnungen von Mike Cudzil vom Anleihen-Investor Pimco sind die Immobilienpreise in den USA zwischen 15 und 20 Prozent, an einigen Orten sogar zwischen 20 und 30 Prozent gestiegen. Zur Erholung hat die Federal Reserve beigetragen. Sie flutet die Märkte mit Geld, und der Notenbankzins von null Prozent sorgt dafür, dass Banken sich billig bei der Fed refinanzieren können. Das wiederum führt zu niedrigen Kreditzinsen. "Vor fünf Jahren hatten wir Hypothekenzinsen von fünf Prozent. Heute liegen sie bei 3,5 Prozent", sagt Cudzil. "Aber der Markt ist trocken, es werden kaum neue Kredite vergeben."

Was wiederum ein weiterer Grund für die guten Ergebnisse von Fannie Mae ist: Wer heute in den USA ein Immobiliendarlehen bekommt, der verfügt tatsächlich über ein stetes Einkommen und ist solvent. Daher gibt es weniger Kreditausfälle und eben weniger Verluste für Fannie Mae. Die steigenden Immobilienpreise stabilisieren die Lage. Wer sein Darlehen nicht zurückbezahlen kann, kann wenigstens sein Haus zu einem höheren Preis verkaufen, als er es erworben hat - und dann auch seine Schulden begleichen. All das bedeutet: Das Risiko der Hypothekenbanken ist heute wesentlich geringer als noch vor einigen Jahren.

Keine magische Formel

Während es für den operativen Gewinn gute Gründe gibt, verhält es sich mit den Wertberichtigungen für latente Steuerforderungen anders: Hier haben Buchhalter Interpretationsspielraum genutzt. "Es ist nicht immer alles schwarz-weiß und klar nachvollziehbar", sagt einer, der damit zu tun hat.

Als die Hypothekenbank während der Immobilienkrise Jahr für Jahr Geld verlor, sammelte sie Steuererstattungsansprüche auf die Verluste an, die sie sich im Prinzip auf spätere Forderungen vom Finanzamt hätte anrechnen lassen können. Doch im Jahr 2008 dachte man bei Fannie Mae, das Spiel sei aus. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass das Unternehmen je wieder auf die Beine kommen würde. In den Büchern standen Wertpapiere auf Immobilienkredite, die wertlos und mit Immobilien besichert waren, die deutlich unter dem Wert der Kredithöhe lagen. Alle drei Monate muss Fannie Mae eine solche Marktbewertung seiner Vermögenswerte vornehmen.

Weil ihnen die Lage aussichtslos schien, trugen die Wirtschaftsprüfer 2008 einen einmaligen Verlust von 90 Milliarden Dollar auf Steuererstattungsansprüche in die Bilanz ein - ohne die Aussicht auf Gewinne werden auch latente Steuererstattungen wertlos. Die 90 Milliarden resultierten aus eigenen Berechnungen, zugrunde lagen die Gewinnerwartungen aus den Vorjahren. Fünf Jahre später jedoch meldet Fannie Mae Rekordgewinne. Und so beschloss das Management, dass die einstigen Steuergutschriften doch nicht wertlos sind, und entschied sich dafür, 50,6 Milliarden Dollar davon einmalig als Überschuss auszuweisen. Dass es ausgerechnet 50,6 Milliarden Dollar sind, "ist das Ergebnis der Analysen und die Ansicht der Bilanzbuchhalter", sagt Clifford Rossi, früherer Chef-Risikomanager von Citigroup.

Auf die 50,6 Milliarden kam man unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren: Wie viel sind die Papiere von Fannie Mae heute wert? Wie viel Risiko steckt darin? Wie haben sich die Immobilienpreise entwickelt? Wie werden sich die Immobilienpreise künftig entwickeln? Wohin steuert der Kreditmarkt? Wie werden sich die Gebühren entwickeln, die Fannie Mae verdienen wird? Es handelt sich dabei nicht um eine Rechenformel, sondern um Urteile, die sich die Wirtschaftsprüfer bilden. Darin enthalten sollten auch Zweifel sein, etwa ob der Immobilienmarkt tatsächlich so robust ist wie angenommen.

Zufrieden mit dieser Art der Wertberichtigung wird Präsident Barack Obama sein. Denn als dessen Vorgänger George W. Bush Fannie Mae 2008 zu Hilfe eilte, tat er das, indem er Vorzugsaktien zeichnete, die in den Händen der Regierung sind und nicht zurückgekauft werden können. Das Rettungsgesetz für Fannie Mae und Freddie Mac sieht vor, dass derartige Gewinne in einer Extradividende an die Regierung überwiesen werden müssen.

Die Ironie an der Geschichte: Die 50,6 Milliarden Dollar liegen auf keinem Konto. Um sie nach Washington zu überweisen, muss Fannie Mae einen Kredit aufnehmen. Im Klartext: Die staatlich kontrollierte Fannie Mae borgt sich 50,6 Milliarden, um sie an den Staat zu bezahlen. Während die Staatskasse aufgebessert wird, steigen die Schulden von Fannie Mae - für die der Staat haftet. Sie tauchen nur im Haushalt nicht als solche auf. -