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Öfter mal was Neues

Wer Maschinen oder Fahrzeuge least statt kauft, ist stets auf dem neuesten Stand der Technik, bleibt flüssig und kann Steuern sparen. Mieten ist smart - aber manchmal trotzdem teurer als ein Kauf.




- Der Start ins Leasingzeitalter verlief in deutschen Landen vergleichsweise holprig. Als der Branchenpionier Albrecht Dietz 1962 in Düsseldorf die Maschinen Miete GmbH gründete, hatte das Geschäft einen ähnlichen Ruf wie das von Kredithaien. Bis weit in die Siebzigerjahre galt Leasing als letzte Rettung für Firmen, über deren Fabrikhallen schon der Pleitegeier kreiste. Wer eine Maschine auf Zeit mietete statt zu kaufen, schwieg darüber. Heute ist die Leasingbranche Deutschlands potentester Investor, im Bekanntenkreis prahlt man mit der unverschämt niedrigen Rate für sein neues Auto. Auch kerngesunde Unternehmen setzen auf die Vorzüge. Doch welche Vor- und Nachteile hat Leasing tatsächlich? Für wen lohnt es sich, für wen nicht? Und fördert es tatsächlich die Ressourcenverschwendung?

Ist Leasing ein Gegenentwurf zu privatem Eigentum?

Ja und nein. Der Leasingnehmer nutzt ein Produkt, das nicht sein Eigentum ist. Er bezahlt für die Nutzung und den Wertverlust, erwirbt aber dadurch - anders als beim Mietkauf - keine Eigentumsrechte. Die bleiben bei der Leasinggesellschaft. Bei der "Gebrauchsüberlassung eines Investitionsgutes auf Zeit gegen Geld" - so die sperrige juristische Umschreibung für Leasing -, fallen Nutzung und Eigentum auseinander. Selbst in einer Gesellschaft, die vollständig auf dem Leasingprinzip basiert, wäre das Eigentum nicht abgeschafft. Es bliebe während der gesamten Lebenszeit des Produkts bei den Herstellern, die Autos, Waschmaschinen, Fernseher oder Produktionsanlagen nicht verkaufen, sondern dem Kunden gegen Gebühr für eine gewisse Zeit überlassen.

Was kann alles geleast werden?

Alles, was einen berechenbaren Wert hat und sich für eine gewisse Zeit nutzen lässt: Fahrzeuge vom Smart über den Polizeiwagen bis zum 40-Tonner, Computer und Software, Krankenhausbetten und Anästhesie-Arbeitsplätze, CNC-Maschinen und komplette Fertigungsstraßen, Lokomotiven und Flugzeuge (Triebwerke werden oft separat geleast), Lagerhallen und Bürohochhäuser, Fotovoltaikanlagen und Windräder. In Nordrhein-Westfalen haben Behörden einmal einen Leasingvertrag über 40 Pferde für eine Polizeireiterstaffel abgeschlossen. Selbst Immaterielles, zum Beispiel eine Marke: Der Leasingnehmer darf sie für eine gewisse Zeit nutzen und zahlt dafür eine Gebühr.

Hierzulande hatten Fahrzeuge (Pkw, Lastwagen, Transporter, Busse und Anhänger) im vergangenen Jahr mit 69 Prozent den mit Abstand größten Anteil am Neugeschäft, gefolgt von IT und Produktionsmaschinen mit jeweils etwa zehn Prozent sowie Telekommunikation, Medizintechnik, Immobilien und Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeugen.

Warum ist eine geleaste Maschine für Unternehmen meist, aber nicht immer vorteilhafter als ein Kauf?

Das Leasing eines Investitionsgutes hat im Vergleich zum Kauf (egal, ob bar bezahlt oder kreditfinanziert) eine Reihe von Vorzügen. Wegen der überschaubaren Laufzeiten bleibt der Leasingnehmer stets auf dem neuesten Stand der Technik. Das Wiederverkaufsrisiko, mit dem sich sonst der Unternehmer plagen muss, trägt die Leasinggesellschaft. Die Kosten der Investition, also die monatliche Leasingrate, sind von Anfang an genau kalkulierbar - laut einer Unternehmensbefragung von TNS Infratest im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) das wichtigste Motiv. Nicht zuletzt kommt der Unternehmer in den Genuss eines steuerlichen Vorteils: Die Leasingraten mindern den Gewinn und sind vom ersten Moment an steuerlich voll absetzbar. Außerdem verschafft Leasing einen Liquiditätsvorteil, da das Unternehmen nicht den Kaufpreis aufbringen muss, sondern lediglich für Nutzung und Wertverlust bezahlt. Die monatliche Belastung liegt in fast allen Fällen unter der eines Kaufs per Bankkredit - falls der überhaupt gewährt wird.

Allerdings geht die Rechnung nicht in allen Fällen auf. Wer mit seinem Unternehmen Verluste macht, dem nützt der steuerliche Vorteil nichts. Auch für Firmen mit einem Gewinn bis 100000 Euro oder einem Betriebsvermögen bis zu 235000 Euro ist ein Kauf in manchen Fällen vorteilhafter als ein Leasing. Dann können sie nämlich bis zu 40 Prozent der Anschaffungskosten einer Maschine, einer neuen EDV oder eines Fahrzeugs sofort steuerlich geltend machen - selbst wenn die Investition erst in drei Jahren fällig ist. So lassen sich der Gewinn und damit auch die Steuerlast eines sehr guten Geschäftsjahres mindern. Beim Leasing ist das nicht möglich.

Warum bekommen Unternehmen, die leasen statt kaufen, meist bessere Bankkonditionen?

Kauft ein Unternehmen eine Maschine, taucht sie als Anlagevermögen in der Bilanz auf - und mindert die Eigenkapitalquote. Gerade die hat aber bei den Banken ein großes Gewicht. Sinkt die Eigenkapitalquote, wird das Geldinstitut meist einen höheren Zinssatz für den Kredit verlangen und möglicherweise auch die Kreditlinie kürzen. "Geleaste Güter tauchen nicht in der Bilanz auf", sagt die Meißener Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin Andrea Wagner, "sie machen also die Eigenkapitalquote nicht kaputt." Und damit bleibt auch der Kreditzins unverändert. Ein Druckereiunternehmer beispielsweise, der seinen Fuhrpark least und den Kauf der neuen Druckmaschine über die Bank finanziert, wird den Kredit zu einem günstigeren Zinssatz bekommen, als wenn er auch die Firmenwagen gekauft hätte.

Allerdings machen auch Unternehmen, die reichlich mit Eigen kapital ausgestattet sind, durchaus Gebrauch vom Leasing - und zwar nicht nur, weil sie wollen, dass ihre Bankkonditionen so gut bleiben, wie sie sind. Der Aussage, Leasing eigne sich vor allem für Firmen, die bei der Bank nur noch schlecht Kredite erhalten, stimmten 2011 nur noch 17 Prozent der von TNS Infratest befragten Unternehmen zu. Vier Jahre zuvor waren es noch 25 Prozent. "Die meisten Unternehmer wollen sich nicht um Dinge wie Wartung oder einen späteren Wiederverkauf kümmern", sagt BDL-Hauptgeschäftsführer Horst Fittler. "Sie schätzen den Komplettservice aus einer Hand, den das Leasing bietet."

Beispiel Fahrzeug-Leasing: Viele Anbieter stellen dem Unternehmer nicht nur die gewünschten Fahrzeuge auf den Hof, sondern kümmern sich auch um Inspektionen, Reifenwechsel und -einlagerung, den Abschluss einer Versicherung sowie die Zahlung der Kfz-Steuer und der GEZ-Gebühr fürs Autoradio.

Welche volkswirtschaftliche Bedeutung hat Leasing?

Die Leasingwirtschaft ist heute Deutschlands stärkster Investor. Im vergangenen Jahr finanzierte die Branche in Deutschland Güter im Wert von fast 50 Milliarden Euro. Das entspricht einem Sechstel der gesamtwirtschaftlichen Investitionen. In manchen Branchen ist der Leasinganteil noch weit höher. So wird mitterweile mehr als ein Drittel aller Neuwagen geleast. Weil die vergleichsweise teuren Autos der Mittel- und Oberklasse einen überproportional großen Anteil haben, beträgt der Leasinganteil am Gesamtwert aller gewerblichen Fahrzeugkäufe sogar 58 Prozent. Gäbe es das Leasing nicht, müssten die Premium-Hersteller es dringend erfinden. Die typischen "Geschäftsführerwagen" der Kategorie oberhalb von 60000 Euro werden hierzulande überhaupt nur dank Leasing in nennenswerten Stückzahlen verkauft. Es ist nicht ganz einfach, viele Menschen zu finden, die beispielsweise die 100000 Euro für die S-Klasse eines Mercedes 500 einfach so hinlegen.

Ist Leasing ein Modell für Krisenzeiten?

Früher wuchs die Leasingbranche auch, wenn die Konjunktur lahmte. Der Anteil geleaster Anlagen an den gesamtwirtschaftlichen Investitionen wuchs stetig. Weder die Nach-Einheits-Rezession zu Beginn der Neunziger noch das jähe Verblühen der New Economy vor gut einem Jahrzehnt konnten die Branche erschüttern. Viele Unternehmen fuhren in schlechten oder unsicheren Zeiten "auf Sicht" und gingen dazu über, Neu- oder Ersatzinvestitionen erst recht über Leasing statt per Kredit zu finanzieren. Erst im Krisenjahr 2009 ging das Neugeschäft um 23 Prozent zurück. "Weil einige Banken sich aus strategischen Gründen aus der Leasingfinanzierung zurückgezogen hatten, bekamen auch die Leasinggesellschaften Probleme bei der Refinanzierung", sagt der Verbandshauptgeschäftsführer Fittler. "Wenn Sie kein Geld fürs Neugeschäft haben, können Sie auch keins machen." Wobei es in den schlimmsten Krisenmonaten ohnehin eine Herausforderung war, einen Unternehmer vom Sinn einer Investition zu überzeugen. Nun scheint sich eine Rückkehr zum alten Muster - Wirtschaft schwächelt, Leasing wächst - abzuzeichnen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche ein Miniwachstum von 0,5 Prozent, obwohl die gesamtwirtschaftlichen Investitionen zurückgegangen waren.

Beschleunigt Leasing die Einführung neuer Technik?

Die Branche behauptet das, die Bundesbank ist der gleichen Meinung: "Die Vermeidung von Finanzierungsrestriktionen bei innovativen Unternehmen fördert die zügige Markteinführung neuer Technologien und Produkte und beschleunigt damit den technologischen Diffusionsprozess." In manchen Fällen ist das belegbar. Beispielsweise bei der Umstellung von Bleisatz auf Foto- und Lichtsatz in der Druckindustrie in den Siebziger- und Achtzigerjahren. Die meisten Druckereien stemmten die enormen Investitionen durch Leasing. Tatsache ist: Das Leasen einer neuen, leistungsfähigeren Maschine oder eines effizienteren Autos ist meist leichter zu bewerkstelligen als ein kreditfinanzierter Kauf. Die Investition wird also früher realisiert. Eigene Pkw sind in Deutschland im Schnitt sieben Jahre alt, während geleaste Autos meist nach spätestens vier Jahren zurückgegeben und durch einen Neuwagen ersetzt werden. Somit sorgt Leasing - zumindest theoretisch - dafür, dass der technische Fortschritt schneller Einzug hält.

Oder fördert es vor allem die Ressourcenverschwendung?

Das Beispiel Auto verdeutlicht es am besten: Unter der Annahme, dass das neue Fahrzeug ressourcensparender produziert wird und obendrein weniger Sprit verbraucht als das alte, erscheint das Leasing mit seinen schnelleren Austauschraten ökologisch ratsamer als der Kauf. Allerdings lassen sich manche Leasingkunden dazu verleiten, größere und durstigere Autos zu ordern: Der Unterschied zwischen den 139 Euro monatlich für den 3er und den 169 Euro für den 5er BMW ist ja kaum spürbar. Auch scheint der häufige Austausch der Fahrzeuge auf den ersten Blick eine kurzfristige, verschwenderische Konsummentalität zu befördern. Allerdings landet das geleaste Fahrzeug nach der Rückgabe nicht auf dem Schrottplatz, sondern wird weiterverkauft - an Menschen, die dafür ihr fünf oder zehn Jahre altes Auto abstoßen. Ganz alte Fahrzeuge werden also aus dem Markt gedrängt. Außerdem sorgt der ständige Nachschub an ausgedienten Leasingfahrzeugen auf dem Gebrauchtwagenmarkt dafür, dass dort die Preise sinken und der Austausch eines alten Spritfressers durch ein vergleichsweise neues und effizienteres Ex-Leasingfahrzeug attraktiver wird.

"Leasing erkennt die scheinbare Sucht an, immer neue Ressourcen anzuzapfen, um in schneller Abfolge kurzlebige Produkte auf den Markt zu bringen", schrieben dazu vor Kurzem der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen und seine niederländische Kollegin Judith Merkies in einem Gastbeitrag für die "Zeit". Ihre Folgerung: nicht weniger Leasing, sondern ausschließlich. Ihnen schwebt eine Wirtschaftsordnung vor, die zum großen Teil nicht mehr auf Eigentum, sondern auf Leasing basiert. Wenn der Hersteller gleichzeitig Leasinggeber wäre und über die gesamte Lebensdauer des Produkts Eigentümer bliebe, müsste er sich schon vor der Herstellung überlegen, "was mit dem Produkt passiert, wenn es eines Tages wieder zurückkommt". So feiert es fröhliche Urständ, das aus den Achtzigern stammende und längst totgeglaubte Modell einer ökologischen Kreislaufwirtschaft. Konsequent zu Ende gedacht: "Um einen Menschen ein Leben lang mit einem topaktuellen Gerät zu versorgen, werden so nur noch die Ressourcen benötigt, die zur Herstellung eines einzigen Gerätes gebraucht werden." Eine Art langlebiges Basisgerät, bei dem sich Innovation vor allem über den Austausch von Software und Ersatzteilen vollzieht. Ein charmanter Gedanke, der in der Praxis jedoch schnell an Grenzen stoßen dürfte. Kann man, will man sich beispielsweise einen schwerfälligen 1974er Ford Granada mit dem neuesten Ein-Liter-Ecoboost-Motor des Herstellers vorstellen? Müsste man ständig das gesamte Interieur auseinanderrupfen, um Airbags und andere Sicherheitsfeatures nachträglich einzubauen? Wie passt der Flachbildschirm in das Gehäuse des Röhrenfernsehers? Was zählen noch Geschmack, Kundensouveränität und Design? Und wer soll darüber befinden, ob eine Innovation bahnbrechend genug ist, ein Basisprodukt komplett abzulösen? Eine Nachhaltigkeitsbürokratie? Bloß nicht!

Haben Autoleasing-Kunden ein Statusproblem?

Der Unterschied zwischen Kauf und Leasing spielt - jedenfalls aus Statusgesichtspunkten - heute so gut wie keine Rolle mehr. Auch das über die Hausbank oder die Bank des Autoherstellers finanzierte Fahrzeug gehört ja, genau genommen, dem Kreditgeber, bis die letzte Rate beglichen ist. Im Premium- und Luxussegment ist Leasing mit einer Quote von mehr als drei Viertel längst der Normalfall. Von Statuskrisen in den Reihen der Geschäftsführer und Vorstände war bislang wenig zu hören.

Neuere Untersuchungen attestieren dem eigenen Auto gerade bei jungen Leuten in Großstädten eine schwindende Bedeutung als Statussymbol. Für viele ist die bedarfsgerechte Nutzung entscheidend, nicht das Eigentum an einer Karosse, die den größten Teil des Tages ungenutzt herumsteht und trotzdem Geld kostet. Darauf beruht das in den vergangenen zwei Jahren stürmische Wachstum des Carsharings in Deutschland. Allein im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Nutzer auf 453000 mehr als verdoppelt. Ein Boom, der im Übrigen zu einem guten Teil auf Leasing gründet. Die meisten Carsharing-Unternehmen schicken nämlich geleaste Flotten auf die Straße.

Lohnt sich Autoleasing auch für Privatleute?

Früher lautete die Antwort eindeutig: nein. Vor allem weil Privatleute keinen steuerlichen Leasingvorteil geltend machen können. Unterm Strich war das Leasing meist erheblich teurer als ein Autokauf auf Raten. Heute heißt die Antwort: Kommt darauf an …

… ob die Autohersteller Leasing gerade mal wieder besonders pushen, um den Absatz (bestimmter Modelle) anzukurbeln (dann kann Leasing tatsächlich den Kauf auf Raten schlagen)

… welche Rabatte die Autohäuser bei Barzahlung gewähren (je großzügiger der Preisabschlag, desto schwerer hat es das Leasing)

… welchen Zinssatz die Banken dem Autokäufer für einen Raten kredit einräumen (macht der Kunde von einer Null-Prozent-Finanzierung des Autoherstellers Gebrauch, kann er kaum noch einen Rabatt aushandeln. Oft ist er besser beraten, sich das Geld bei der Bank zu leihen und das mit einem guten Rabatt versehene Auto bar zu bezahlen. Und dann gilt: Je niedriger der Kreditzins, desto unattraktiver das Leasing)

… ob der Kunde sich im Dschungel der Leasingofferten zurechtfindet und es schafft, die Angebote (mit und ohne Anzahlung und entsprechend niedrigen oder höheren Monatsraten) zu vergleichen

… ob der Kunde bereit ist, sich bei der Rückgabe des Wagens mit der Leasingfirma zu streiten, nicht selten über Tausende von Euro, weil der Zustand des Autos angeblich schlechter ist, als es eine "altersbedingte Nutzung" erwarten lässt (wenn er sich zum Abschluss des nächsten Leasingvertrags bereiterklärt, ist die Angelegenheit in der Regel schnell aus der Welt)

… ob dem Kunden all das gar nicht so wichtig ist und er einfach alle drei Jahre ein schönes neues Auto haben will - ohne dass er sich darüber Gedanken machen muss, wie er das alte Fahrzeug loswird. -