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ProSiebenSat.1 Media AG

Was tun, man hoch verschuldet ist und das Kerngeschäft schwächelt? Unnütze Unternehmensteile verkaufen und das Geld anderweitig investieren. Genauso macht es ProSiebenSat.1 - mit gemischtem Erfolg.




ProSiebenSat.1 hat schwere Zeiten hinter sich. Nach dem Einstieg der Finanzinvestoren KKR und Permira Ende 2006, die der Firma hohe Schulden aufbürdeten, rutschte die Eigenkapitalquote von 64,2 Prozent auf nur 8,5 Prozent in 2008 und die Firma insgesamt vor allem aufgrund der hohen Zinszahlungen tief in die roten Zahlen. Gleichzeitig begannen die TV-Werbeeinnahmen, die jahrelang gewachsen waren, in weiten Teilen der Welt und vor allem hierzulande zu sinken. In Deutschland liegen sie bis heute unter dem Niveau von 2006.

Keine gute Ausgangsposition. Doch ProSiebenSat.1 hat hart am eigenen Geschäftsmodell gearbeitet. So reduzierte der Konzern seine operativen Kosten unter anderem durch den Umzug von Sat.1 aus Berlin an den Stammsitz nach München seit 2008 um mehr als 30 Prozent - fast 800 Millionen Euro. Die Schulden sanken gleichzeitig von mehr als 4 auf gut 2,5 Milliarden Euro, vor allem durch den konsequenten Verkauf ausländischer Tochtergesellschaften. Die Eigenkapitalquote erholte sich dadurch auf mittlerweile 27,7 Prozent.

Daneben bemühen sich die Fernsehmacher um neue Geschäftsfelder, die die Stagnation im Kernsegment ausgleichen. Die deutschsprachigen Programme wie ProSieben, Sat.1 oder Kabel Eins steuern zwar immer noch 81 Prozent des Umsatzes bei. Mit der deutschen Erstausstrahlung der US-Erfolgsserie "Homeland" und der Verpflichtung der populären Komikerin Cindy aus Marzahn gelangen jüngst außerdem zwei branchenweit beachtete Erfolge. Und doch wächst der Umsatz in dem als Broadcasting Germanspeaking betitelten Bereich kaum noch - um magere 0,3 Prozent stieg der Umsatz, das Ergebnis war sogar leicht rückläufig.

Der Konzernumsatz entwickelte sich mit einem Plus von 7,1 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro sehr viel besser - dank eines noch jungen Geschäftsfeldes, dessen Erlöse im vergangenen Jahr um beeindruckende 38 Prozent wuchsen und das sich Digital & Adjacent nennt. Dahinter verbergen sich zum einen etwa Onlinespiele und -videos sowie Maxdome, das größte Video-on-Demand-Portal hierzulande; den größten Anteil zum Umsatzwachstum mit einem Plus von 121 Prozent soll indes ein Geschäft geliefert haben, das unter der Überschrift Ventures & Commerce läuft. Dabei offeriert ProSiebenSat.1 jungen, schnell wachsenden Firmen Werbezeit und erhält im Gegenzug nicht Geld, sondern Anteile oder eine Umsatzbeteiligung.

51 solcher Partnerschaften gibt es laut dem Geschäftsbericht bereits, darunter eine mit dem Berliner Schuhhändler Zalando. Ein eigener Inkubator kümmert sich seit Anfang des Jahres um die Start-ups. ProSiebenSat.1 erhofft sich von dem neuen Bereich nicht nur Wachstum, sondern auch eine hohe Profitabilität. Ein Plan, der bislang aufzugehen scheint. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von Digital & Adjacent hat sich 2012 mehr als verdoppelt. Der zweite Geschäftsbereich, mit dem die Fernsehmacher ihr Wachstum ankurbeln wollen, Eigenproduktionen und deren Verkauf, genannt Content Production & Global Sales, ist von solchen Erfolgen indes noch weit entfernt. Die Anlaufkosten sind hoch, sodass der EBITDA 2012 um mehr als 82 Prozent einbrach.

Die neuen Geschäfte stärken den Umsatz, zum Ergebnis tragen sie bislang wenig bei. 2011 waren es 7,3 Prozent des EBITDA, 2012 12 Prozent. Das Gesamtbetriebsergebnis stieg daher nur unwesentlich auf rund 600 Millionen Euro. Erstaunlich: KKR und Permira hindert dies nicht daran, sich eine im Vergleich zum Vorjahr mehr als viermal so hohe Dividende ausschütten zu lassen. Statt fast über 245 Millionen wie in 2011 soll ProSiebenSat.1 in 2012 rund 1,2 Milliarden Euro an seine Aktionäre zahlen. Es scheint, als sei neben neuen Geschäften möglicherweise noch ein anderer Faktor wichtig für den zukünftigen Erfolg: neue Gesellschafter. -

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Die ProSiebenSat.1 Group entstand Ende 2000, als die damals beide zum Imperium des Medienunternehmers Leo Kirch gehörenden Sender ProSieben und Sat.1 zum größten Free-TV-Anbieter Deutschlands fusionierten. Die Gruppe war schon damals börsennotiert, die Hauptaktionäre wechselten, bis 2006 KKR und Permira die Mehrheit übernahmen. Heute halten sie gemeinsam noch 44 Prozent, die allerdings zum Verkauf stehen. Das Unternehmen erreicht 41 Millionen TV-Haushalte in Deutschland, der Schweiz und Österreich und verantwortet unter anderem populäre Formate wie "Germany's Next Topmodel". Daneben betreibt ProSiebenSat.1 diverse digitale Geschäftsmodelle und ist mit weltweit 18 Produktionsfirmen in der Filmindustrie tätig. Die Firma beschäftigt 3000 Mitarbeiter in zwölf Ländern.