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DZ-4

In der Solarbranche klagt man über schlechte Geschäfte. Zwei Hamburger haben ein neues gefunden – ohne Subventionen.




• Die Firma DZ-4 hat ihren Sitz in einem Wohnzimmer im Hamburger Schanzenviertel. Die Gründer Tobias Schütt und Florian Berghausen, beide 34, leben derzeit von ihren Ersparnissen. Sie sind aber sehr überzeugt von ihrer Idee: Hausbesitzer sollen ihr Dach mit einem Zehnjahresvertrag für eine Solaranlage zur Verfügung stellen und den Strom von dort kaufen.

"Wir brauchen 30 Quadratmeter unverschattete Dachfläche", rechnet Berghausen vor. So groß sind die Solarmodule, um 3500 Kilowattstunden Strom zu erzeugen – genug Energie für eine dreiköpfige Familie. Wenn die Sonne nicht scheint, soll Energie aus einer Batterie im Keller sowie grüner Strom aus dem Netz die Lücke schließen. Um all das braucht sich der Kunde nicht zu kümmern.

Das Prinzip ist ähnlich wie beim Leasing von Autos oder Smartphones. Und sei, so die Gründer, vor allem für Leute attraktiv, die kein Geld für eine eigene Solaranlage haben. DZ-4 will durch sie zu einem Energieversorger mit vielen kleinen Kraftwerken werden, die direkt bei den Nutzern stehen.

Zwei Jahre trug Tobias Schütt die Idee mit sich herum, versuchte zuletzt, seinen damaligen Arbeitgeber, die Deutsche Bank, davon zu überzeugen. Weil das nicht gelang, machte er sich selbstständig. Seinen Freund Florian Berghausen hatte er in wenigen Minuten überzeugt. Ein Selbstläufer war das Start-up nicht. "Als ich begann", sagt Schütt, "wartete jeder auf den anderen: Die Speicherhersteller wollten Projekte sehen, die Partner wollten Speicher sehen, die Politik wartete auf beides."

Profitieren könnten die Unternehmer von den Turbulenzen in der Solarindustrie: Die Subventionen für Anlagen und Solarstrom werden gekürzt, die Preise für Module sinken durch die Konkurrenz aus China rapide. Die Branche sucht nach neuen Ideen. Die von DZ-4 könnte sich als tauglich erweisen. Weil es weniger Zuschuss fürs Einspeisen von Solarstrom ins öffentliche Netz gibt, sind eigene Anlagen nicht mehr so attraktiv. Im Jahr 2009 gab es noch 43 Cent pro Kilowattstunde für eine typische Fotovoltaik-Anlage, heute sind es 19 Cent. "Die sinkende Einspeisevergütung wird uns helfen – denn in unserem Geschäftsmodell kommt die Förderung nicht vor", sagt Schütt.

Er und sein Partner wollen ihrerseits ohne Netzkosten auskommen, die den Hauptteil des Ökostrompreises der Konkurrenz ausmachen. Eines ihrer Verkaufsargumente ist die dezentrale Energieerzeugung. Gegen Leitungstrassen zu Offshore-Windparks, die quer durchs Land geschlagen werden sollen, regt sich allerorten Widerstand.

"Solche Modelle der Direktvermarktung von Solarstrom werden kommen", prophezeit Matthias Vetter vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg. "Sie sind einfach und werden wirtschaftlich immer attraktiver." Die dazu benötigten Stromspeicher werden gerade marktreif. Technisch sei das Risiko gering, sagt Vetter. Die politischen Hürden seien höher. "Die kurzfristigen politischen Wechsel in der Solarpolitik haben Investoren verunsichert." Er sieht vor allem bei Mehrfamilienhäusern und Unternehmen Potenzial. "Warum sollten Firmen den Betrieb der Solaranlagen nicht an Spezialisten wie DZ-4 auslagern?"

Zielgruppe der Gründer sind Leute, die heute schon bereit sind, mehr Geld für grünen Strom auszugeben. Zu wissen, dass der von einer Solaranlage auf dem eigenen Dach stammt, könnte ein Anreiz für diese Klientel sein. "Bisher weiß ich ja nicht, ob das Elektron im Atomkraftwerk oder im Windrad angeschubst wurde", sagt Berghausen. Eine Kilowattstunde von DZ-4 soll etwa 30 Cent kosten. Sich zehn Jahre an die Firma zu binden lohnt sich nur dann, wenn der Strompreis weiter steigt, wie es Fachleute erwarten.

Vorbild der Hamburger Gründer ist das kalifornische Unternehmen SolarCity, das 2008 ein ähnliches Modell einführte und heute der größte Installateur von Solaranlagen in dem Sonnenstaat ist. 30000 Anlagen hat die Firma in den vergangenen Jahren auf Dächer geschraubt.

Je billiger die Technik, desto reizvoller das Leasing-Geschäft
Ein Vorteil des Geschäfts ist seine gute Kalkulierbarkeit. DZ-4 kann den Strompreis auf zehn Jahre garantieren, weil die Betriebskosten der Anlagen und der Monteure – anders als der Strompreis an der Börse - absehbar sind. Ihre Anlagen haben Berghausen und Schütt mit den Preisen von vor einem Jahr berechnet – seitdem sind die weiter gefallen. Das Duo setzt nicht auf ein einzelnes System, sondern auf die jeweils günstigste Lösung für den Kunden. Noch gehen vor allem die Stromspeicher ins Geld, weshalb sich die Verträge erst durch die lange Laufzeit rechnen. Ab 2016, so die Prognose der Gründer, sollen die Kleinkraftwerke vom ersten Tag an wirtschaftlich arbeiten.

Vor technischen Problemen habe er keine Angst, sagt Berghausen, der mit Schütt fleißig potenzielle Partner und Investoren abklappert. Das erste Geld gab es von dem Hamburger Konzeptentwickler Watt und Wärme Energiekonzepte. Die ersten zehn Anlagen wird DZ-4 in diesem Herbst installieren.

"Die Idee wird groß", sagt Schütt selbstbewusst. "Es ist nur die Frage, ob wir als kleine Pioniere es schaffen, im Geschäft zu bleiben." •