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Helioz Research and Development

Fast fünf Millionen Menschen erkranken Tag für Tag, weil sie verunreinigtes Wasser trinken. Ein österreichischer Unternehmer will das mit seiner Erfindung ändern.




• Martin Wesian ist hart im Nehmen. Das zeigte sich schon, als er sich vor vielen Jahren in Venezuela durch verseuchtes Wasser mit Cholera infizierte. Auch in seiner Eigenschaft als hartnäckiger Tüftler beweist er Durchhaltevermögen: Seine Erfindung namens Wadi (Abkürzung für Water Disinfection) wartet seit Jahren auf ihren Durchbruch. Der 38-Jährige legt sie im Büro seiner Firma Helioz in Wien vor sich auf den Tisch – ein faustgroßes Teil aus recyceltem Kunststoff, das sich mit wenigen Handgriffen auf gewöhnliche PET-Flaschen schrauben lässt. Der unscheinbare Aufsatz soll Menschen zu sauberem Trinkwasser verhelfen und verhindern, dass sie durch Viren und Bakterien erkranken oder gar sterben.

Das passiert in Entwicklungsländern täglich. Fast eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Rund 80 Prozent der Krankheitsfälle in diesen Regionen werden durch verschmutztes Wasser ausgelöst. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben Jahr für Jahr 1,8 Millionen Menschen an den Folgen von Diarrhö. Sie bringt mehr Kinder unter fünf Jahren um als Aids, Malaria und Masern zusammen.

„Und nebenbei kostet die Suche nach Trinkwasser die Menschen so viel Zeit, dass sie nicht zur Schule gehen oder arbeiten können“, sagt Wesian, „das ist doch eigentlich unfassbar.“

Er ist davon überzeugt, mit dem Wadi die Lösung für dieses Problem gefunden zu haben. Wird eine Flasche Wasser in die Sonne gelegt, zerstört das ultraviolette Licht die Krankheitserreger. Bei blauem Himmel dauert der Prozess nur ein paar Stunden, ist er bedeckt, sind bis zu zwei Tage nötig.

Dieses Verfahren ist zwar seit Ende der Neunzigerjahre unter dem Namen Solar Water Disinfection, kurz Sodis, im Einsatz und wird von der WHO, Unicef und dem Roten Kreuz empfohlen – trotzdem hat es sich bisher nicht durchgesetzt. Denn für den Laien ist nur schwer erkennbar, wann das Wasser genießbar ist. Da setzt Wesians Erfindung an: Das Gerät misst die Sonneneinstrahlung. Ein kleiner Chip, angetrieben von einer Solarzelle, errechnet, wann das Wasser ausreichend UV-Licht abbekommen hat. Erst dann zeigt ein Smiley im Display an: Die Erreger sind zerstört, das Wasser ist desinfiziert und trinkbar.

Eine bestechende Idee, auf die Wesian 2007 kam, als er einen Zeitungsartikel über solare Desinfektion las. Als er von Sodis hörte, entschied er sich, Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren, das Wadi wurde Thema seiner Abschlussarbeit.

In seinem Büro hängen Urkunden; Pokale füllen zwei Beistelltische. Die Resonanz auf seine Idee war von Anfang an überwältigend, also gründete er im Jahr 2010 sein Unternehmen Helioz. Ihm geht es nicht um das große Geld, er will Wadi für zehn Dollar verkaufen, fast zum Selbstkostenpreis. Aber Wesian ist sicher: Seine Erfindung wird sich schneller verbreiten, wenn er sie als sozialer Unternehmer vermarktet und nicht einfach verschenkt.

Doch der Absatz der Schraubaufsätze kommt nur schleppend in Gang. Bis heute sind nur rund 2000 Geräte weltweit im Einsatz, alle haben Wesian und sein Team in einer kleinen Werkstatt zusammengebaut.

„Du kannst das Wadi nicht einfach verkaufen“, sagt Wesian. „Du musst den Menschen beibringen, warum sie es benutzen sollten und wie es funktioniert.“

Das ist der eine Grund. Der andere war die Schwierigkeit, Geldgeber zu finden. Die Investoren, mit denen Wesian sprach, waren zwar Feuer und Flamme, dachten aber oftmals eher an Profit. Ein Geldgeber etwa versprach Wesian eine Million Euro, wollte sich aber nur beteiligen, wenn das Wadi so konzipiert wird, dass es schon nach zwei und nicht erst nach fünf Jahren den Geist aufgibt. Für den Erfinder kam das nicht infrage.

2012 fand er einen Partner, der sich für 300000 Euro mit 26 Prozent an Helioz beteiligte. Kurz darauf orderte die pakistanische Regierung 100000 Wadis. Wesian vergrößerte sein Team, der Durchbruch seiner Erfindung schien nahe. Doch dann verlangte der Investor Anzahlungen der Kunden, bevor sie die Schraubaufsätze geliefert bekommen. Prompt sprangen die Interessenten ab. Wesian überwarf sich mit dem Anleger, das Geld wurde knapp, und im vergangenen Herbst musste er sich von fünf festen Mitarbeitern trennen, obwohl es Anfragen von Organisationen gab, die das Produkt gern bestellen würden. „Ich hatte zeitweilig das Gefühl, das Wadi ist nicht mehr zu retten, obwohl es so dringend gebraucht wird.“

Aber er kämpfte weiter, tingelte von einem Event zum nächsten. Dabei lernte er die Unternehmer Christopher Grabher und Andreas Schuster kennen. Die beiden waren angetan, einigten sich mit dem Alt-Investor und statteten Helioz im März mit frischem Geld und Bankgarantien aus. Der Deal kostete Wesian zwar die Mehrheitsanteile an seiner Firma, aber das ist für ihn zweitrangig.

In Kürze soll das Wadi in Serie gehen und endlich Leben retten – und darauf kommt es schließlich an. ---
Kontakt:
Helioz Research and Development GmbH
Rüdigergasse 10, A-1050 Wien
http://b1-link.de/helioz