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Symrise

Mit hohen Schulden und kaum Eigenkapital ging der Aromenhersteller Symrise Ende 2006 an die Börse. Dann kam die Finanzkrise. Und jetzt? Geht es dem Unternehmen blendend.




Symrise hat zwei Geschäftsbereiche: Scent & Care, dahinter verbergen sich Düfte und Wirkstoffe, Letztere vor allem für die Kosmetikindustrie; die Sparte Flavor & Nutrition produziert Geschmacksstoffe und sogenannte funktionale Inhaltsstoffe zur Anreicherung von Nahrungsmitteln. Beide Sparten zusammen haben im ersten Halbjahr 2012 die Erlöse (Sales) im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent gesteigert (im Quartalsvergleich sogar um mehr als elf Prozent). Damit liegen die Niedersachsen deutlich über dem hiesigen Wirtschaftswachstum von gerade 0,8 Prozent – und vor dem Branchenprimus Givaudan, in der Schweiz ansässig und mit 1,7 Milliarden Euro Halbjahresumsatz doppelt so groß wie Symrise. Die Eidgenossen wuchsen in Euro gemessen um sechs Prozent.

Der große Vorteil von Symrise sind zwei Produktkategorien, in denen der Weltmarktführer Givaudan und andere Konkurrenten bislang nicht präsent sind: kosmetische Wirkstoffe – die Firma ist beispielsweise weltweit einer der größten Hersteller von Sonnenfiltern – und funktionale Substanzen für Nahrungsmittel. Beide Produktkategorien werden gegenwärtig stark nachgefragt. Die Folge: Das Geschäft mit ihnen wächst schneller als das mit Aromen und ist auch profitabler. Die operative Marge (Income from operations im Verhältnis zu Sales) beträgt 15 Prozent, Konkurrent Givaudan kommt auf 13,9 Prozent.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, investiert Symrise hohe Beträge in Forschung und Entwicklung, mit aktuell 6,4 Prozent des Umsatzes fast so viel wie beispielsweise der Pharmariese Bayer (8 Prozent).

Anfang August wurde für 12 Millionen Euro ein Forschungszentrum in Brasilien eröffnet, um das Wachstum bei Substanzen für Körperpflegeprodukte in Lateinamerika weiter voranzutreiben. Kurz zuvor öffnete am Stammsitz eine neue, 16 Millionen Euro teure Anlage zur Produktion von naturidentischem Menthol, ein Stoff, bei dem Symrise Weltmarktführer ist. Die starke Position in diesem Geschäft beförderte unter anderem die Erlöse in den USA, die 19 Prozent zulegten – dort gewann die Firma neue Großkunden, die Menthol für ihre Mundpflegeprodukte benötigen.

Um alle Investitionen in Höhe von insgesamt 36 Millionen Euro zu finanzieren, brauchte Symrise keine Kredite. Der operative Cash Flow, also das, was dem Unternehmen an Liquidität zufloss, war mit gut 62 Millionen Euro mehr als ausreichend. Das geht schon länger so, weshalb Symrise seit dem Börsengang 2006 ein Kunststück gelang: Die Firma, ein Zusammenschluss zweier Beteiligungen der Private-Equity-Gruppe EQT, hatte von dem Investmenthaus hohe Schulden aufgebürdet bekommen: Auf 907 Millionen Euro belief sich die Belastung Ende 2006. Die Eigenkapitalquote lag bei weniger als zwei Prozent. Doch dann begann der Aufschwung: Symrise war selbst im Krisenjahr 2009 profitabel und wuchs weiter – was auch damit zusammenhängt, dass das Unternehmen zum großen Teil Zutaten für Produkte des täglichen Bedarfs wie Reinigungsmittel sowie Körper- und Zahnpflege liefert, die immer gebraucht werden. Heute haben sich die Schulden dank jahrelanger guter Ergebnisse nahezu halbiert, die Eigenkapitalquote (Total Equity im Verhältnis zur Bilanzsumme, also Total Equity and Liabilities) beträgt 44 Prozent.

Zum Erfolg trägt auch die Einkaufsstrategie bei. 10.000 verschiedene Rohstoffe muss Symrise beschaffen. Trotz heftiger Preisausschläge schaffte es die Firma, die Herstellungskosten (Cost of Sales) in Relation zum Umsatz nahezu stabil zu halten. Das gelang dank langfristiger Verträge und einer engen Zusammenarbeit mit den Lieferanten der wichtigsten Zutaten, ob Vanille-Farmer in Madagaskar oder Gemüse-Bauern in Niedersachsen. Das Resultat: Die Bruttomarge, die angibt, wie viel vom Umsatz nach Herstellungskosten als Bruttoergebnis übrig bleibt (Gross Profit im Verhältnis zu Sales), ist in Holzminden mit 40,6 Prozent fast so hoch wie bei dem mit 42,8 Prozent vielleicht profitabelsten Unternehmen der Welt: Apple.

Die Geschichte von Symrise reicht zurück bis 1874, dem Jahr der Gründung des Aromenproduzenten Haarmann & Reimer, dem als erstem Unternehmen weltweit die Herstellung künstlicher Vanille gelang. Die Firma wurde 1953 von der Bayer AG übernommen, die sie 2002 an den Finanzinvestor EQT weiterreichte. EQT fusionierte sie mit der zuvor im Familienbesitz befindlichen Dragoco AG zu Symrise und brachte die Gruppe 2006 an die Börse. Mit einem Marktanteil von zehn Prozent, 30000 Produkten und rund 5000 Mitarbeitern ist Symrise in seiner Branche die Nummer vier weltweit.