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Schau! Mich! An!

Man ist, was man hat. Eine Typologie.




Der Digitale Bohemien

Man trifft ihn, wo es Kaffee und WLAN gibt.

Man erkennt ihn an den roten Beats-Kopfhörern und dem aufgeklappten Mac-Book Pro, das er mit einem Sticker seiner Lieblingsband individualisiert hat. Und am ironischem Spruch auf dem Jutebeutel, in dem die gerade gekauften Vinylplatten stecken.

Er liest den neuesten Post auf seinem Blog über Berliner Underground-Designer.

Er fährt ein weißes Fixie-Bike mit roten Reifen.

Er lebt in einem Viertel, das bald hip wird.

Man beeindruckt ihn mit mehr als 3000 Followern bei Twitter.

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Die Outdoor-Rentnerin

Man trifft sie im Zug, auf dem Weg zur Radwandertour durch Bayern.

Man erkennt sie an der Jack-Wolfskin-Multifunktionsjacke und den Wanderschuhen von Haglöfs. Und an dem Mann neben ihr, der genau das Gleiche trägt.

Sie liest den Baedeker-Reiseführer über Oberbayern.

Sie fährt ein Kettler-Trekkingrad mit großen Fahrradtaschen von Ortlieb.

Sie lebt in einem Energiesparhaus mit Gemüsegarten.

Man beeindruckt sie mit Fotos der erfolgreichen Kinder und niedlichen Enkel.

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Die SUV-Mutti

Man trifft sie auf dem Weg von der privaten Grundschule der Siebenjährigen zum Chinesischunterricht des Dreijährigen.

Man erkennt sie am Bugaboo-Kinderwagen in der einen und dem Low-Sugar-Chai-Latte mit Sojamilch in der anderen Hand. An der braunen Papiertüte mit den Einkäufen vom Bioladen. Und an der Sonnenbrille von Marc Jacobs im Haar.

Sie liest die SMS des Au-pair-Mädchens, das diesen Abend freinehmen will.

Sie fährt einen VW Touareg mit Yoga-Matte zwischen den Kindersitzen und Golden Retriever im Kofferraum.

Sie lebt in einem zentrumsnahen Townhouse.

Man beeindruckt sie mit nichts mehr.

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Der Business-Junior

Man trifft ihn bei der Afterwork-Party "Work hard play hard".

Man erkennt ihn an seinem maßgeschneiderten Anzug, dem Montblanc-Füller in seiner Brusttasche und an der Uhr von Patek Philippe.

Er liest ein Lifestyle-Magazin auf dem iPad.

Er fährt einen schwarzen 911er oder mit dem Taxi.

Er lebt in einem Loft mit Blick über die Stadt.

Man beeindruckt ihn, wenn man schon mal ein Start-up für mehr als 100 Millionen Dollar an Google verkauft hat.

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Das Hockey-Mädchen

Man trifft sie bei der privaten Reitstunde auf dem eigenen Pferd.

Man erkennt sie an dem Hollister-Pullover, den UGG-Boots und dem Parka von Canada Goose mit Echtfell-Kapuze. An der Longchamp-Handtasche in der Armbeuge und dem weißen iPod-Kopfhörer im linken Ohr.

Sie liest die Posts ihrer Freunde auf Facebook.

Sie fährt auf dem Beifahrersitz des Mercedes ihres Vaters mit ihrer Mutter zum Hockeytraining.

Sie lebt im Kinderzimmer der Vorstadtvilla ihrer Eltern.

Man beeindruckt sie, wenn man weiß, welche Hosenfarbe in einem Jahr cool ist.

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Der Checker

Man trifft ihn vor dem Fitness-Studio.

Man erkennt ihn an den Muskeln und dem tätowierten Schriftzug auf dem Unterarm. Am Bling-Bling an Hals und Ohren und einem American Staffordshire Terrier an der Leine. An der Rapmusik aus dem Lautsprecher seines iPhone 4.

Er liest nicht.

Er fährt einen tiefergelegten 7er BMW aus den Achtzigerjahren.

Er lebt bei seinen Eltern.

Man beeindruckt ihn, wenn man ihn beim Freestylen schlägt.