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Ein Werbegrafiker im Südsudan

Monatsverdienst, Grundkosten, Altersvorsorge
Goffrey Mawadri verdient etwa 850 Südsudanesische Pfund (SSP) pro Monat. Seine Einkünfte sind sehr unregelmäßig, denn den Leuten in Magwi ist diese Art Dienstleistung noch fremd. Er betreibt sein Geschäft in einer fensterlosen Garage, für die er monatlich 120 SSP Miete zahlt. Für Arbeitsmaterial wie Druckerpatronen, Farbe und Papier braucht er 300 SSP. Er hat bei einer befreundeten Familie Unterkunft gefunden und zahlt für Kost und Logis 240 SSP. Als Kleinstunternehmer muss er keine Steuern zahlen. Trotzdem bleibt kaum etwas übrig für Rücklagen.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?
"Da ich noch keine eigene Familie habe, dreht sich bei mir alles nur um die Arbeit. Die ist neben einer guten Ausbildung die Voraussetzung, um voranzukommen. Nach dem langen Krieg haben wir das große Problem, dass viele junge Leute ohne Job herumhängen. Wir müssen sie von der Straße und in sinnvolle Beschäftigung bringen, damit sie ein Einkommen haben und für sich und ihre Familie sorgen können. Es bedeutet mir sehr viel, Ideen zu entwickeln, etwas zu entwerfen und damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen." Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?
"Dass Kunden etwas bestellen, aber nicht bezahlen. Sie haben kaum Vorstellungen von Kunst und wie viel Mühe das macht. Man muss es ihnen erst erklären. Und: dass immer wieder der Strom ausfällt. Manchmal gibt es nur eine Stunde Strom am Tag. Aber so ist die Lage allgemein. Es kann nur besser werden." Was erwarten Sie von der Zukunft?
"Ich glaube, dass sich mein Land entwickeln wird und dass meine Arbeit gebraucht wird, weil die Leute für ihre Geschäfte oder Büros schöne Schilder oder Logos haben wollen. Ich möchte mein Geschäft gern erweitern, mit einem oder zwei Angestellten. Und weiter fortbilden möchte ich mich, um die neuesten technischen Verfahren kennenzulernen." Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Lebensunterhalt kümmern müssten?
"Ich würde mir im Ausland anschauen, was Werbedesigner dort machen, in Kenia, Südafrika oder vielleicht in Europa." Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?
"Ich bin ein gläubiger Christ. Der Glaube gibt mir bei allen Schwierigkeiten Halt und Orientierung." Der Südsudan ist erst seit vergangenem Jahr selbstständig. Was ist nötig, damit er als Staat erfolgreich wird?
"Ich würde vor allem meine Landsleute ermutigen, zur Schule zu gehen und einen Beruf zu erlernen. Für die Voraussetzungen muss auch der Staat sorgen. Das Wichtigste, was unser Land braucht, sind aber private Initiativen in der Wirtschaft. Neben Straßen, Schulen und Krankenhäusern, die unbedingt gebaut werden müssen, fehlt es noch überall an kleinen und größeren Geschäften. Die würden vielen nützen, auch mir selbst. Denn wer ein Geschäft eröffnet, braucht dafür ein Schild, oder? Sonst sieht ihn ja keiner!"
Südsudan:
Staatsgründung:  9. Juli 2011
Einwohner:  8,3-9,3 Millionen (geschätzt)
Währung:  Südsudanesisches Pfund (SSP) (gekoppelt an das Sudanesische Pfund) - 3,55 SSP = 1 Euro
BIP pro Kopf:  1166 Euro
Durchschnittliches Einkommen eines Kleinbauern:  zirka 35 Euro monatlich Aktuelle Durchschnittskosten:
1 Liter Diesel  1,75 Euro
1 Liter Mineralwasser  1,00 Euro
1 Dose Cola  0,80 Euro
1 Flasche Bier  1,30 Euro
1 Kilo Reis  1,20 Euro
1 Kilo Bohnen vom Markt  0,50 Euro
1 T-Shirt aus China  3,00 Euro