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brandeins 07/2012 Unser Wissen gehört uns!
Elka Sloan, Frankfurt am Main


In Ihrer Darstellung fehlte der Hinweis darauf, dass die meisten wissenschaftlichen Verlage, auch Elsevier, es ihren Autoren gestatten, ihre Veröffentlichungen auf einer persönlichen Homepage oder einem universitären Server zu hinterlegen. Auf der Website Sherpa.ac.uk/romeo ist detailliert ersichtlich, welche Rechte von welchem Verlag für welche Zeitschriftentitel eingeräumt werden. Autoren im "Journal of Combinatorial Theory Series A" können Vor- beziehungsweise Nachdrucke ihrer Werke archivieren.

Während einige Universitäten und Einrichtungen diese Hinterlegungsmöglichkeit aktiv für sich nutzen und die unter ihrem Dach produzierten Inhalte auf einem öffentlich zugänglichen Server auch als Schaufenster der Universität aufbereitet haben (Beispiele sind einzelne Max-Planck-Institute oder die Universität Nottingham), wird diese Möglichkeit in anderen Institutionen nur lücken- oder stümperhaft wahrgenommen. Als stümperhaft würde ich bezeichnen, wenn dieser Server nur Universitätsangehörigen zugänglich ist (ja, das gibt es!), denn damit wird ja gerade das hehre Ziel der Zugänglichkeit für alle konterkariert. Es wäre also eine konzertierte Aktion nötig, alle diese Einzelinitiativen zu bündeln und aus Steuermitteln eine digitale Sammelbibliothek aktueller Wissenschaft aufzusetzen. Und da wären wir an der Stelle, wo die Verlage durchaus berechtigt auf die Infrastruktur verweisen, die sie ja mit ihren Portalen geschaffen haben.

Ein weiterer Diskussionsstrang fehlte ebenfalls: Alle reden nur von den Eigentumsrechten am fertigen Produkt Publikation. Wogegen sich einige protestierende Wissenschaftler ebenfalls wehren, ist die Tatsache, dass sie für den Begutachtungsprozess ihre Zeit zur Verfügung stellen müssen. Da ihr Lebensunterhalt durch ihre Anstellung an der Universität gesichert ist, kommt das nur als Unterpunkt in der Diskussion an. Der Wissenschaftler hat schließlich für die Wissenschaft zu leben, und Gutachter zu sein ist auch der Karriere nützlich. Im Zeitalter der Massenuniversität, der Massenforschung und des Massenpublizierens tut sich hier aber wie in allen anderen Berufsfeldern das Problem der Überbeanspruchung auf. Homo sapiens stößt an die Grenzen des Leistbaren. Alles kann zeitgleich, zeitnah und ad hoc erledigt werden, aber auch für Digital Natives hat ein Tag nur 24 Stunden. Diese Zeit haben sie aufzuteilen zwischen eigener Forschung, Gutachter-Pflichten, Lehre, Betreuung von Studierenden, Netzwerkpflege, dem Schreiben von Drittmittelanträgen, sonstigen bürokratischen Aufgaben und dann irgendwo ganz hinten in der Prioritätenliste auch noch einem Privatleben und einer Familie.

Es haben mal wieder alle recht: Man kann durchaus einzelnen Verlagen Preistreiberei vorwerfen, und man kann auch mit einigem Recht sagen, dass das traditionelle Geschäftsmodell Verlag nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist. Es ist aber längst nicht klar, welche Strukturen und Modelle an die Stelle der alten treten sollen.

brandeins 06/2012 Schwerpunkt Risiko
Markus Knopp, Wien

Eigentlich komisch. Ein ganzes Heft zum Risiko und kein Wort über die Risikoberufsgruppen; Tänzer, Sportler und alle, die (auch) mit ihrem körperlichen Einsatz zum Erfolg kommen wollen.

brandeins 06/2012 Lecker CO2
Carsten Schwer, Markersdorf

Bereits in früheren Veröffentlichungen wurde auf die CO2-Problematik eingegangen. Als Technologien wurden das Verflüssigen und Verpressen des Gases dargestellt oder, wie in diesem Falle, der Abbau über die Bildung organischer Masse. Es gibt aber noch andere Lösungen, wie unter Nutzung bekannter physikalischer Gesetze die Gase zur Zerlegung kommen und somit die einzelnen Bestandteile wieder als Rohstoff verfügbar werden. Kohlenstoff und Sauerstoff sind zu wertvoll, um einfach "entsorgt" zu werden. Die technischen Anlagen bestehen bereits, beziehungsweise es gibt Funktionsmuster, an denen der Prozess der Zerlegung realisiert wird. Die Frage ist, wollen wir diese Lösung überhaupt, und ist es auch politisch gewollt? Mit der Klimaproblematik lassen sich viele Ängste schüren. Die Großemittenten können gut mit anderen Lösungen leben, da die Kosten im Umlageverfahren an die Verbraucher weitergegeben werden.

brandeins 04/2012 Wenn Freiheit keine Angst mehr macht
Wendelin Moritz, Wien

Die ganze Diskussion ist nur ein weiterer Ausdruck der nur allzu menschlichen Utopie vom Leben ohne Abhängigkeit von den körperlichen Bedürfnissen.