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Lebepur

Sich gesund ernähren, ohne lange in der Küche zu stehen? Zwei Berliner machten die Idee marktreif: Biogemüse und -obst in Reinform pulverisiert.




• Stefan Arndt stellt zwei unscheinbare weiße Päckchen auf den Tisch. "Das hier ist Mango mit Spinat", sagt er, "und das hier Rote Bete." Randvoll mit Früchten gefüllte Kisten sucht man in den Geschäftsräumen vergebens. Gemeinsam mit seinem Freund Thomas Straßburg vertreibt er Gemüse und Obst in Pulverform.

Die Berliner kaufen für ihr Unternehmen Lebepur deutschlandweit Gemüse und weltweit Obst ein, alles aus biologischem Anbau. Die Zutaten, unter anderem Weißkohl, Spinat und Ananas, werden von Zulieferern gefriergetrocknet, zermahlen und gemischt. Das Ergebnis ist ein farbiges Pulver, das mit Wasser zu einem Smoothie angerührt, als Suppe gekocht, zu Eis verarbeitet oder in den Kuchenteig gemischt werden kann. "Wir wollten ein Produkt entwickeln, das gesund und lange haltbar ist und sich vor allem schnell zubereiten lässt", sagt Arndt.

Das Pulver kann seit Dezember 2010 in aktuell vier verschiedenen Sorten für 9,90 Euro im Internet bestellt werden. Für eine Packung mit 200 Gramm verarbeiten die Unternehmer etwa zwei Kilogramm Obst und Gemüse. Bisher wird Fruchtpulver in Deutschland vor allem in der Industrie eingesetzt, etwa bei der Herstellung von Süßwaren. Für den privaten Gebrauch wird es in der Regel nur als Diät- oder Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Das wollen die Gründer ändern. Lebepur soll all jene ansprechen, die sich vornehmen, mehr Gemüse zu essen, aber es nicht tun.

Arndt und Straßburg, beide 34 Jahre alt und sportlich gekleidet in Jeans und Pullover, sind seit der ersten Klasse miteinander befreundet. Nach dem gemeinsamen Studium der Betriebswirtschaftslehre, ihrer "Cheeseburger-Zeit", wie sie es nennen, wurde Arndt Qualitätsmanager für technische Anlagen, Straßburg verkaufte Industriesensoren. Im Jahr 2007 wechselten sie als wissenschaftliche Mitarbeiter an die Freie Universität Berlin.

Im folgenden Frühjahr kam Straßburg mit Verdacht auf Krebs ins Krankenhaus. Zum Glück ein Fehlalarm, doch der Schock saß bei beiden tief. Sie beschlossen, gesünder zu leben und täglich zu kochen. Da ihnen das bald zu aufwendig erschien, zerkleinerten sie Gemüse kurzerhand im Mixer und entwickelten – ganz ohne Marktforschung – ihre Geschäftsidee: Zu wenig Zeit für gesunde Ernährung – so erging es schließlich vielen Berufstätigen.

In der Freizeit begannen sie, Lebepur aufzubauen. Ihr Vorsatz: Zucker, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker sind tabu; möglichst schonender Umgang mit den Nährstoffen bei der Herstellung. Mixgetränke schieden wegen zu kurzer Haltbarkeit aus.

Ernährungswissenschaftler der Universität Potsdam rieten ihnen zur Pulverisierung und empfahlen Gefriertrocknung als Verfahren, wie es bei der Produktion von löslichem Kaffee und in der Pharmaindustrie eingesetzt wird: Die Früchte werden schockgefroren und danach schonend im Vakuum getrocknet, wobei Eis verdampft. Durch die tiefen Temperaturen bleiben rund 90 Prozent der Inhaltsstoffe erhalten.

Als Neulinge im Lebensmittelhandel mussten die Gründer lange experimentieren, bis die Herstellung rundlief. Denn bei einem reinen Naturgut schmeckt man es, wenn Früchte je nach Herkunft oder Charge unterschiedlich reif, süß oder aromatisch ausfallen. Mittlerweile wissen die beiden Gründer, welches Gemüse und Obst sie wann und wo einkaufen müssen, damit die Qualität stimmt. Außerdem haben sie die Zulieferer mit Fruchtzuckermessgeräten ausgestattet und kontrollieren jeden Produktionsschritt.

Die Markteinführung glich einem Experiment. "Wir waren völlig unsicher, ob das etwas werden kann", sagt Straßburg. Mit einem Trick federten sie das finanzielle Risiko ab. Sie gaben im Internet den Start von Lebepur bekannt, ohne überhaupt Ware auf Lager zu haben. "Wir wussten allerdings, dass unsere Lieferanten schnell reagieren würden." Als Startkapital genügten den beiden rund 5000 Euro, unter anderem für Design und Website. Kurz darauf wurden sie von einer Anfrageflut und Bestellungen aus Europa, Dubai und sogar Beverly Hills überrascht. Die ersten 400 Kilogramm Pulver waren nach drei Wochen verkauft.

Kann ein Pulver "bio" sein? Dem Zoll ist so etwas verdächtig

Das unerwartet große internationale Interesse führte in Übersee zu Problemen: Beim Zoll reagierten sie skeptisch auf das unbekannte Pulver und ließen sich bei der Abfertigung der Päckchen manchmal viel Zeit. Das deutsche Geschäft hat für die Berliner auch deshalb erst einmal Vorrang.

Der monatliche Umsatz beträgt derzeit knapp 15 000 Euro, rund 30 Prozent davon verbleiben als Gewinn. Während Arndt und Straßburg die ersten Päckchen noch eigenhändig packten, haben sie den Versand inzwischen ausgelagert. Als nächstes Etappenziel haben sie sich vorgenommen, Lebepur in Bioläden unterzubringen.

Ihre Zwischenbilanz kann sich sehen lassen. Sie haben rund 3000 Kilogramm Pulver verkauft, hergestellt aus 30 000 Kilogramm Früchten. "Wenn mir während des Studiums jemand gesagt hätte, dass ich einmal Gemüsehändler werde", sagt Straßburg und lacht, "dem hätte ich einen Vogel gezeigt."

Kontakt: Lebepur GmbH, Altensteinstraße 44b, 14195 Berlin
www.lebepur.de