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Blick in die Bilanz: Auf Hochtouren

Der Automobilkonzern BMW legte im dritten Quartal 2011 Rekordzahlen vor – obwohl in zwei seiner wichtigsten Absatzmärkte, Europa und USA, seit Monaten Krisenängste grassieren. Ist die Lage vielleicht besser als die Stimmung?




Noch nie haben Menschen weltweit innerhalb von neun Monaten so viele BMW-Karossen gekauft wie im ersten Dreivierteljahr 2011: Erstmals waren es mehr als eine Million Fahrzeuge. Hinzu kamen Motorräder und Gefährte anderer Marken unter dem Dach der Münchner, etwa Mini und Rolls-Royce. Insgesamt fuhr der Konzern in den ersten drei Quartalen dieses Jahres ein Umsatzplus von mehr als 15 Prozent ein. Der Gewinn verdoppelte sich gar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, von gut zwei auf 4,1 Milliarden Euro.

Einer der Gründe für den Erfolg ist, dass die Nachfrage in Asien mit mehr als 282 000 verkauften Fahrzeugen explodierte, ein Zuwachs gegenüber der Vorjahresperiode um 36,8 Prozent. Zwar legte auch der Absatz in Nordamerika (+13,9 %) und Europa (+10 %) zu. Diese Regionen sind aber längst nicht mehr so bedeutsam für BMW wie vor einigen Jahren. 2006 lieferten die beiden Märkte 83 Prozent der Erlöse, Ende 2010 waren es rund 71 Prozent. Asien steuert mittlerweile 24 Prozent zum Umsatz bei. Deutlich höher noch dürfte der Gewinnbeitrag liegen, nach Analystenschätzungen bei mindestens 35 Prozent. Der Grund: Die Asiaten lieben teure, prestigeträchtige Autos.

Die Vorliebe für Premium-Modelle ist aber auch anderswo ausgeprägt. Kleinere Modelle – etwa der 3er-BMW oder die meisten Mini-Varianten – verkauften sich insgesamt schlechter als im Vorjahr. Die 5er-Limousine hingegen boomte, ebenso der X1 (+30,4 %) – als erster kleiner Geländewagen eine Produktneuheit in der Branche – oder die Rolls-Royce-Karossen (+41,3 %).

BMW verdankt seine glänzenden Zahlen nicht nur der steigenden Nachfrage und einem verbesserten Modell-Mix. Der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer, der als einer der besten Automobil-Manager weltweit gilt, hat BMW seit seinem Amtsantritt 2006 zu einem effizienteren Unternehmen umgebaut – Kapital klüger eingesetzt, die Herstellungskosten deutlich reduziert. Dadurch arbeiten die Münchner heute rentabler als die Konkurrenz: Nach Abzug der Umsatzkosten – der Ausgaben für Produktion sowie Forschung und Entwicklung – blieben vom Umsatz in den ersten neun Monaten 2011 gut elf Milliarden Euro Gewinn. Das entspricht einer Bruttomarge von knapp 22 Prozent. Bei Daimler sind es rund 20 Prozent, bei VW knapp 19 Prozent.

Trotz aller Erfolge: Würde die europäische Schuldenkrise zu einer weltweiten Abkühlung der Wirtschaft führen, wäre auch BMW betroffen. Auch eine Verschärfung der bereits schwelenden Bankenkrise wäre bedrohlich, kaufen doch viele Kunden ihr Auto auf Kredit oder leasen es. Für den Ausfall der Kreditwirtschaft haben die Autobauer indes vorgesorgt. Schon heute finanzieren sie 40 Prozent ihrer verkauften Fahrzeuge selbst. Dazu nutzen sie eine eigene Bank, die in den ersten drei Quartalen immerhin 1,5 Milliarden Euro zum Ergebnis vor Steuern beitrug. Das Institut hat anders als andere Banken keine Liquiditätssorgen, da es unter anderem mit dem Geld der Mutter arbeitet, und die ist bestens ausgestattet. Laut Bilanz verfügt der BMW-Konzern über mehr als elf Milliarden Euro an Barem und kurzfristig verkäuflichen Wertpapieren – versteckt in den Positionen "Zahlungsmittel" und "Finanzforderungen".

Die Bayerischen Motoren Werke AG (BMW), 1916 in München gegründet und heute einer der erfolgreichsten Automobilhersteller der Welt, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Firma startete mit der Produktion von Flugzeugmotoren, die während des Zweiten Weltkriegs zum Hauptumsatzbringer avancierten. In den Nachkriegsjahren tat BMW sich schwer, neue Produkte zu entwickeln, geriet Ende der fünfziger Jahre in eine Krise, die fast zu einer Übernahme durch Daimler-Benz führte. Der Industrielle Herbert Quandt rettete BMW, seine Familie hält bis heute knapp 47 Prozent der Anteile.