Babylon und Dattelpalmen

Eine Währungsreform ist vor allem eine logistische Herausforderung. Erst recht im Irak.




• General Hugh Tant ist ein Mann, den so schnell nichts schreckt. Er hat an einem Militär-College in South Carolina studiert, diente bei einer Luftlande-Einheit und war später im Pentagon für zwei Drittel des Militär-Etats zuständig. Mehr als 30 Jahre Militärdienst hatte er hinter sich, als Anfang 2003 eine besonders heikle Aufgabe auf ihn wartete: die Einführung einer neuen Währung im Irak.

Die Verhältnisse, die Tant nach dem Krieg vorfand, waren unübersichtlich. Im Norden bezahlten die Kurden bereits mit einer anderen Währung als der Rest des Landes. Die meisten Banken waren geplündert worden. Weil die 10000-Dinar-Scheine oft gefälscht wurden, akzeptierten Händler meist nur 250er-Scheine, die gerade noch 12,5 US-Cent wert waren. Zum Einkaufen brachten die Iraker deshalb Körbe voller Scheine mit.

Um die irakische Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen, kündigten die amerikanischen Besatzungstruppen am 7. Juli 2003 an: Am 15. Oktober gibt es den neuen Dinar. Tant hatte drei Monate Zeit.

Er musste sich selbst um die Details kümmern. Auf den alten Scheinen prangte noch das Bild von Saddam Hussein. Tant diskutierte mit Irakern, was sie auf den Banknoten sehen wollten. Man einigte sich auf einen Mathematiker und einen Astronomen aus dem 10. Jahrhundert, einen Bauern, die Kulisse des antiken Babylon und Dattelpalmen.

Dann ließ Tant sechs Billionen Dinar von einem Konsortium drucken, das von dem britischen Traditionshaus De la Rue geleitet wurde. Die Herstellung kostete 120 Millionen Dollar, die Verbreitung weitere 50 Millionen. Fast 20 Jumbo-Jets waren im Einsatz, um die 2300 Tonnen schwere Fracht aus Druckereien in Kenia, Sri Lanka, Malta, Deutschland, Großbritannien und Spanien einzufliegen.

Das Finale war das schwierigste Kapitel: Das Geld musste sicher und rechtzeitig bei 243 Banken eintreffen. 1000 Konvois, beladen mit Geldkisten und beschützt von schwer bewaffneter Eskorte, brachen auf. Ernste Zwischenfälle blieben aus.

Am 15. Oktober kam der neue Dinar in Umlauf. Nur ein einziges Problem wuchs den Amerikanern über den Kopf: das Altpapier. Statt 3000 Tonnen alter Geldscheine hatten sie 13000 Tonnen eingesammelt. •