Partner von
Partner von

Sixt AG: Blick in die Bilanz

Kaum eine Autovermietung auf der Welt ist profitabler als die Sixt AG. Wie das Pullacher Familienunternehmen das schafft? Mit Vorsicht.




Die Sixt AG, die 2012 ihr 100. Jubiläum feierte, ist schon lange kein reiner Autovermieter mehr – auch wenn dieses Geschäft für den Großteil der Erlöse sorgt. Mit einer Marge von 10,2 Prozent, bezogen auf das Ergebnis vor Steuern (englisch: Earnings Before Taxes, EBT), steht Sixt im Vergleich zu den internationalen Wettbewerbern Hertz, Avis oder Europcar gut da. Die hohe Rendite erwirtschaftet das Unternehmen durch ein präzises Fuhrparkmanagement, das eine hohe Auslastung der Fahrzeuge gewährleistet. Zu diesem Zweck entwickelte Sixt eigens eine Software, die von den Spezialisten der Firma ständig verfeinert wird.

Um nicht allein vom Vermietungsgeschäft abhängig zu sein, setzt Sixt auch auf Leasing. Das Unternehmen bietet seinen Kunden unter anderem das Management der Dienstwagenflotte an, das viele Konzerne inzwischen auslagern. Zwar liegt die EBT-Marge lediglich bei 4,3 Prozent, dafür aber ist das Geschäft mit den zumeist über 36 Monate laufenden Leasingverträgen besser planbar.

Sixts Problem ist nicht die Rentabilität, sondern mangelndes Wachstum. Die Umsatzentwicklung ist eher bescheiden, der Jahresüberschuss fiel nach dem Rekordjahr 2011 erheblich geringer aus, wenn man einen Einmalertrag in Höhe von 4,4 Millionen Euro, der aus Leasinggeschäften anfiel, herausrechnet. Dies ist vor allem den sparsameren Kunden hierzulande geschuldet, die weniger reisen und kleinere Autos mieten.

Um das Geschäft auszuweiten, engagiert sich Sixt verstärkt im Ausland. Auch dort geht das Unternehmen aus Pullach vorsichtig zu Werke. Es setzt auf seine hohe Markenbekanntheit auf dem Heimatmarkt und folgt seinen Kunden dorthin, wo sie am liebsten Urlaub machen: nach Mallorca und an die Küsten des spanischen Festlands. Reisende aus Deutschland sind auch bei der Expansion in die USA eine wichtige Zielgruppe.

Die meisten der Niederlassungen liegen in Florida, einem beliebten Ferienziel. Den Rest des US-Marktes will Sixt vor allem über Franchise-Partner bedienen, die das Geschäftsrisiko selbst tragen.

Wirkliche Abenteuer geht Sixt selbst dann nicht ein, wenn es darum geht, neues Terrain zu erkunden. Für das 2011 gestartete Carsharing-Angebot Drivenow suchte sich der Autovermieter mit BMW einen starken Partner. An dem Joint Venture sind beide Firmen jeweils zur Hälfte beteiligt.

Um auf Nummer sicher zu gehen, verzichtet der Mehrheitseigner und Vorstandsvorsitzende Erich Sixt auch auf potenzielle Gewinne: Für die allermeisten Fahrzeuge seiner Flotte vereinbart er feste Rückgabepreise. Damit sichert das Unternehmen seine Kalkulationsgrundlage ab, gleichzeitig aber verzichtet es auf Erlöse, wenn die Preise für Gebrauchtfahrzeuge steigen. Im Vermietungsgeschäft bestanden 2012 für rund 94 Prozent der Autos, die Sixt jeweils nur sechs Monate hält und deshalb unter den kurzfristigen Vermögenswerten bilanziert, sogenannte Buyback-Vereinbarungen. Bei den Leasingfahrzeugen, die Sixt über mehrere Jahre hält und die den größten Teil des Anlagevermögens ausmachen, gab es in den Kaufverträgen für rund 75 Prozent der Fahrzeuge eine entsprechende Klausel.

Die konservative Geschäftspolitik spiegelt sich auch in der Bilanz wider. Sixt verfügt im Vergleich zum Rest der Branche über hohe Rücklagen und mit 29,1 Prozent über eine üppige Eigenkapitalquote. Bei der Konkurrenz liegt sie zwischen 5 und 15 Prozent. Das hohe Eigenkapital ist Ergebnis einer vorsichtigen Dividendenpolitik. Im Schnitt, so die hauseigene Faustregel, wird nur gut ein Drittel des Gewinns ausgeschüttet. Der Rest bleibt im Unternehmen. Von der guten Eigenkapitalausstattung profitiert Sixt vor allem bei den Finanzierungskonditionen. Und die sind von entscheidender Bedeutung. Schließlich ist die Flotte fast vollständig über Kredite finanziert. Die günstigen Konditionen steigern die Profitabilität des Unternehmens. So gelang es Sixt 2012, eine Anleihe über 250 Millionen Euro mit sechs Jahren Laufzeit zum Zinssatz von 3,75 Prozent zu platzieren. Die Konkurrenten müssen für ihre Finanzierung weit mehr zahlen. ---

Sixt wurde 1912 von Martin Sixt gegründet. Heute führt der Vorstandsvorsitzende Erich Sixt das Unternehmen in dritter Generation. Er brachte die Firma 1986 an die Börse, wo sie im S-Dax gelistet ist. Der Konzern hat seinen Hauptsitz in Pullach bei München und ist mit 1970 Vermietungsstationen in mehr als 100 Ländern vertreten: Die Hälfte davon sind Franchise-Unternehmen. Hierzulande ist Sixt mit seinen 494 Vermietungsstationen und einem Marktanteil von 32 Prozent Marktführer. Insgesamt beschäftigt der Konzern 3262 Mitarbeiter.