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Die Revolution frisst ihre Kinder

Jahrelang kämpften die deutschen Ökostromanbieter für Energiewende und Atomausstieg. Seit Fukushima sind ihre Ziele Regierungsprogramm - und die einstigen Pioniere auf der Suche nach neuen Herausforderungen.




- Der 11. März? Thomas Banning lacht trocken auf wie über einen Witz, den man schon ein paar Mal zu oft gehört hat. Der 11. März 2011. Natürlich. Der Freitag. "Als ich an dem Tag die Nachrichten hörte", sagt der Energiemanager, nachdem er ein paar Sekunden lang in sich hineingehorcht hat, als liefe dort eine Aufzeichnung der damaligen Ereignisse, "da dachte ich zuerst: Das darf einfach nicht wahr sein. Bloß nicht noch ein Tschernobyl! Und natürlich habe ich mich gefragt, welche Auswirkungen Fukushima für uns haben könnte."

Es ist ein sonniger Feiertagmorgen im fränkischen Forchheim, an dem Thomas Banning von jenem schicksalhaften Tag erzählt. Banning ist 56 Jahre alt, schlank, grauhaarig und, wenn man ihn auf die Energiewende anspricht, kaum mehr zu stoppen. Die vergangenen zwölf Jahre hat der ehemalige Siemens-Manager als Vorstandssprecher der Naturstrom AG im Kampf um Ökostromkunden verbracht. Es war ein zäher Kampf, denn die Bundesbürger waren bei Weitem nicht so wechselfreudig, wie es die Energiemonopolisten befürchtet und die Energierebellen bei der Marktliberalisierung 1999 gehofft hatten. "Die überzeugten Ökos waren natürlich sofort bei uns", sagt er. "Aber nach 6000 Kunden war Schluss mit Wachstum."

Die Anfangsjahre waren hart, doch Thomas Banning und seinen Kollegen ist es gelungen, das Unternehmen auf Kurs zu halten. Heute ist die Zentrale der Naturstrom AG in einem Bürohochhaus untergebracht, einem trostlosen Klotz mit abwaschbarem Mobiliar und grauer Auslegeware, in die noch das Logo des Vorgängerunternehmens eingewebt ist. Genügte in den Anfangsjahren noch ein Kellerraum, haben sie sich mittlerweile auf zwei Etagen ausgedehnt. Dank Klimawandel-Diskussion und Fukushima ging es für sie steil bergauf. Zunächst jedenfalls.

Damals, im März 2011, überrollten die Ausläufer des japanischen Tsunamis die Energierebellen. Bei der Naturstrom AG mussten sie hektisch Zeitarbeitskräfte anheuern, um des Ansturms Herr zu werden. Binnen vier Wochen nach der Katastrophe von Fukushima wollten 40000 Menschen Kunden werden, und bis zum Jahresende gewann das Unternehmen mehr Abnehmer als in den gesamten zwölf Jahren zuvor. Rekorde meldeten auch die drei anderen unabhängigen Anbieter grünen Stroms, Greenpeace Energy, Lichtblick und EWS Schönau: Bei der Hamburger Lichtblick AG schnellten die Anmeldungen von durchschnittlich 6000 Neukunden pro Monat auf 15000 im April 2011.

Für die kleine Branche war der Reaktor-Crash ein ähnliches Erweckungserlebnis wie Boris Beckers Wimbledon-Sieg für den deutschen Tennissport. Die Katastrophe am anderen Ende der Welt sorgte für Super-Umsätze und schlagartig erhöhte Aktivität. Jedenfalls ein paar überhitzte Wochen lang.

Mittlerweile ruht die Branche in einer Art Abklingbecken. "Fukushima entfachte ein Strohfeuer für uns", räumt Banning ein, "aber auf mittlere Sicht nimmt es uns den Wind aus den Segeln." Die Neukundenzugänge sind auf 500 Haushalte pro Woche und damit sogar unter das Niveau vor Fukushima gesunken. Genau wie die anderen drei unabhängigen Versorger ist auch Bannings Firma auf der Suche nach einer neuen Positionierung.

Während die Naturstrom AG und EWS Schönau an basisdemokratischen Bürger-Energienetzen knüpfen, setzt die Greenpeace Energy Genossenschaft auf Windgas - eine Technik, mit der überschüssiger Windstrom in Gas umgewandelt und gespeichert werden soll. Die Lichtblick AG wiederum will sich mit sogenannten Zuhause-Kraftwerken profilieren, denn auch beim Marktführer ist der Wechselstrom seit Fukushima abgeflaut. "Die Überzeugungsarbeit ist sehr viel diffiziler geworden", bedauert ein Sprecher. "Denn die allermeisten Kunden entscheiden sich nun einmal für Ökostrom, weil sie sich die Energiewende und den Ausstieg aus der Atomenergie wünschen."

Grün, grün, grün ist heute fast alles - auch wenn es häufig nur Dekoration ist

Genau das aber ist heute Programm. Seit die Bundesregierung im Juni 2011 das Aus für die Atomkraft beschlossen hat, bewegt sich Deutschland Gigawatt für Gigawatt Richtung Grünstromland. In zehn Jahren wird voraussichtlich der letzte deutsche Meiler vom Netz gehen. Zu diesem Zeitpunkt sollen nach Vorstellung von Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr als 35 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen stammen. Schon jetzt schicken sich Wind-, Wasser-, Sonnen- und Bioenergie an, die Atommeiler zu überholen.

Anders gesagt: Was kürzlich noch als utopisch galt, ist jetzt amtlich. Aus Avantgarde wird Mainstream. Und den einstigen Energierebellen droht das Schicksal verdienter Alt-Revolutionäre, die von der Erfüllung ihrer Forderungen überrollt werden.

"Dass Pioniere in Probleme geraten, wenn sich ein Markt professionalisiert, ist völlig normal", sagt Hubertus Bardt, Energieexperte beim Kölner Institut der deutschen Wirtschaft. Dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2000, das eine von allen Kunden zu tragende Vergütung für Naturstrom festschrieb, wachse der Anteil alternativer Energien ganz automatisch. Damit geraten die Anbieter reinen Ökostroms in Argumentationsschwierigkeiten. "Jeder Durchschnittshaushalt subventioniert die erneuerbaren Energien heute mit rund 120 Euro im Jahr. Da kommt der eine oder andere ins Grübeln, ob er wirklich noch mehr tun muss", sagt Bardt. Das Marktsegment der überzeugten Atomstromgegner ist nach seiner Einschätzung spätestens seit Fukushima komplett abgeschöpft.

Weitaus gefährlicher als das Schrumpfen ihrer Zielgruppe aber ist für die einstigen Rebellen die Wandlung ihrer früheren Gegner RWE, Eon & Co. Aus grauen Großkonzernen, die sich mit Zähnen und Klauen gegen die Öko-Konkurrenz gewehrt und für den Fall des Atomausstiegs mit Stromausfällen gedroht haben, sind scheinbar tiefgrüne Chamäleons geworden, die sich mit umweltfreundlichen Offerten und Nachhaltigkeitsinitiativen zu überbieten suchen. Heute gibt es kaum ein Energieunternehmen mehr, das keinen Öko- oder Grünstromtarif im Angebot hat; im Schnitt kann jeder Deutsche aus mehr als 90 Öko-Angeboten wählen, wie Uwe Paschert vom Energie-Informationsdienstleister Ene't recherchiert hat.

Die ehemaligen Todfeinde der Berufs-Alternativen, die ihnen mit Kohle- und Atomkraftwerken überhaupt erst die Existenzberechtigung lieferten, sind heute mächtige Konkurrenten. Und in seinem Forchheimer Büro braucht Thomas Banning nur mal in einer "Spiegel"-Ausgabe zu blättern, um sich maßlos zu ärgern.

"Ihr gestaltet also die Zukunft der Energie. Redet Ihr nur oder macht Ihr auch was?", fragt da ein gewisser Stefan Rehm in einer ganzseitigen Anzeige. Unten auf der Seite findet sich das große Wort "Energiezukunft" sowie der Name jenes Versorgers, der die aufwendige Kampagne bezahlt. "Hallo Herr Rehm", antwortet der Großkonzern Eon in großen Lettern, "wir bauen den Windpark ,Amrumbank West'. Für noch mehr grünen Strom."

Natürlich sei das "reines Greenwashing", wettert Banning, schließlich habe Eon noch nicht einmal mit dem Bau des Windparks begonnen. Bis von Amrumbank West der erste Strom fließe, vergingen noch mindestens drei Jahre. Nach wie vor stecke der Riese den größten Teil seiner Investitionen in konventionelle Kohle- und Atomkraftwerke. Und für Kunden, die sich für einen Eon-Ökostromtarif entscheiden, werde kein einziges Kilowatt an erneuerbaren Energien zusätzlich produziert, sondern schlicht jene aus bestehenden Wasserkraftwerken mit Aufpreis verkauft. "Mit Energiezukunft hat das alles also genauso wenig zu tun wie Handauflegen mit einer profunden medizinischen Therapie."

Aber es nützt nichts. Wenn Banning heute Gesprächspartner auf ihren Anbieter ("Ob zu Greenpeace Energy, EWS Schönau oder uns, das ist mir egal - Hauptsache, die Leute wechseln") anspricht, bekommt er häufig zur Antwort: "Wieso, mein konventioneller Versorger tut doch auch was." Die entscheidenden Unterschiede zwischen Marketing und einem guten Stromprodukt, seufzt Banning, "sind Kunden nur mühsam zu vermitteln". Er weiß, dass ein Konzern wie Eon für eine einzige Werbekampagne mehr ausgibt, als er im ganzen Jahr für Kommunikation zur Verfügung hat. Er weiß auch, dass mittlerweile mehr als zwei Millionen Haushalte die Öko-Angebote konventioneller Anbieter gewählt haben - doppelt so viele, wie bei den unabhängigen Ökostromern unter Vertrag sind. Trotz Fukushima.

Muss ein Veteran wie er sich da nicht ständig die Haare raufen? "Kommen Sie", sagt er statt einer Antwort und führt den Besucher in den scheppernden Fahrstuhl und hinunter auf den Firmenparkplatz, wo sich gerade ein Mitsubishi i-MiEv mit einer Tankfüllung Naturstrom vollsaugt. Im firmeneigenen Elektromobil geht es dann hinaus aufs Land, hinein in die sattgrüne Hügellandschaft der fränkischen Schweiz, bis Banning den Wagen nach gut 30 Kilometern am Rande der Ortschaft Neudorf ausrollen lässt. Hoch oben auf einer Hügelkuppe stehen hier drei nagelneue, 140 Meter hohe Nordex-Windkraftanlagen, deren frische Fundamente ein Bagger gerade erst mit Schotter eingedeckt hat.

"Was Sie hier sehen", sagt Banning, "ist ein Stück Energiewende vor Ort." Das sei etwas ganz anderes als das Großprojektdenken der Konzerne. "Anders als die wollen wir nicht beherrschen, sondern bewegen." Konkret heißt das: Nachdem die Naturstrom AG die je 3,8 Millionen Euro teuren Turbinen vorfinanziert hat, will sie zwei Drittel der Besitzanteile am liebsten gleich wieder veräußern. Ein Drittel soll an Nachbarn und Anwohner gehen, die außerdem Ökostrom zum Vorzugspreis beziehen können. Ein weiteres Drittel soll von der eigens gegründeten NaturStromQuelle Fränkische Schweiz GmbH übernommen werden, die als Bürgerbeteiligungsgesellschaft weitere Wind- und Solarkraftwerke in der Region betreiben soll. Banning hat außerdem dafür gesorgt, dass Fundament- und Turmbauarbeiten von ortsansässigen Firmen übernommen und auf diese Weise etwa eine Million Euro Wertschöpfung pro Mühle gleich in der Region einbetoniert wurden.

"Großkraftwerke - das war gestern", sagt Banning. "Wir setzen auf Bürgerbeteiligung und ganz unterschiedliche Energieerzeugungsmodelle." Bannings Traum ist ein Netz aus vielen kleinen Kraftwerken, die lokal für die Leute vor Ort Energie erzeugen und ihnen im Idealfall auch gehören. Damit würde nach seinem Dafürhalten nicht nur ein Gutteil der umstrittenen Hoch- und Höchstspannungstrassen überflüssig, die Energie kreuz und quer durch die Republik transportieren sollen - es ließe sich auch viel schneller viel mehr Kapazität installieren.

"Hören Sie das?", fragt Banning und deutet zu den 50 Meter langen Rotorblättern hinauf, die sich mit leisem Tschupp-tschupp im lauen Frühlingswind drehen. "Bei Windstärke 6 hören Sie dieses Geräusch auch noch in 600 Metern Entfernung auf Ihrer Terrasse. Wenn Ihnen die Mühle von irgendeinem Investor vor die Nase gesetzt worden ist, ärgern Sie sich darüber und tun alles, um weitere Windräder zu verhindern. Ist es jedoch Ihr eigenes Kraftwerk, dessen Größe und Standort Sie selbst mit bestimmt haben, freuen Sie sich möglicherweise sogar."

Auch bei Stromversorgern gilt: Das Entscheidende steht im Kleingedruckten

Deshalb reist Banning derzeit ständig durch die Bundesrepublik. An mehr als 30 ähnlichen Wind- oder Solarprojekten hat sich sein Unternehmen beteiligt. In vier Regionen will es gemeinsam mit Bürgern sogar gleich das örtliche Stromnetz übernehmen und Stromerzeugung sowie -versorgung komplett in eigener Regie regeln. Banning will seine Firma dabei nicht nur als Investor, sondern als Berater, Partner und Stromhändler auftreten lassen, der den regenerativ erzeugten Strom direkt an Kunden weiterreicht. "Denn die Städte brauchen die Energie vom Land."

Kurioserweise stammt deutscher Naturstrom heute nur zu einem geringen Teil aus jenen Wind-, Solar- und Biogaskraftwerken, die überall im Land entstehen. Weil deren Betreiber ihren Strom meist zu den lukrativen Sätzen des EEG vergüten lassen, dürfen sie ihr Produkt - um eine Doppelförderung zu vermeiden - nicht mehr als ausgewiesenen Ökostrom verkaufen. Stattdessen wird Strom aus regenerativen Energiequellen an der Leipziger Strombörse mit Kohle-, Gas- und Atomstrom vermischt und als Graustrom ins Netz eingespeist.

Für den Grünstrommarkt hat diese Regelung absurde Konsequenzen. Zum einen dürfen selbst Energieversorger, die weder Ökostrom einkaufen noch anbieten, einen Teil ihres Strom als "grün" ausweisen - schließlich enthält der durchschnittliche deutsche Strommix heute automatisch einen 20-prozentigen Erneuerbaren-Anteil. Am anderen Ende des Marktes müssen unabhängige Ökoanbieter wie EWS Schönau, Lichtblick und Greenpeace Energy ihren Bedarf bei norwegischen oder österreichischen Wasserkraftwerken decken. Während EWS Schönau und Greenpeace Energy immerhin einen bestimmten Teil ihrer Einnahmen in zusätzliche Kapazitäten für erneuerbare Energie stecken, kauft die Naturstrom AG zusätzlich als einziger Anbieter direkt bei deutschen Wind- und Wasserkraftwerksbetreibern ein. Diese Einkaufspolitik, sagt Thomas Banning, koste sein Unternehmen viel Geld, schließlich muss es seinen Lieferanten den Verzicht auf die EEG-Förderung ausgleichen. "Aber sie ist ein Beitrag zur echten Einbindung erneuerbarer Energieträger in den deutschen Markt - und für uns ein Alleinstellungsmerkmal."

Aber reicht das? Früher brauchte einer wie Thomas Banning keine 30 Sekunden, um Zuhörern den Unterschied zwischen Energierebellen und -monopolisten zu erklären. Heute ist jeder irgendwie alles, zumindest auf den ersten Blick. Sorgt ein Stromversorger tatsächlich für zusätzliche erneuerbare Kapazitäten, die konventionelle Kraftwerke ersetzen? Bleibt zumindest ein Teil des Geldes in der Region? Investiert er ausschließlich in regenerative Energien, oder landen seine Umsätze auch in Kohle- und Atomkraftwerken? Derlei Kleingedrucktes macht heute den großen Unterschied. Den Kunden aber, sagt Banning, während er den Wagen zurück Richtung Forchheim lenkt, "ist dieser Unterschied nur verdammt mühsam zu vermitteln".

600 Kilometer nördlich von Forchheim sitzt in einem hellen, glasverspielten Konferenzraum ein Mann, der glaubt, es dennoch schaffen zu können. Christian Friege war früher einmal Chef der britischen Bertelsmann-Buchclubs und Kundenvorstand beim Mobilfunkanbieter Debitel. Er hat, wie er sagt, in dieser Zeit gelernt, "wie man große Kundengruppen glücklich machen kann". Und er weiß noch nicht, dass er wenige Tage später wegen Differenzen mit dem Aufsichtsrat abgelöst werden wird.

Noch ist Christian Friege als Vorstandsvorsitzender der Lichtblick AG verantwortlich für 640000 Kunden, die sich ihre Energie vom Marktführer mit Sitz in Hamburg-St. Pauli liefern lassen. Relevant für die Entwicklung des Unternehmens aber ist eine weitaus interessantere Zahl, nämlich rund 39 Millionen deutsche Haushalte, die es noch für wahrhaft sauberen Strom zu gewinnen gilt.

Lichtblick will dafür keine weiteren Wind- oder Solarkraftwerke aufstellen, weil der Ausbau erneuerbarer Kapazitäten heute bereits zügig voranschreitet. Es will die bestehenden besser einsetzen und setzt auf eine waschmaschinengroße Kiste, die seine Techniker gemeinsam mit der Volkswagen AG entwickelt und "Zuhause-Kraftwerk" getauft haben. Grob vereinfacht, birgt die Kiste einen effizienten Motor, der mit Gas befeuert wird und neben Strom auch Wärme produziert. 100000 dieser Kraftwerke will die Lichtblick AG im Laufe der nächsten Jahre in deutsche Heizungskeller einbauen. Wenn diese Geräte von der Hamburger Zentrale gestartet würden, so der Gedanke, könne der erzeugte "Schwarmstrom" Versorgungslücken in Nullkommanix ausgleichen. Damit, sagt Christian Friege stolz, schaffe man den dringend erforderlichen Ausgleich zur schwankenden Windversorgung, "schließlich wollen wir ja auch in Zukunft nicht nur bei Sturm Fernsehen gucken".

Dabei seien diese Maschinen sogar effektiver als herkömmliche Energieträger, behauptet er. Bis bei Windflaute oder bedecktem Himmel ein Atomkraftwerk hochgefahren sei, vergingen normalerweise 48 Stunden. Kohlekraftwerke benötigten immerhin noch vier Stunden, "und in der Zeit kann sich der Wind zigmal gedreht haben". Um seine kleinen Kisten anzuwerfen, reichten 30 Sekunden.

Allerdings benötigt ein derartiger Energieschwarm eine völlig neuartige Steuerungssoftware. Die steuert heute bereits die Zuhause-Kraftwerke und wird von den Lichtblick-Technikern stets weiterentwickelt. Es ist ein ziemlich komplexes Programm, schließlich müssen Wind- und Wetter daten, voraussichtlicher Strombedarf und die Daten Tausender Mini-Kraftwerke aufeinander abgestimmt werden.

"Wir waren Pioniere der Energiewende, und mit unserer neuen Entwicklung zeigen wir, dass wir es immer noch sind", sagt Christian Friege selbstbewusst - und der neue Chef Heiko von Tschischwitz hat daran nichts zu korrigieren. Allerdings hat die Lichtblick AG in den vergangenen zwei Jahren erst 450 dieser Kraftwerke installiert. Als Ausgleichsinstrument für Netzschwankungen ist ihr Einfluss auf absehbare Zeit mikroskopisch winzig. Als Marketingwerkzeug jedoch ist ihre Wirkung kaum zu überschätzen. -