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Hier stehe ich, ich kann nicht anders

Wer für seine Überzeugung gegen Mächtige streitet, braucht Mut. Eine Bild-Geschichte historischer Neins.




Datum 9. Oktober 1950
Name Gustav Heinemann

Frostige Verabschiedung: Gustav Heinemann und der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer reichen sich am 16. September 1950 die Hände, doch das Verhältnis der beiden ist zerstört. Adenauer hatte ohne das Wissen des Kabinetts, dem Heinemann als Bundesinnenminister angehörte, in Verhandlungen mit westlichen Regierungen die Wiederbewaffnung Deutschlands angeboten und dies erst nachträglich am 31. August 1950 mitgeteilt. Der spätere Bundespräsident Heinemann war erbitterter Gegner der Remilitarisierung und erklärte umgehend seinen Rücktritt, der am 9. Oktober vollzogen wird.

Datum 16. Oktober 1968
Name Tommie Smith und John Carlos

Black Power unerwünscht: Die US-amerikanischen Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos recken bei der Siegerehrung nach dem 200-Meter-Lauf bei den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko-Stadt ihre schwarz behandschuhten Fäuste und protestieren so gegen die Diskriminierung von Afroamerikanern in den USA. Smith hatte das Rennen in der neuen Weltrekordzeit von 19,83 Sekunden gewonnen, Carlos wurde hinter dem Australier Peter Norman Dritter. Noch am selben Abend werden die beiden Athleten aus dem US-amerikanischen Team ausgeschlossen, müssen das Olympische Dorf verlassen und binnen 48 Stunden aus Mexiko ausreisen. Smith wird zehn Jahre, Carlos sogar erst 35 Jahre später in die Hall of Fame des nationalen Leichtathletikverbandes der USA aufgenommen.

Datum 22. September 2002
Name Hans-Christian Ströbele

Triumph des alten Querkopfs: Hans-Christian Ströbele holt als erster Grüner der Geschichte ein Direktmandat im Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg und zieht zur Überraschung seiner Fraktionskollegen in den Bundestag ein. Der überzeugte Pazifist Ströbele hatte von seiner Partei keinen Platz auf der Landesliste erhalten, nachdem er sich mehrfach deutlich gegen den Einsatz der Bundeswehr im Afghanistan-Konflikt ausgesprochen hatte. 

Datum 8. Februar 2003
Name Joschka Fischer

Showdown in München: Der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer im Gespräch bei der Internationalen Sicherheitskonferenz in München. Fischer zweifelt die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak an und sagt in einer engagierten Rede mit teilweise zitternder Stimme: "Excuse me, I am not convinced. This is my problem. And I cannot go to the public and say ,these are the reasons', because I don't believe in them." Der zweite Irak-Krieg mit der Bezeichnung Operation Iraqi Freedom beginnt am 20. März 2003. Die vorgeblichen Massenvernichtungswaffen werden nie gefunden, später stellen sich die Kriegsgründe als falsch heraus. 

Datum 16. Dezember 2005
Name Orhan Pamuk

Unbequemer Kritiker: Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk verlässt das Gerichtsgebäude in Istanbul, in dem er wegen eines Verstoßes gegen Artikel 301 des türkischen Strafgesetzbuches wegen "öffentlicher Herabsetzung des Türkentums" angeklagt wurde. Pamuk hatte in einem Interview mit dem Magazin des Zürcher "Tages-Anzeigers" gesagt: "Man hat hier 30000 Kurden umgebracht. Und eine Million Armenier." Das Verfahren wird zunächst eingestellt, dann wieder aufgenommen und der Schriftsteller zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Jahr 2006 erhält Pamuk den Nobelpreis für Literatur.

Datum 27. Oktober 1962
Name Wassili Alexandrowitsch Archipow

Die Welt am Rande eines Atomkriegs: Das vor der Küste Kubas von US-amerikanischen Zerstörern mit Wasserbomben zum Auftauchen gezwungene, mit atomaren Torpedos bestückte sowjetische U-Boot B-59 liegt schutzlos im Wasser. Erst später wird bekannt, dass ein Offizier vor dem Auftauchen den Befehl zum nuklearen Gegenschlag gegeben hatte, weil er glaubte, der Krieg sei ausgebrochen. Zwei weitere Offiziere mussten dem Schießbefehl zustimmen. Der zweite gab sein Einverständnis. Nur der dritte Offizier, Wassili Alexandrowitsch Archipow, verweigerte den Befehl und bewahrte die Welt womöglich vor dem Ausbruch des Dritten Weltkriegs.