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Die Badewannen-Kapitäne

Kaldewei konzentriert sich ganz auf das, was die Firma kann wie kaum eine andere: emaillierten Stahl fürs Bad.




- Er trägt den Vornamen und Namen seines Urgroßvaters, des Unternehmensgründers Franz Kaldewei, weshalb es nahelag, die Nachfolge des Urahns anzutreten. Doch der jungenhafte Franz Kaldewei, 31, betont im Besprechungsraum der Firma in Ahlen/Westfalen vor den Gemälden seiner drei Vorgänger: "Ich bin ganz frei gewesen, mich zu entscheiden." Und fügt fröhlich hinzu, dass er sich durch seine Ausbildung zum Industriekaufmann und das Studium der Betriebswirtschaft bemüht habe, "dem Drittvergleich standzuhalten".

Weil das offenbar gelungen ist, darf er nun machen. Sein Vater, noch häufig im Betrieb, hat ihm das Ruder 2009 übertragen und redet ihm nicht rein - auch wenn die beiden mal unterschiedlicher Meinung sind. Zum Beispiel über die Markenstrategie: Der Junior setzt ganz auf Premium, obwohl man auch vom Brot-und-Butter-Geschäft lebt und Standardware etwa an Wohnungsbaugesellschaften verkauft.

Franz Kaldewei findet, dass die Qualität der Wannen aus emailliertem Stahl - auf die es 30 Jahre Garantie gibt - sich im Auftritt des Unternehmens spiegeln solle. An den Katalogen und Messeständen war es zuerst zu sehen: Die Marke soll "emotionaler" und "begehrlicher" werden. Gern zählt er die Namen der Luxushotels auf, die sich für exklusive Ware aus Ahlen entschieden haben: vom Ritz-Carlton in Berlin über das Grand Hyatt in Dubai bis zum Mandarin Oriental in Tokio.

Sonst aber hat sich eine gewisse westfälische Sturheit der Inhaber als glücklich für die Firmenentwicklung erwiesen. Die Kaldeweis hielten auch dann noch an ihren unverwüstlichen Produkten fest, als in den Siebzigerjahren das leichter zu verarbeitende Acryl aufkam, das heute einen Marktanteil von 45 Prozent hat. Ihre aufwendige Technik verfeinerten sie ständig und wurden so die Nummer eins in Europa. Die hochautomatisierte Produktion mit zahlreichen Robotern erinnert an die in einer Autofabrik: Gewaltige Pressen bringen den 3,5 Millimeter starken Stahl - der sich kreischend dagegen wehrt - in viele verschiedene Wannenformen. Anschließend werden die Rohlinge im größten Brennofen der Welt in allerlei Farben emailliert, auf Wunsch mit einer selbstreinigenden oder rutschfesten Oberfläche. Alles made in Ahlen. Über eine Verlagerung der Produktion habe man nie nachgedacht, sagt der Chef, obwohl mittlerweile mehr als 50 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet werden.

Zupass kommt Franz Kaldewei der Trend zum schicken Nassbereich, oder wie er selbst es ausdrückt: "Das Bad ist die neue Küche." Weil derzeit ebenerdige Duschen modern sind, entwickelte man superflache Wannen samt Ablauf, die bündig mit dem Fußboden abschließen. Und damit Händler und Handwerker auch einen nachhaltigen Eindruck von den Produkten bekommen, haben die Kaldeweis vor einigen Jahren die einstige Villa des Gründers abgerissen, um auf dem Grundstück Platz für ein Kompetenzzentrum zu schaffen. Dort dürfen Fachbesucher die exklusiven Nassbereiche nicht nur bestaunen, sondern - wenn sie eine Badehose mitbringen - gern auch probebaden. -

Franz Kaldewei gründet im Oktober 1918 eine Firma, die Rohware für die Emaille-Industrie in Ahlen herstellt: Bratpfannen, Milchkannen und Waschbottiche. 1934 werden dort die ersten frei stehenden Badewannen produziert, die aus mehreren Teilen zusammengeschweißt und viermal gebrannt werden. Heinrich Kaldewei, der Sohn des Gründers, revolutioniert 1957 die Produktion: Mithilfe einer neuen Presse können Wannen erstmals aus einem einzigen Stück Stahl nahtlos geformt werden. Mit dieser Technik und pfiffiger Reklame verdrängt Kaldewei in den Sechzigerjahren die Gusswanne. Die Stabilität der hauseigenen Produkte demonstriert werbewirksam der Elefant Ayda, als er auf einer Wanne Platz nimmt. Franz-Dieter Kaldewei, der 1973 die Führung übernimmt, beauftragt namhafte Designer, darunter Ettore Sottsass, mit neuen Formen und Farben für die gute alte Badewanne. Heute werden täglich bis zu 8000 Stück produziert. Franz Kaldewei ist optimistisch, dass es so weitergehen wird, und hatte bei der Taufe seiner jüngst geborenen Tochter offenbar schon die fünfte Unternehmensführung im Sinn: Sie heißt Leni Franziska. Franz Kaldewei GmbH & Co. KG: Umsatz im Geschäftsjahr 2011: rund 200 Millionen Euro; Gewinn: k. A.; Mitarbeiter: 700