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Zahlen! Oder wir schießen!

Im Jahr 1902 war Venezuela pleite und konnte seine Schulden nicht mehr bezahlen. Daraufhin schickten Deutschland und Großbritannien Kriegsschiffe.




• Geld hört die Freundschaft auf. Dies erfuhr Cipriano Castro, Staatschef von Venezuela, im Jahr 1902. Immerhin 119,3 Millionen Bolívar, 96,6 Millionen Reichsmark, schuldete sein Land den Deutschen und Briten. Das Geld war unter anderem für den Bau einer Eisenbahnlinie geflossen, für den sich Venezuela 1895 bei der Berliner Disconto-Gesellschaft Geld geborgt hatte. Doch nun war Venezuelas Staatskasse leer - und Castro stellte die Zahlungen ein.

Er baute darauf, dass die Amerikaner ihn gegen die Europäer schon in Schutz nehmen würden. Doch weit gefehlt. "Wenn sich ein südamerikanisches Land gegenüber einem europäischen Land schlecht verhält - dann sollen ihm die Europäer den Hintern versohlen", verkündete US-Präsident Theodore Roosevelt.

Und so kam es. Deutschland und Großbritannien zogen Kriegsschiffe vor Venezuelas Küste zusammen und blockierten am 9. November 1902 den Hafen von La Guaira. Sechs Schiffe der venezolanischen Marine wurden dabei beschädigt. Während die Briten versuchten, Puerto Cabello zu erobern, beschossen die Deutschen ein Fort am Maracaibo-See.

Im Februar 1903 wurde Castro so gezwungen, 30 Prozent der Zolleinnahmen für den Schuldendienst an die beiden Angreifer zu verwenden. Auch das sorgte für Widerspruch - bei anderen Gläubigern.

So musste der Ständige Schiedshof in Den Haag klären, ob die Krieg führenden Parteien das Recht einer Vorzugsbehandlung bei der Schuldentilgung hatten. Das Urteil: selbstverständlich. Wären andere Gläubiger gleich behandelt worden, hätten sie ja von einer militärischen Intervention profitiert, für die sie keine Opfer bringen mussten. Doch 1907 wurden diese Form des Geldeintreibens verboten und die Haager Konventionen um einen wichtigen Passus ergänzt: Der Einsatz des Militärs zum Eintreiben ausstehender Schulden ist seither international geächtet.