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Die Macht des Marktes

Seit je versucht die Obrigkeit den Handel zu zähmen – vergeblich.




- Keiner soll sagen, die Marktwirtschaft sei ohne Konflikte entstanden. Im Jahr 1678 war die Rue Saint-Honoré in Paris unpassierbar, weil sich "unmittelbar vor der Metzgerei beim Blindenhospital widerrechtlich ein Markt angesiedelt hat, auf dem an Verkaufstagen verschiedene Frauen und Händlerinnen ihre Ware ausbreiten und so den Durchgang durch diese Straße verstopfen, die als eine der größten und belebtesten Verkehrsadern von Paris stets frei gehalten werden müsste", heißt es in einem Bericht.

Derartige Probleme gab es um 1678 nicht nur in Paris. Es war die Zeit, in der der Handel einen gewaltigen Aufschwung nahm. Die Städte wuchsen und brauchten Nahrungsmittel, die Bauern lieferten zweimal pro Woche. Es ging wild zu, es wurde gebrüllt, betrogen, gewuchert. Schon damals versuchten deshalb das Parlament und die Polizei, die Märkte zu regulieren.

Bereits 1417 hatte Karl von Orléans dafür die Grundlage geschaffen und für Vergehen auf dem Markt die Prügelstrafe eingeführt. So kam es, dass in Chateaudun, unweit von Paris, ein Bäcker, der dreimal des Betruges überführt wurde, "wie Würste verschnürt ohne Erbarmen von einem Kippkarren gestürzt" wurde. Erst 1602 konnte die Zunft der Händler die Abschaffung der Leibesstrafe durchsetzen. Es gelang ihr auch, einmal erkämpfte Marktplätze zu erhalten.

Sehr zum Verdruss des Kommissars Brussel in Paris, der bald 50 Jahre nach der illegalen Ansiedlung des Marktes beim Blindenhospital dort Dienst hatte. Resigniert schrieb er am 28. Juni 1714 an seinen Vorgesetzten: "Habe heute, Monsieur, auf dem kleinen Markt, wohin ich mich des Brotes wegen verfügte, die Beschwerde der Bürger gegen die Makrelenhändlerinnen entgegengenommen, die die Kiemen ihrer Makrelen einfach auf den Boden werfen und den ganzen Markt verpesten, was alle Welt stark inkommodiert. Man sollte diesen Weibern einschärfen, besagte Kiemen in Körbe zu tun und diese anschließend in den Kippkarren zu leeren, wie es mit Erbsenschoten geschieht." -