Partner von
Partner von

German Angst

In den vergangenen 30 Jahren jagten die Medien ein Großrisiko nach dem anderen. Gleichzeitig nahm die Bereitschaft, sich zu erregen, kontinuierlich ab.




I. Waldsterben Was war?

Vom Jahr 1981 an kommt in der deutschen Bevölkerung die Angst auf, der deutsche Wald werde sterben. Die Annahme geht wesentlich zurück auf die wissenschaftlichen Untersuchungen des Direktors des Instituts für Bodenwissenschaften in Göttingen, Bernhard Ulrich. Dieser prophezeite in einer aufsehenerregenden Titelgeschichte des "Spiegel", bis Mitte der Achtzigerjahre würden "die ersten deutschen Wälder" gestorben sein, sie seien nicht mehr zu retten. Ursache sei der saure Regen, der die Waldböden schädige.

Was ist?

Der Wald lebt. Ulrich distanzierte sich 1995 von seinen eigenen Hypothesen, diese seien von den erhobenen Daten nicht gedeckt gewesen und müssten somit verworfen werden. Nach dem Waldzustandsbericht von 2011 sind 20,4 Prozent des deutschen Waldes geschädigt. Im Jahr 1984 waren es 18,9 Prozent.

Gründe

Die natürlichen Ursachen für das Absterben von Bäumen wurden nicht angemessen berücksichtigt. Zudem haben schärfere Umweltgesetze und technische Neuerungen die Luftqualität verbessert.

II. Aids Was war?

Mitte der Achtzigerjahre greift in Deutschland die Angst vor der Immunschwächekrankheit Aids um sich und führt zu teilweise hysterischen Reaktionen in der Öffentlichkeit. Der bayrische CSU-Politiker Peter Gauweiler etwa fordert Zwangstests, Registrierung und Meldepflicht von HIV-Infizierten, der "Spiegel" spricht von der "Homosexuellen-Seuche". Und der damalige Kardinal und heutige Papst Joseph Ratzinger sagt: "Man muss nicht von einer Strafe Gottes sprechen. Es ist die Natur, die sich wehrt." Verschiedene Epidemiologen prophezeien apokalyptische Zustände: Bis zum Jahr 2000 seien in Europa genauso viele Menschen infiziert wie in Afrika, längerfristig werde jeder dritte Mensch auf der Welt an den Folgen von Aids sterben.

Was ist?

Nach aktuellen Studien leben weltweit zurzeit rund 34 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, die meisten in Ländern südlich der Sahara. In Deutschland sind es rund 70000. Die Zahl der jährlichen Neuinfektionen liegt weltweit bei 2,7 Millionen, in Deutschland bei rund 3000.

Gründe

Es gab weltweit große Aufklärungskampagnen, die vermittelten, wie man sich vor der Infektion schützen kann. Außerdem wird das Virus weniger leicht übertragen als ursprünglich befürchtet. Seit Oktober 1985 müssen alle Blutprodukte auf HIV-Antikörper untersucht werden. Es gibt Therapien, die den Krankheitsverlauf abschwächen und die Lebensdauer der Infizierten deutlich verlängern. Aids ist jedoch nach wie vor nicht heilbar.

III. Ozonloch Was war?

Mitte der Achtzigerjahre erschrecken Berichte über den starken Abbau der die Erde schützenden Ozonschicht über dem Südpol die Öffentlichkeit. Verantwortlich dafür sind Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Diese als Treibgase bezeichneten Chemikalien werden in vielen Produkten des täglichen Lebens verwendet, wie etwa in Kühlschränken, Spraydosen oder Putzmitteln. Wissenschaftler befürchten durch die verstärkt auf die Erde treffenden UV-Strahlen einen dramatischen Anstieg von Hautkrebs, die Erblindung von Tieren und Menschen sowie die Zerstörung von Ökosystemen. Modellrechnungen gehen von der Halbierung der Ozonschicht bis zum Jahr 2086 aus.

Was ist?

Das Ozonloch schließt sich. Die Forschung geht inzwischen davon aus, dass sich die Ozonschicht bis zum Jahr 2100 vollständig erholt haben wird.

Gründe

Seit der Verabschiedung des Montreal Protokolls im Jahr 1987 haben sich 196 Länder verpflichtet, die Ozonschicht schädigende Substanzen drastisch zu reduzieren. In Deutschland tritt im Jahr 1991 das FCKW-Verbot in Kraft. Mittlerweile werden weltweit 97 Prozent aller für die Ozonschicht schädlichen Substanzen eingespart.

IV. Brennende Ölquellen Was war?

Am Ende des Zweiten Golfkriegs lässt der irakische Diktator Saddam Hussein in Kuwait mehrere Hundert Ölquellen anzünden. Wissenschaftler befürchten eine globale Katastrophe: Die Rußwolken würden kilometerhoch aufsteigen und eine lichtundurchlässige Schicht zwischen Sonne und Erde bilden. Dies führe zu einem nuklearen Winter im Tropengürtel, saurem Regen, Ernteausfällen durch das Ausbleiben des Monsuns in Indien sowie zur Verstärkung des globalen Treibhauseffekts. Experten nehmen an, die Löschung der brennenden Ölquellen werde mehrere Jahre dauern.

Was ist?

Die brennenden Ölquellen werden von dem US-amerikanischen Brandspezialisten Paul Neal Adair binnen neun Monaten gelöscht. Die Umweltfolgen bleiben lokal begrenzt.

Gründe

Adair verfügte über spezielle Löschtechniken. So sprengte er etwa Dynamit in der Nähe der Quelle und entzog ihr dadurch den nötigen Sauerstoff, was zum Ersticken des Feuers führte, oder er füllte flüssigen Zement ins Bohrloch, um das nach oben schießende Öl vom Feuer abzuschließen.

V. BSE Was war?

Im Jahr 2000 wird in Deutschland der erste Fall von Rinderwahn amtlich bestätigt. Seit dem Bekanntwerden der Tierseuche im Jahr 1986 war BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) nur in Großbritannien aufgetreten. Forscher befürchten, Menschen könnten sich durch den Genuss von Rindfleisch infizieren und an einer Variante der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) erkranken. Die EU-Kommission schätzt die Zahl der möglichen Infektionen von Menschen auf eine halbe Million, Forscher der Universität Oxford rechnen mit 136000 Toten.

Was ist?

Weltweit starben insgesamt 224 Menschen an der durch BSE ausgelösten vCJK: 175 davon im Vereinigten Königreich, 25 in Frankreich. In Deutschland ist kein einziger Todesfall bekannt. Bei Rindern treten in Großbritannien seit dem Jahr 2011 so gut wie keine Fälle von BSE mehr auf. In Deutschland wurde vor drei Jahren der letzte Fall der Seuche amtlich festgestellt.

Gründe

Seit dem Jahr 2001 muss jeder EU-Staat umfangreiche Kontrollen bei Rindern durchführen: Es ist Pflicht, alle Tiere, die bei der Schlachtung älter als 30 Monate sind, auf BSE zu untersuchen. Außerdem besteht seitdem ein Verbot, Tiermehl und -fett zu verfüttern, wodurch die Krankheit in den meisten Fällen übertragen wurde. In Deutschland muss sämtliches Risikomaterial, etwa Hirn, Augen, Rückenmark, nach der Schlachtung entfernt werden und darf auch nicht weiterverwertet werden. -