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Der Schirmhersteller Knirps war erst ein Paradebeispiel für clevere Markenführung und dann pleite. Nun ist er wieder quicklebendig und trotzt der Billigkonkurrenz.




- Der Retter der Traditionsmarke kommt jugendlich daher. Michael Lackner, 33, ist Geschäftsführer für Knirps bei der Firma Doppler in Braunau am Inn. Gern führt er durch die lichte Produktionshalle, wo Regenschirme noch per Hand gefertigt und repariert werden. Allerdings gilt das nur für Premiummodelle aus edlen Materialien - zum Beispiel aus Satin -, die um die 300 Euro kosten können. Neben Schirmen der eigenen Marken produziert man auch im Auftrag namhafter Luxushersteller, die nicht genannt werden wollen. Doch das Gros der Ware kommt aus China. Auch die hat ihren Preis: Für Knirps' Bestseller T2 muss man beispielsweise im Kaufhaus rund 50 Euro ausgeben.

Die Schirme mit dem roten Punkt schlagen sich wieder gut auf einem schwierigen Markt, der überschwemmt wird mit Wegwerfartikeln. Die österreichische Familienfirma Doppler ließ sich nicht beirren und schnappte sich vor sieben Jahren die bekannteste Schirmmarke im deutschsprachigen Raum. Lackner, der Knirps vor seinem Eintritt in die Firma im Jahr 2004 "lediglich von meinem Großvater kannte", spricht von einer "gelungenen Markensanierung". Der Umsatz habe jedes Jahr zweistellig zugelegt.

Er und sein kleines Team - darunter ein deutscher Techniker mit 20 Jahren Knirps-Erfahrung - besannen sich auf die Tugenden Qualität und Design. Und wucherten mit dem Namen, der auch international einen guten Klang hat und einen weiteren wichtigen Mann anlockte: Paul Van de Velde. Der Belgier kam 2009 als Präsident der Knirps Licence Corporation und Gesellschafter mit an Bord und hat ein Händchen für Accessoires. 1987 hat er Kipling (Taschen) mitbegründet und zum Erfolg geführt, später den Reisegepäckhersteller Delsey saniert. Nun umgarnt Van de Velde als Knirps-Markenbotschafter wichtige Kunden im Ausland, während Lackner sich um das Tagesgeschäft kümmert. Mittlerweile erbringt das Geschäft mit Knirps-Lizenzen international mehr als eine Million Euro Umsatz im Jahr.

Weil anders als zu Zeiten des Wirtschaftswunders keine großen Sprünge beim Marketing mehr möglich sind, setzen die Schirm-Herren aus Braunau auf Product Placement in Modezeitschriften (Lackner: "Der Regenschirm ist das ideale Accessoire, um modische Muster zu präsentieren") und denken über einen eigenen Laden in einer regnerischen Stadt wie beispielsweise Hamburg nach. Dort könnten dann auch die Neuheiten im Sortiment präsentiert werden: zusammenfaltbare Regenmäntel und -hüte, die eleganter sind als Outdoor-Kleidung von Jack Wolfskin & Co und günstiger als Klassiker von Burberry.

Außerdem wollen die Österreicher demnächst dem größten Feind eines jeden Regenschirmherstellers die Stirn bieten - dem Sommer ohne Niederschläge. Im Frühjahr kommen zunächst testweise Knirps-Sonnenschirme heraus, wie es sie bereits in den Neunzigern gab, zum Schutz vor UV-Strahlen und dem damals viel diskutierten Ozonloch. Nun will man mit schickem Design und Bedienerfreundlichkeit punkten. "Mehr", sagt Lackner, "kann ich leider noch nicht verraten."-

Hans Haupt, Bergassessor a. D., geht am Stock und findet es lästig, sich zusätzlich mit einem Regenschirm herumzuplagen. Deshalb erfindet er 1928 einen Schirm mit zusammenfaltbarem Rahmen, der in die Tasche passt, und tauft ihn Knirps, also kleiner Kerl. Mit Bremshey & Co. findet er in seiner Heimatstadt Solingen einen Fabrikanten, der ihn ab 1932 in Serie produziert und clever vermarktet. Verkäuferinnen führen in den Schaufenstern der Fachgeschäfte - hinter einem Paravent verborgen, sodass nur ihre Hände zu sehen sind - vor, wie der Winzling gehandhabt wird. Ihren Siegeszug verdankt die Marke dem Knirps-Konsortium. Das ist ein Zusammenschluss von Herstellern, die von Bremshey die Gestelle beziehen. Einzelhändler müssen zudem einen Beitrag zur Werbung leisten, die den Namen bekannt macht. 1969 wird der charakteristische rote Punkt als Markenzeichen eingetragen. 1982 geht Bremshey Konkurs. Knirps wird von einer anderen Solinger Firma übernommen, die die Produktion in Deutschland 1999 einstellt. Im Oktober 2005 übernehmen das österreichische Familienunternehmen Doppler und dessen Schweizer Partner Strotz AG die Traditionsmarke und sorgen dafür, dass die Geschichte weitergeht. Bis heute hat Knirps rund 200 Millionen Schirme auf den Markt gebracht. Doppler & Co. GmbH: Umsatz 2010: rund 50 Millionen Euro; Mitarbeiter: 240; Regenschirm-Jahresproduktion: rund fünf Millionen (selbst gefertigt: 30 000)