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Faber-Castell

Faber-Castell gehört zu den wenigen Firmen, die sich mit einem Grafen und zwei Schlössern schmücken können. Verstaubt ist die Marke deshalb noch lange nicht.




- Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, Vorstandschef des gleichnamigen Unternehmens, ist als Markenbotschafter eine gute Besetzung. Der stattliche Herr ist trotz seiner 72 Jahre noch unermüdlich für die Firma unterwegs, kennt das Sortiment - insgesamt rund 2000 unterschiedliche Artikel - aus dem Effeff und plaudert gern aus dem Nähkästchen. Zum Beispiel darüber, dass er als junger Mann keine Lust hatte, Bleistiftfabrikant zu werden, sich dann aber in die Pflicht nehmen ließ. Zu der es auch gehört, für die Presse vor den alten Gemäuern am historischen Familien- und Firmensitz in Stein bei Nürnberg zu posieren - obwohl er persönlich seine Stadtwohnung vorzieht. Gern erzählt er auch von einem Schlüsselerlebnis. Anfang der Neunzigerjahre las er eine Eloge von Gregor von Rezzori in der Zeitschrift "Elle" auf Castell-Bleistifte. Die hätten in seiner Jugend, so der Schriftsteller, vor allem wegen des Ritter-Logos seine Fantasie befeuert. Was den Grafen bewog, die in Vergessenheit geratenen, kämpfenden Edelleute - zunächst gegen den Widerstand seiner Frau, der sie zu martialisch erschienen - wiederzubeleben und die damals verstaubte Marke überhaupt aufzuhübschen.

Faber-Castell, der die Firma in der achten Generation führt, musste sich auch schon früh mit der Digitalisierung befassen. So zerstörte das Computer Aided Design (CAD) sein einst lukratives Geschäft mit Bedarf für technische Zeichner. Daher suchte sich der Franke neue Betätigungsfelder, unter anderem die Produktion von Kosmetikstiften im Auftrag der Schönheitsindustrie. Dass er dabei seine heutige Gattin kennenlernte, die früher bei Chanel tätig war, freut ihn noch heute.

Aktuell setzt er auf die "Zangenstrategie". Einerseits umwirbt das Unternehmen Kinder, die malen und schreiben lernen und Faber-Castell als "Lebensbegleiter" entdecken sollen. Andererseits Erwachsene, die sich gern kreativ betätigen. Besonderes Potenzial sieht der Chef in Schwellenländern, wo eine Mittelschicht entsteht. Zudem wildert das Unternehmen im Revier der Hersteller von Luxusschreibgeräten und bietet beispielsweise mit dem "Pen of the Year 2012" in Mooreiche und Gold Männerspielzeug für Wohlhabende an (Kostenpunkt: 3500 Euro).

Bei seinem lebhaften Vortrag erweckt der Vorstandsvorsitzende nicht den Eindruck, dass ihn der Gedanke um die Nachfolge umtreibt. Sein Sohn, der derzeit bei der Unternehmensberatung Roland Berger arbeitet, solle noch Erfahrungen bei einem großen Markenunternehmen machen, bevor er in die Familienfirma eintritt. Er könnte sich auch vorstellen, "dass das Unternehmen eine Zeit lang von externen Managern geführt wird". Die Familie sollte aber die Kontrolle behalten.

Der klassische Bleistift, der Faber-Castell einst groß machte, trägt nur noch rund 20 Prozent zum Umsatz bei. Der Graf prophezeit dem Klassiker aber wegen eines großen Vorteils gegenüber allen anderen Schreibwerkzeugen noch ein langes Leben: "Ich fand neulich in einer Schublade einen Bleistift, der bestimmt 100 Jahre alt war. Man nimmt ihn zur Hand - und er schreibt." -


Mit Kaspar Faber, der in Stein bei Nürnberg Bleistifte herstellt, beginnt 1761 die Firmengeschichte. Eine entscheidende Wendung gibt ihr Lothar Freiherr von Faber ab 1839. Er hat das Ziel, "mich auf den ersten Platz emporzuschwingen, indem ich das Beste mache, was überhaupt in der Welt gemacht wird". Zu diesem Zweck erwirbt er eine Mine mit Grafit besonders hoher Qualität in Sibirien. Der Fabrikant hat sowohl Gespür für den Wert der Tradition - so lässt er neben der Firma ein Schloss bauen - als auch für moderne Werbung. Im Kampf gegen Kopisten setzt er sich mit Erfolg für ein Markenschutzgesetz in Deutschland ein. 1898 entsteht durch die Heirat von Ottilie von Faber mit Alexander zu Castell-Rüdenhausen der neue Familien- und spätere Markenname - der mit einem Schlossneubau gewürdigt wird. 1978 übernimmt der heutige Chef das Unternehmen, setzt auf Expansion und neue Produkte. Im Jahr 2000 wird Faber-Castell in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Sie verpflichtet sich früh zu ambitionierten Sozial- und Ökostandards. Und wirbt mit einer positiven Klimabilanz - dank eigener Waldplantagen in Brasilien, die mehr CO2 absorbieren, als das gesamte Unternehmen ausstößt. Faber-Castell AG Mitarbeiter: ca. 7000; davon in Deutschland: 1121; Umsatz im Geschäftsjahr 2010/11: 538 Millionen Euro; Gewinn: 42,2 Millionen Euro