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Das Öl-Paradox

Immer wieder sagen Forscher das Ende des Erdölzeitalters voraus. Doch die weltweite Fördermenge steigt seit Jahren an. Wie kann das sein?




• Als der Preis für ein 119-Liter-Fass der Sorte Brent zum ersten Mal über die 100-Dollar-Marke kletterte, war die Stunde der Endzeit-Propheten gekommen. Nicht nur sie sagten das Ende des Ölzeitalters voraus, auch der Energie-Riese Total orakelte 2008, die weltweite Förderung werde bald ihr Maximum erreichen. Der sogenannte Peak aber lässt bis heute auf sich warten – gleichzeitig steigt der Verbrauch nach wie vor an, vor allem in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien. Dort wächst mit dem Lebensstandard der Energiehunger. Allein in China stieg der jährliche Absatz von Pkw in den vergangenen zwölf Jahren von 600.000 auf mehr als zwölf Millionen.

Höhere Energieeffizienz und erneuerbare Quellen in Deutschland und anderen OECD-Ländern fallen demgegenüber kaum ins Gewicht. Während Windkraft, Biogas und Fotovoltaik die Öl-Nachfrage in den alten Industrieländern drücken, fahren in den Schwellenländern immer mehr Menschen die Tankstellen an.

Die Konzerne scheuen deshalb weder Kosten noch Anstrengungen, um mit immer neuerer Technik den begehrten Rohstoff aus der Erde zu holen. Sie bohren tiefer, waschen Erdöl aus Sand oder brennen es aus Schiefergestein heraus. Seit 1998 ist die Fördermenge um 13,6 Prozent gestiegen, die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass sie noch bis 2035 steigen wird.

"Die Meldungen vom Ausgehen des Erdöls sind ein wenig alarmistisch", sagt auch der Energieökonom Christoph Weber von der Universität Duisburg-Essen. Wie die IEA geht auch er davon aus, dass die Fördermenge frühestens in 20 Jahren zurückgehen könnte. Dann wird Deutschland noch deutlich weniger abhängig vom Erdöl sein. Schon heute produziert die Bundesrepublik 11,5 Prozent ihres Wärmebedarfs und 25 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energien.

Während sich die Öl-Ära hierzulande also tatsächlich dem Ende zuneigt, fängt sie in den Schwellenländern erst richtig an.