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Blick in die Bilanz: Der Herausforderer

Der südkoreanische Samsung-Konzern verkauft neuerdings mehr Smartphones als Apple und wird schon als Bezwinger des US-Riesen gefeiert - zu früh, wie ein Blick in die Zahlen zeigt.




Samsung Electronics, börsennotierter Teil eines verzweigten Konglomerats, das von der Unterhaltungsindustrie bis hin zum Schiffbau reicht, hat eine beeindruckende Erfolgsgeschichte: Der Umsatz hat sich seit 2005 (rund 80 Billionen südkoreanische Won, damals rund 80 Milliarden Dollar) mehr als verdoppelt. Selbst während der Finanzkrise wuchs die Firma zweistellig, zuletzt vor allem durch Marktanteilsgewinne bei Smartphones. Das ging zulasten von Konkurrenten wie Nokia und dem Blackberry-Hersteller RIM - nicht aber zulasten von Apple. Der US-Konzern wuchs noch schneller, die Erlöse seit 2005 verachtfachten sich nahezu. Und obwohl Samsung im ersten Quartal 2012 mit 42,2 Millionen Geräten erstmals mehr Smartphones verkaufte als Apple (35,1 Millionen), zog der Umsatz bei den Amerikanern stärker an: plus 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, bei Samsung waren es lediglich 22 Prozent.

Auch bei der Profitabilität liegt Apple weit vorn. Vom Umsatz bleiben nach Abzug der Herstellungskosten sowie sonstiger Ausgaben 31 Prozent als operativer Gewinn hängen. Bei Samsung sind es mit 9,8 Prozent weniger als ein Drittel, vor allem aus zwei Gründen: Zum einen sind die Koreaner auch in weniger margenstarken Geschäftsfeldern tätig, wie der Herstellung von Fernsehern und Speicherchips. Zwar zählen sie auch dort zu den Marktführern, verdienen aber schlechter. Außerdem produziert man mehr selbst als Apple, das die Herstellung seiner Technik weitgehend auslagert. Deshalb unterhält Samsung mehr Fabriken (stehen in der Bilanz mit gut 53 Milliarden Dollar, bei Apple sind es knapp 8 Milliarden Dollar), dazu kommen Abschreibungen darauf und andere Zusatzkosten etwa für Mitarbeiter oder Verwaltung.

Das Samsung-Modell hat auch Vorteile: Es erlaubt eine weitgehende Kontrolle der Produktion. Technische Neuerungen aus den vier verschiedenen Geschäftsbereichen - Chipherstellung (Semiconductor), Displays (DP), Consumer Electronics (CE) und Mobiltelefone (IM), siehe Tabelle ganz unten - können untereinander ausgetauscht werden. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (für alle Geschäftsfelder insgesamt) sind bei den Koreanern fast viermal so hoch wie bei Apple. Chips und Displays (zusammengefasst unter DS, für Device Solutions) mögen momentan nicht so gut laufen wie Mobiltelefone, sie werden aber dennoch immer besser - und tragen so auch zur Qualitätssteigerung bei den Smartphones bei. Das neue Galaxy S3 ist denn auch dem iPhone 4S in mancher Hinsicht technisch überlegen. Ein weiterer Vorteil für die Koreaner: Apple ist abhängig von ihnen, weil der Großteil der Komponenten der iPhones aus Samsung- Fabriken stammt - und so die derzeit schwächelnden Geschäftsfelder der Koreaner gestützt werden.

Die entscheidende Frage für beide Konzerne ist, wann es bei den Geräten für die mobile Nutzung des Internets zu einem erneuten Innovationsschub kommen wird - und wer diese Ära einleitet. Samsung ist zwar gut im Perfektionieren bestehender Techniken. So gelten seine Fernseher in der Premiumklasse mittlerweile als nahezu konkurrenzlos, die Smartphones den Apple-Geräten als ebenbürtig. Das erklärt die Gewinnexplosion im vergangenen Jahr (Y-on-Y bedeutet year-on-year) in diesen Geschäftsfeldern. Echte Innovationen, etwa ein ganz neues Gerät wie iPod oder iPad, hat die Firma bislang aber nicht hervorgebracht.

Gut gerüstet für den Kampf um die Vorherrschaft im mobilen Internet sind beide Konzerne: Hohe Eigenkapitalquoten (Total equity durch Total assets, bei Samsung: 65 Prozent, bei Apple: 66 Prozent) - zum überwiegenden Teil gebildet aus einbehaltenen Gewinnen (Retained earnings) - bilden ein starkes Polster; und beide verfügen über derart hohe Barmittel (geparkt in Cash und zwei weiteren Positionen), dass sie die Schulden weit übersteigen. Allerdings hat auch hier Apple die Nase vorn: Mit gut 80 Milliarden Dollar ist die Cash-Position der Amerikaner fast viermal so hoch wie die von Samsung.

Die Samsung-Gruppe ist mit einem Umsatz von umgerechnet rund 220 Milliarden Dollar und 344000 Mitarbeitern in 72 Ländern weltweit der größte südkoreanische Mischkonzern, Samsung Electronics die einzige börsennotierte Tochter. Die Firma wurde 1938 von Lee Byung Chull als Handelshaus gegründet und wird bis heute von der Familie Lee kontrolliert, die allerdings zerstritten ist. Der Patriarch Lee Kun Hee gilt als rücksichtslos, die Unternehmenskultur als militärisch und ruppig. Konkurrenten klagen über unlautere Praktiken, mit Apple streitet sich Samsung über Patentverletzungen vor Gericht.